Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Annemarie Meyer (geb. Krebs)

Stolperstein für Annemarie Meyer. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Bamberger Str. 37

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.09.2013

GEBOREN
22.04.1906 in Berlin
BERUF
Pianistin
ZWANGSARBEIT
Arbeiterin
bei
der Fa. Erich & Graetz, Elsenstraße 87-96 in Treptow
DEPORTATION
am 09.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Annemarie Krebs wurde am 22. April 1906 in Berlin geboren. Über ihre Familie, d.h. Eltern und Geschwister wissen wir nichts. Bekannt ist allein, dass sie während der NS-Diktatur Familienangehörige in Köln hatte und dass sie Pianistin geworden war. Sie war mit dem 1910 in Berlin geborenen und dort auch aufgewachsenen Ulrich Meyer verheiratet, Sohn des Arztes Dr. Arthur Meyer und seiner Ehefrau Margarete Meyer, geb. Hermann. Ulrich Meyer hatte an der Technischen Hochschule (heute TU) in Berlin-Charlottenburg studiert und war Architekt geworden.
Am 30. August 1938 wurde in Köln ihr Sohn geboren, der den jüdischen Zwangsnamen "Denny" tragen musste, von der Familie aber den Namen Michael erhielt.
1939 kehrte die junge Familie nach Berlin zurück und zog in die Wohnung von Annemaries verwitweter Schwiegermutter in der dritten Etage des Vorderhauses Bamberger Straße 37. Der Schwiegervater Arthur Meyer war am 29.11.1938 gestorben und die drei Geschwister des Ehemannes lebten bereits in der Emigration. In der Sexhszimmer-Wohnung wohnter außerdem Johanna Langer, die verwitwete Schwester der Schwiegermutter und drei weitere Ungermieterinnen - also insgesamt acht Personen: Ein sehr beengtes Alltagsleben.
Annemarie Meyer musste als Zwangsarbeiterin arbeiten. Anfangs war sie bei der Firma Ehrich & Graetz in Treptow angestellt. Der Betrieb an der Elsenstraße 87-96 stellte Elektrogeräte und Gasleuchten her und beschäftigte im seit dem Herbst 1940 jüdische Zwangsarbeiter. Sie wurden von den übrigen Beschäftigten isoliert, mussten eine sie kennzeichnende Armbinde tragen, durften die Kantine nicht besuchen usw. - 537 dieser Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind namentlich bekannt: Ihre Passphotos und Lebensdaten fanden sich in einer erhaltenen "Schachtel" aus der Personalabteilung der Fabirk, die 1988 der jüdischen Abteilung des Berlin Museums übergeben wurde. Unter den Abbildungen war auch ein Photo von Annemarie Meyer, wohl das letzte Bild, das es von ihr gibt.
Danach mutte Annemarie Meyer für einen Wochenlohn von ca. 20 RM bei der Nordland Deutsche Schneekettenfabrik in der Kurfürstenstraße 14-16 in Berlin Tiergartern arbeiten. Die Firma produzierte Schneeketten und sonstiges Kfz-Zubehör.
Am 9. Dezember 1942 wurde Annemarie Meyer mit ihrem Ehemann, ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter nach Auschwitz deportiert. Der Transport bestand aus ca. 1000 Menschen, 137 Männer und 25 Frauen wurden in das Lager übernommen. Die anderen wurden sofort ermordet. Als Mutter mit einem kleinen Kind hatte Annemarie Meyer keine Überlebenschance.

Johanna Langer und die Untermieterin Beate Rubin blieben in der Wohnung. Die Untermieterin Getrud Löb war bereits im Juni 1942 nach Minsk transportiert worden. Am 4.3.1943 wurde Beate Rubin nach Auschwitz deportiert, am 17.3.1943 Johanna Langer nach Theresienstadt und von dort ebenfalls nach Auschwitz. Alle drei Frauen wurden ermordet.

Im Jahr 1972 hat Annemarie Meyers Schwager Ernst auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde eine Gedenkstätte für die ermordeten Familienmitglieder der Familien Hermann und Meyer errichten lassen. Dort trägt Annemarie Meyers kleiner Sohn den Namen Michael.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen

Weitere Quellen

Informationen der Angehörigen
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschenb Reich 1941 - 1945, Wiesbaden 2005
Greven´s Adressbuch von Köln
Audrey Pomernace (Hrsg.) Jüdische Zwangsarbeiter bei Ehrich und Graetz, Berlin-Treptow, Berlin 2003