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Charlotte Kobrak (geb. Stern)

Stolperstein für Charlotte Kobrak. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Waldmannstr. 1

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Lankwitz
VERLEGEDATUM
16.07.2007

GEBOREN
30.10.1893 in Breslau (Schlesien) / Wrocław
BERUF
Lehrerin
DEPORTATION
am 17.03.1943 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 19.10.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
1944 in Auschwitz

Charlotte Kobrak, geborene Stern, wurde am 30. Oktober 1893 in Breslau geboren. Sie war die Tochter des Arztes Richard Stern und seiner Frau Toni, geb. Asch. Sie hatte, soweit dies bekannt ist, noch einen Bruder, Rudolf, der zwei Jahre nach ihr geboren wurde. Es scheint, als habe die gesamte Familie länger in Breslau gelebt, denn auch die Kinder ihres Bruders, Fritz (der spätere Historiker Fritz Stern) und Toni, wurden noch in den 1920iger Jahren in Breslau geboren.

Charlotte Stern arbeitete als Lehrerin für Mathematik und Naturwissenschaften in Breslau und muss dort ihren Mann, den Juristen Dr. Richard Kobrak, kennengelernt haben. Das Paar heiratete und zog 1927 nach Berlin. Ihr Ehemann war dort beim Magistrat der Stadt für das Wohlfahrtswesen verantwortlich.

Die Familie Kobrak hatte drei Kinder: Käthe Toni (*1918), Helmut Richard (*1920) und Eva Maria (*1922). Alle Familienmitglieder waren gläubige Christen, sollten aber später wegen der Nürnberger Rassegesetzgebung aufgrund ihrer familiären Herkunft als Juden gelten. Seit 1932 lebte die Familie in der Waldmannstr. 1 in Lankwitz und nahm aktiv am Gemeindeleben teil. 1933 verlor Richard Kobrak aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung jüdischer Beamter zunächst seine Stelle im Magistrat, musste aber als Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges wieder eingestellt werden.

1935 schlossen sich Richard und seine Frau Charlotte Kobrak der Bekennenden Kirche an. Zum 1. Januar 1936 erfolgte aufgrund der Nürnberger Gesetze die Zwangspensionierung von Richard Kobrak, was zu erheblichen finanziellen Engpässen geführt haben muss. Nach seiner Entlassung fingen Richard und Charlotte Kobrak an, ehrenamtlich soziale Arbeit für Christen jüdischer Herkunft im Paulusbund zu leisten.

Da sich mit der Verhaftung Pfarrer Niemöllers 1937 die Repression auf Mitglieder der Bekennenden Kirche intensiviert hatte, tauchte Charlottes Kobraks Mann Richard nach den Novemberpogromen in der Lüneburger Heide unter und kam erst zurück, als sich die Lage etwas beruhigt hatte. Mit Weitsicht schickte das Ehepaar nach den Erlebnissen des Pogroms ihre drei Kinder 1939 nach England, wo die beiden Töchter überlebten. Der Sohn wurde 1940 nach Australien gebracht und kam von dort nach Bombay, erst 1952 gelangte er nach England zurück.

Richard Kobrak engagierte sich für Christen jüdischer Herkunft und leitete 1939/40 die Wohlfahrtsabteilung im Büro Pfarrer Grüber. Hier versuchte man, verfolgten "nichtarischen" Christen die Emigration zu ermöglichen. Es ist davon auszugehen, dass das Ehepaar dieses gefährliche Engagement miteinander besprochen und diskutiert hat, vermutlich half auch Charlotte Kobrak bei der Arbeit. 1940 wurde Pfarrer Grüber von der Gestapo verhaftet, das Büro wurde geschlossen. Charlotte Kobrak und ihr Mann hatten selbst noch versucht, in die USA zu emigrieren. Doch die Genehmigung kam erst Ende Oktober 1941, kurz nachdem das Ausreiseverbot für Jüdinnen und Juden ausgesprochen wurde.

Die Eheleute wurden in ein Zimmer in der Eichenallee 25 in Charlottenburg eingewiesen. Richard Kobrak musste Zwangsarbeit bei den Siemens-Schuckert-Kabelwerken leisten. Im Februar 1943 wurden Charlotte und Richard Kobrak verhaftet, am 13.März 1943 zunächst nach Theresienstadt und im Oktober 1944 in zwei unterschiedlichen Transporten nach Auschwitz deportiert. Dort wurden beide ermordet.


Für weitere Informationen siehe Hartmut Ludwigs Artikel über Richard Kobrak in: Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Hg. H. Schultze u. A. Kurschat, Evangelische Verlagsanstalt 2006

Biografische Zusammenstellung

Initiative Steglitz nach Informationen von Dr. Hartmut Ludwig, HU Berlin.