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Jochen Klepper

Jochen Klepper © heiligenlexikon.de
Familie Klepper (Renate / Jochen / Johanna) © heiligenlexikon.de
Letzter Eintrag im Tagebuch von Jochen Klepper © heiligenlexikon.de
Stolperstein für Jochen Klepper - Foto: Projekt-Stolpersteine Teltow-Zehlendorf
VERLEGEORT
Teutonenstraße 23

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Nikolassee
VERLEGEDATUM
11.12.2014

GEBOREN
22.03.1903 in Beuthen an der Oder / Bytom Odrzański
BERUF
Journalist, Schriftsteller und Dichter
FLUCHT IN DEN TOD
11.12.1942 in Berlin-Zehlendorf

Joachim Georg Wilhelm Klepper (* 22. März 1903 in Beuthen an der Oder, Landkreis Freystadt, Provinz Schlesien) war das dritte Kind und der erste Sohn des evangelischen Pfarrers Georg Klepper und seiner Frau Hedwig, geborene Weidlich. Er wurde am 26. April 1903 von seinem Vater mit Jordanwasser getauft und erhielt den Taufspruch: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Er hatte zwei ältere Schwestern, Margot und Hildegard, und zwei jüngere Brüder, Erhard und Wilhelm.

Klepper besuchte das Evangelisch-Humanistische Gymnasium in der Kreisstadt Glogau und war bei seinem Französischlehrer Erich Fromm einquartiert, der zu einem väterlichen und vereinnahmenden Freund wurde. Ab Sommer 1922 studierte er Evangelische Theologie in Erlangen und ab Sommer 1923 in Breslau. Hier wurde er vom Neutestamentler Ernst Lohmeyer, vom Dogmatiker Erich Schaeder und vor allem vom Religionsphilosophen Rudolf Hermann geprägt. Hermann brachte ihm Martin Luther nahe, er war sein Vorbild im Predigen und wurde sein väterlicher Freund. Wegen seines labilen Gesundheitszustandes – Klepper litt unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen – verzichtete Klepper darauf, Pfarrer zu werden. Die Studentenhilfe schickte ihn 1925 zur Kur nach Bad Saarow ins Haus der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung, das vom evangelischen Pastor Hermann Schlingensiepen geführt wurde.

Ab 1927, er hatte die Universität ohne Abschluss verlassen, schrieb Klepper feuilletonistische Artikel und bot sie zuerst unter dem Pseudonym Georg Wilhelm und später unter dem eigenen Namen Zeitungen und Zeitschriften an.

Am 26. April 1929 lernte er die jüdische Witwe Johanna Stein (geborene Gerstel) aus Nürnberg kennen, deren Familie die Modehäuser Gerstel besaß. Klepper war einer der Untermieter in der Wohnung Steins in der Eichendorffstraße 51 in Breslau, und eine allmählich und langsam wachsende Beziehung entstand. Am 28. März 1931 heiratete der 28-Jährige die um 13 Jahre ältere, gebildete und kultivierte Frau, deren erster Mann Felix Stein bereits 1925 gestorben war. Sie brachte ihre Töchter Brigitte (* 1920) und Renate (* 1922) mit in die Ehe. Kleppers Familie missbilligte die Ehe mit einer Jüdin.

Jochen Klepper pflegte zahlreiche Freundschaften, litt jedoch darunter, keine leiblichen Kinder zu haben, und war oft schwermütig. Am 18. Dezember 1938 ließ sich Johanna Klepper in der Martin-Luther-Gedächtniskirche, Berlin-Mariendorf, von Pfarrer Kurzreiter taufen. Anschließend wurde das Ehepaar Klepper kirchlich getraut. Wegen der Germaniapläne war die Familie gezwungen, aus ihrem alten Haus, heute Oehlertring 7 in Südende, das sie erst 1935 bezogen hatten, auszuziehen. Ab 20. Mai 1939 wohnte die Familie in Berlin-Nikolassee in dem von ihnen gebauten Haus in der Teutonenstraße 23. Seine ältere Stieftochter Brigitte hatte kurz vor Kriegsausbruch über Schweden nach England ausreisen können.

Am 25. November 1940 erhielt Klepper die Einberufung zur Wehrmacht und war vom 5. Dezember 1940 bis 8. Oktober 1941 Soldat. Er wurde in Polen und auf dem Balkan eingesetzt und nahm schließlich im Stab einer Nachschubeinheit der 76. Infanterie-Division, Heeresgruppe Süd, von Rumänien durch Bessarabien am Angriff auf die Sowjetunion teil. Wegen seiner „nichtarischen Ehe“ wurde er im Oktober 1941 als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht entlassen.

Ende 1942 scheiterte die Ausreise der jüngsten Tochter ins rettende Ausland, ihre Deportation stand unmittelbar bevor. Überdies musste Klepper nach einer persönlich erteilten Auskunft des Reichsinnenministers Wilhelm Frick davon ausgehen, dass Mischehen zwangsweise geschieden werden sollten und damit auch seiner Frau die Deportation drohte. Die Familie nahm sich in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 durch Schlaftabletten und Gas gemeinsam das Leben. Die letzte Eintragung im Tagebuch Kleppers lautet:

„Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“

Noch in derselben Nacht hatte sich Jochen Klepper an seinen Nachbarn Hans Karbe gewandt und ihm Manuskripte zur sicheren Aufbewahrung übergeben.
Karbe erfuhr am nächsten Tag von dem Freitod der Familie.


Biografische Zusammenstellung