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Margarete Meyer (geb. Hermann)

Stolperstein für Margarete Meyer. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Bamberger Str. 37

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.09.2013

GEBOREN
11.02.1880 in Berlin
DEPORTATION
am 09.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Margarete Hermann wurde am 11. Februar 1880 als jüngstes Kind des Bankiers Julius Hermann (1946-1921) und seiner Ehefrau Helene, geborene Born (1850-1920), in Berlin geboren. Sie hatte vier Geschwister, die Schwestern Johanna (1873-1844) und Clara/Klara (1874-1943) und die Brüder Richard (1875-1920) und Ernst (1876-1903).
Ihre Mutter trug einen bekannten Namen: Margaretes Großvater David Born, gilt als "Gründer von Friedenau", an ihn erinnert bis heute die Bornstraße. Sein Bruder war Stepahn Born, Teilnehmer an der Revolution von 1848 und einer der ersten sozialistischen Arbeiterführerd. Der Enkel eines weiteren Bruders war der Nobelpreisträger Max Born. Der Großvater und seine Brüder stammten aus Lissa/Posen und hießen ursprünglich Buttermilch.
Margarete Hermann wuchs in einem wohlhabenenden Milieu auf, malte und erhielt Unterricht bei Max Liebermann. Um 1903 heiratete sie den Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Arthur Meyer (1874-1938), der ebenfalls aus einer Bankiersfamilie stammte. Das Ehepaar wohnte (und der Ehemann praktizierte) anfangs in der Martin-Luther-Straße 3, dann in der Martin-Luther-Straße 95, in der Grunewaldstraße 64 und schließlich in der Berchtesgadener Straße 27. In den folgenden Jahren wurden vier kinder geboren: im Jahr 1904 die Tochter Susanne, 1905 der Sohn Ernst, 1910 der Sohn Ulrich und 1918 der Sohn Klaus-Friedrich. Die Familie lebte in "guten Verhältnissen".
1933 war der Sohn Ernst, Musikwissenschaftler und seit 1930 Mitglied der KPD im Ausland und blieb dort auch. Die Tochter Susanne, Sekretärin von Beruf und bei den Eltern lebend, emigrierte 1937. Sohn Klaus Friedrich floh ein Jahr später aus Deutschland. Sohn Ulrich, Architekt, lebte mit Frau und Kind in Köln.
1933 wurde den jüdischen Ärzten die kassenärztlichen Zulassung entzogen, eine Ausnahme gab es allein für Weltkriegsteilnehmer und vor 1914 in Berlin niedergelassene Ärzte. Da Margarete Meyers Ehemann am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, konnte er weiter praktizierenl. Am 30. September 1938 wurde dann allen jüdischen Ärzten die Approbation entzogen. Es blieben nur einige Ärzte, die als "Krankenbehandler" jüdische Patienten behandeln durften. Arthur Meyer starb am 29. November 1938, nach dem Verlust der Praxis und nach dem Novemberprogrom. - Im Berliner Adressbuch von 1938 ist er noch als Facharzt in der Berchtesgardener Straße 27 eingetragen, im Adressbuch von 1939 dann als Privatier (d.h. vom Vermögen lebend) in der Bamberger Straße 37. Eine 6-Zimmer-Wohnung in der 3. Etage dieses Hauses war die letze Anschrift der Familie Meyer.
Nach Arthur Meyers GTod musste Margarete Meyer Untermieter aufnehmen: darunter ihre schon seit langem verwitwete Schwester Johanna Langer, die junge Beate Rubin aus Hessen, nun Zwangsarbeiterin bei Siemens und die ehemalige Schauspielerin Gertrud Löb. Im Kindergarten der Jüdischen Gemeinde beschäftigt. 1939 kehrte Sohn Ulrich mit seiner Ehefrau Annemarie und dem 1938 geborenen Sohn Michael aus Köln zur Mutter zurück. Die Familie lebte beengt und sehr sparsam. Margarete Meyer verlor ihren Besitz, verkaufte Teile der Einrichtung und musste ihren Schmuck abgeben. Bis zum Mai 1941 durfte sie ihre langjährige nichtjüdische Hausangestellte beschäftigen.
Margarete Meyers Schwager Bruno Meyer wurde am 18.10.1941 nach Lodz deportiert und kam dort um. Ihre Schwester Clara Alexander Katz wurde am 25.8. 1942 nach Theresienstadt verschleppt, sie starb am 16.1.1943. Die Untermieterin Gertrud Löb wurde im Juni 1942 nach Minsk deportiert und in Mary Trostinec ermordet.
Am 9. Dezember 1942 wurde Maragete Meyer mit der Familie ihres Sohnes nach Auschwitz deportiert. Die alte Hausangestellte hatte in den letzten Tagen in der Bamberger Straße gewohnt um ihr beizustehen. Der Transport bestand aus ca. 1000 menschen. 137 Männer und 25 Frauen wurden in das Lager übernommen. Die Anderen wurden sofort ermordet.
Johanna Langer und Beate Rubin blieben in der Wohnung. Am 4.3.1943 wurde Beate Rubin nach Auschwitz deportiert, am 17.3.1943 Johanna Langer nachTheresienstadt und von dort ebenfalls nach Auschwitz. Beide wurden ermordet.
Im Jahr 1972 hat Margarete Meyers Sohn Ernst auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde eine Gedenkstätte für die ermordeten Familienmitglieder der Familien Hrmann und Meyer errichten lassen.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Informationen der Angehörigen
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiebaden 2005
Gedenkbuch Bundesarchiv Koblenz
Rebecca Schwoch (Hrsg.) Berliiner Jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. ein Gedenkbuch Berlin und Teetz 2009