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Rudi Goldschmidt

Stolperstein für Rudi Goldschmidt. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Karl-Marx-Str. 16

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
27.10.2010

GEBOREN
21.01.1909 in Rixdorf (Kr. Teltow)
BERUF
Schneider und Verkäufer
ZWANGSARBEIT
Maschinenarbeiter
bei
Duer AG Spindlersfel
DEPORTATION
am 29.11.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
22.12.1942 in Auschwitz

Rudi Goldschmidt wurde am 21. Januar 1909 im damaligen Rixdorf, im heutigen Bezirk Neukölln, als Sohn von Hermann Goldschmidt und seiner Frau Lisbeth geboren.
Seine Mutter Lisbeth (Elisabeth), geb. Mandel, war am 22. August 1881 in Posen als Tochter des Viehhändlers Mottke Mandel auf die Welt gekommen. Nach dem Tod von Mottke Mandel war seine Witwe Anfang des neuen Jahrhunderts mit Lisbeth und dem am 27. Dezember 1882 geborenen Sohn Max nach Berlin gezogen.
In Berlin heiratete Lisbeth Mandel im Jahr 1906 den Kaufmann (Hirsch) Hermann Goldschmidt, geboren am 15. August 1870 in Danzig. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Sohn Arno kam am 25. August 1907 auf die Welt, Sohn Rudi anderthalb Jahre später. Die Familie wohnte in Rixdorf bzw. Neukölln – in der Münchener Straße, in der Berliner Straße, in der Boddinstraße und der Lenaustraße. Der Vater Hermann Goldschmidt handelte anfangs mit Schuhwaren, dann fabrizierte und verkaufte er Damenkonfektion: Kleider und Blusen. Meist waren Geschäft und Wohnung nicht getrennt, für viele Jahre war dies so in der Berliner Straße 73 und dann in den 1930er Jahren in der Boddinstraße 66.
Rudi Goldschmidt wuchs mit und in der Firma auf und arbeitete später als Zuschneider und Verkäufer bei seinem Vater. Es kann sein, dass er gelernter Schneider war. Rudi Goldschmidt blieb ledig und wohnte bei den Eltern. Sein Bruder Arno studierte von 1927 bis 1933 Medizin an der Berliner Universität.
Am 4. Oktober 1934 starb die Mutter Lisbeth Goldschmidt an einem Herzschlag. Der letzte Wohnsitz von Hermann Goldschmidt und Sohn Rudi war in Neukölln, Lenaustr. 27. Nach der Erinnerung des Sohnes Arno, der Berlin verlassen konnte und überlebte und Mitte der 1950er Jahre in Israel lebte, wurde Hermann Goldschmidt im Herbst 1941 in den Osten deportiert und ermordet. (Allerdings fehlen die entsprechenden Dokumente.) Die Firma gab es schon eine Weile nicht mehr, und Rudi Goldschmidt musste als Zwangsarbeiter („Maschinenarbeiter“) bei einer Firma in Spindlersfeld arbeiten.
Es scheint, dass Rudi Goldschmidt nach der Deportation des Vaters die Wohnung verlassen musste und zu Elise Cohn in die Berliner Straße 11 (heute: Karl-Marx-Straße 16) zog. Bis zum 31. Oktober 1942 wohnte er hier als Untermieter für 16 RM Monatsmiete in der ehemaligen Mädchenkammer. Nach der Deportation von Elise Cohn musste er, wie die andere Untermieterin Gertrud Löwenstein auch, diese Wohnung verlassen. Er zog am 1. November 1942 nach Berlin-Mitte und wohnte in der Wallnertheaterstraße 2 bei einem „Fräulein Pick“ in einem möblierten Zimmer. Diese letzte Unterkunft in seiner Heimatstadt war von kurzer Dauer:
Über das Sammellager in der Großen Hamburger Straße wurde Rudi Goldschmidt mit dem „23. Berliner Osttransport“ vom 29. November 1942 mit fast 1000 anderen Menschen nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am 22. Dezember 1942 ermordet. Er hinterließ nichts.

Auch sein Onkel Max Mandel, ebenfalls in der Damenkonfektion tätig, und dessen Ehefrau Gertrud wurden deportiert und ermordet. An sie erinnern zwei Stolpersteine in der Karl-Marx-Straße 56.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Jüdische Studierende an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin 1933–1938, digitalisiert
Museum Neukölln