Edith Steiner née Bry

Location 
Trautenaustr. 18
District
Wilmersdorf
Stone was laid
29 April 2012
Born
05 July 1872 in Berlin
Deportation
on 15 June 1942 to Sobibór
Murdered
in Sobibór
Biography

Edith Steiner wurde als Edith Bry am 5. Juli 1872 in Berlin geboren. Für ihre Eltern,

den Kaufmann Louis Bry (*1826) und Doris Bry geborene Rosenthal (*1834), war sie das jüngste von insgesamt acht Kindern. Das erste Kind Jenny wurde 1857 nur zwei Monate alt. Ediths ältester Bruder Jean (Jakob) (*1858) war 14 Jahre, Martha (*1859) 13 Jahre, Regina (*1861) 11 Jahre, David (*1863) 9 Jahre und Margarete (*1864) 8 Jahre älter als sie. Auch ihre Schwester Toni starb 1867 schon nach zwei Monaten. Ihr Vater starb am 3. Juli 1886 zwei Tage vor Ediths 14. Geburtstag.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den 31-jährigen aus Wien in Österreich stammenden Rechtsanwalt und Notar Ludwig Steiner (*13. Dezember 1864), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 2. April 1896 in Berlin. Trauzeuge war Ludwigs Onkel, der Rechtsanwalt Hugo Wurm, da sein Vater Carl Steiner zu diesem Zeitpunkt schon verstorben war. Ihr Sohn Carl Hans wurde am 23. März 1897 in der Friedrichstraße 21 in Berlin-Mitte geboren.

Von 1908 bis 1933 wohnte die Familie am Kurfürstendamm 57. Ediths Ehemann, der Justizrat Ludwig Steiner, führte seine Kanzlei zusammen mit Dr. Arthur Jacobi Unter den Linden 57/58. 

Ihr Sohn Hans wurde Publizist von Beruf und veröffentlichte unter dem Namen Hanns, mit Doppel-n, Steiner. Am 27. September 1930 heiratete der Verlagsdirektor Hans Steiner die Verkäuferin Anna Helene Borchert. 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dem Justizrat Ludwig Steiner wie allen jüdischen Rechtsanwälten im Frühjahr 1933 erst einmal die Zulassung entzogen, dann wurde er als Rechtsanwalt aber wieder zugelassen.

Die Ehe von Sohn Hans und Schwiegertochter Anna wurde am 9. Februar 1934 geschieden.

Als Ediths Ehemann Ludwig Steiner mit 72 Jahren am 19. April 1937 starb, wohnten sie in der Lietzenbuger Straße 22 in Berlin-Charlottenburg, ganz in der Nähe ihrer Schwester, die in der Lietzenburger Str. 37 wohnte.

Am 14. Juni 1938 verhaftete die Gestapo ihren Sohn, den Kaufmann Hanns Steiner, in Berlin und internierte ihn sieben Monate im Konzentrationslager Buchenwald. Edith wohnte damals in der Brandenburgischen Straße 46. Als Hanns am 17. Januar 1939 entlassen wurde, wohnte sie zur Untermiete bei Bertha Walther in der Ansbacherstraße 34 in Berlin-Schöneberg. Vermutlich zog sie danach in die Trautenaustraße 18 zur Untermiete, denn als Hauptmieterin war sie nicht gemeldet.

Edith Steiner befand sich bei der „Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1939 in der Heil- und Pflegeanstalt in Sayn (Bendorf) in der Nähe von Koblenz. Hierbei handelte es sich um die Jacoby´schen Heil- und Pflegeanstalt, eine Einrichtung für jüdische „Nerven- und Gemütskranke“.

Ediths Sohn Hanns Steiner war erneut festgenommen worden und saß in Hannover im Gefängnis in der Leonhardtstraße ein. Am 22. November 1939 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt, wo er bis zum 11. September 1940 interniert war.

Am 15. Juni 1942 wurde Edith Steiner von Sayn aus über Koblenz, Köln und Düsseldorf in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und ermordet. Sie starb mit 70 Jahren.