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Willi Hopp

Stolperstein für Willi Hopp © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Admiralstraße 14

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
2002

GEBOREN
04.08.1899 in Berlin
BERUF
Kellner
INHAFTIERT
ab Juni 1938 bis März 1942 in Buchenwald
DEPORTATION
am 12.03.1942 von Buchenwald nach Natzweiler-Struthof
WEITERE DEPORTATION
am 17.08.1942 nach Dachau
WEITERE DEPORTATION
am 19.10.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
17.11.1942 in Auschwitz

Willi (Willy) Hopp wurde am 4. August 1899 in der elterlichen Wohnung in der Danziger Str. 3 in Berlin-Prenzlauer Berg geboren. Sein Vater Martin, geboren am 28. Juli 1874 in Berlin, war zu dieser Zeit als Maschinist in einer Strickerei beschäftigt. Seine Mutter Gertrud, geb. Götzer, wurde am 3. August 1879 in Schwedt geboren. Beide Eltern waren mosaischen Glaubens. Willi Hopp war das erste der vier Kinder des Ehepaares. Willis Bruder Bruder Hans wurde 1901 geboren und starb im Alter von vier Jahren; seine Schwester Klara kam am 24. August 1902 zur Welt, Schwester Lotte am 27. August 1906. Beide überlebten den Holocaust.
Willis Vater ließ sich 1920 von seiner Frau Gertrud scheiden und heiratete kurz darauf, am 18. April 1921, im Alter von 46 Jahren die 13 Jahre jüngere Martha Ida Geisler. Trauzeuge war Willi Hopp, der mit den beiden in der Brunnenstr. 154 wohnte. Martha brachte vier Kinder (Hans Martin, Kurt, Else und Martin Wilhelm) mit in die Ehe. Martin Hopp erkannte diese vier Kinder als seine eigenen und als „von ihm gezeugt“ an. Somit hatte Willi Hopp noch vier weitere Geschwister. Alle vier Kinder überlebten den Holocaust.
Am 13. Januar 1922 heiratete Willi Hopp die fünf Jahre jüngere Anni Gertrud Elly Türke. Zu diesem Zeitpunkt wohnten die beiden in der Emser Str. 34 in Berlin-Neukölln. Nach sechs Jahren Ehe ließen sich Willi und Anni 1928 scheiden. Ein Jahr später, am 6. Mai 1929, heiratete Willi Hopp in Berlin die am 10. April 1904 in Wolgast geborene Katharina Anna Margarete Rolff. Sie wurde zeitlebens Käthe genannt.
Willi und Käthe Hopp hatten drei Kinder: Ingeborg wurde als erstes Kind am 18. Dezember 1928 geboren, am 30. März 1931 kam Eva auf die Welt und am 6. April 1932 Horst. Alle drei Kinder trugen bei der Volkszählung 1939 den mütterlichen Nachnamen Rolff. Die Familie wohnte in der Kreuzberger Admiralstr. 17. Heute trägt das Haus die Nummer 14.
Willi Hopp wurde am 14. Juni 1938 von der Berliner Kriminalpolizei verhaftet und kam zwei Tage später im Konzentrationslager Buchenwald an, wo er zunächst unter der Häftlingsnummer 6722 registriert wurde. Später wurde die Nummer zur 4289 geändert, zu welchem Zeitpunkt dies geschah, lässt sich nicht genau sagen. Vor allem in den Anfangsjahren des Konzentrationslagers wurden wieder frei gewordenen Nummern häufig neu vergeben, um die Nummerierung insgesamt möglichst niedrig zu halten.
Willi Hopp hatte vor seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager bereits sechs Vorstrafen erhalten. Als Grund für diese Haftstrafen wird in den Dokumenten Diebstahl, Betrug und Urkundenfälschung angegeben. Eines der überlieferten Dokumente nennt ursprünglich „BV“ als Haftkategorie für Willi Hopp in Buchenwald, dabei handelt es sich um die Abkürzung für „Berufsverbrecher“. Unter dieser Kategorie wurden meistens Menschen registriert, die wiederholt straffällig geworden waren. Dies konnte alles umfassen, von einfachem Diebstahl bis zu Mord. Man sollte diese Kategorisierung also auf keinen Fall überbewerten, da sie sehr willkürlich vergeben wurde und gerade im Fall jüdischer Menschen der gesellschaftliche und politische Kontext nicht außer Acht gelassen werden darf.
Im Nachhinein wurde die Kategorie zu „ASR“ geändert, die sich auch in allen weiteren Dokumenten von vornherein findet. „ASR“ steht für „Arbeitsscheu Reich“, eine Verhaftungsaktion, die in zwei Wellen im April und Juni 1938 stattfand. Diese sogenannte Juni-Aktion, bei der auch Willi Hopp verhaftet wurde, richtete sich vor allem gegen jüdische Männer, die aus verschiedensten Gründen vorbestraft waren. Man kann sagen, dass es sich bei dieser Verhaftungsaktion um eine Art „Testlauf“ für die später im selben Jahr stattfindenden Novemberpogrome handelte, deren Ziel es war, zu sehen, wie diese Art von Massenverhaftungen am besten organisiert werden konnte.
Aus dem Mai und Juni 1939 gibt es Teile einer Korrespondenz mit dem „Hilfsverein der Juden in Deutschland e.V.“, aus der hervorgeht, dass eine Auswanderung von Willi Hopp nach Shanghai vorbereitet wurde. Diese Bemühungen müssen gescheitert sein, die Gründe dafür lassen sich anhand der zur Verfügung stehenden Dokumente nicht erkennen.
Während seiner Haftzeit im Konzentrationslager Buchenwald war Willi Hopp in den Blocks 4, 16 und 28 untergebracht und verschiedenen Arbeitskommandos zugeteilt, zunächst dem Kommando „Träger-SS Unterkunft“, ohne Angabe eines Datums, ab dem 4. April 1940 dem Kommando „Steineträger-Juden“ und ab dem 3. Juni 1940 dem Stubendienst.
Am 12. März 1942 wurde Willi Hopp nach Natzweiler überführt, von dort im August weiter in das Konzentrationslager Dachau und schließlich am 19. Oktober 1942 nach Auschwitz, wo er am 17. November 1942 im Alter von 43 Jahren verstarb.
Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee. Ein Stolperstein erinnert heute vor der Admiralstr. 14 an das Leben und das Leid von Willi Hopp.
Willis Vater Martin Hopp nahm sich am 29. Oktober 1942 das Leben. Er verstarb nach einer „Schlafmittelvergiftung“ im „Judenkrankenhause“ Berlin. Auch er hat seine letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee gefunden. Seine Mutter Gertrud Hopp wurde im September 1942 von der Gestapo in der Schirnerstr. 34 in Berlin-Grünau verhaftet und in die Synagoge in der Levetzowstr. In Berlin-Moabit gebracht. Von dort deportierte man sie ins Konzentrationslager bei Raasiku im heutigen Estland. Sie wurde dort im Oktober 1942 ermordet. Ein Stolperstein in Schwedt erinnert an ihr Leiden. Dieser wurde im März 2018 verlegt.
Hildegard Meitz, geborene Jänicke, ist die Tochter von Willis Schwester Klara Hopp. Sie erstellte im Jahr 2004 sowohl für Willi Hopp als auch für ihre Großeltern und weitere Familienangehörige Gedenkblätter bei der Gedenkstätte Yad Vashem.


Biografische Zusammenstellung

Claudia & Andreas Winter