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Ulrich Meyer

Stolperstein für Ulrich Meyer. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Bamberger Str. 37

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.09.2013

GEBOREN
01.06.1910 in Berlin
BERUF
Architekt
ZWANGSARBEIT
Arbeiter
bei
der Fa. Warnecke & Böhm, Goethestraße 15-19 in Weißensee
DEPORTATION
am 09.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Ulrich Meyer wurde am 1. Juni 1910 als Sohn des Hals-Nasen-Ohren-Arztes Dr. Arthur Meyer (1874-1938) und seinr Ehefrau Margarete Meyer geborene Hermann (1880-1942) in Berlin geboren. Mutter und Vater stammten aus Bankiersfamilien. Ulrich Meyer hatte eine Schwester und zwei Brüder: die 1904 geborene Schwester Susanne, den 1905 geborenen Bruder Ernst und den 1918 geborenen Klaus-Friedrich. Die vier Kinder wuchsen in einem wohlhabenden, kulturell interessierten Milieu auf. Die Familie wohnte zum Zeitpunkt der Geburt und Kindheit von Ulrich Meyer in der Martin-Luther.-Straße in Schöneberg. Der Vater hatte in den jeweiligen Wohnungen der Familie auch seine Praxisräume.
Ulrich Meyer studierte an der Technischen Hochschule (heute: TU Berlin) in Berlin-Charlottenburg und wurde Architekt. Ob und wo er in seinem Beruf gearbeitet hat, ist unbekannt. Dagegen wissen wir, dass er die 1906 in Berlin geborene Pianistin Annemarie Krebs geheiratet hat. Das Paar lebte wohl eine Zeit lang in Köln, wo die Ehefrau Verwandte besaß. Am 30. August 1938 wurde in Köln ihr Sohn geboren, der den jüdischen Zwangsnahmen "Denny" tragen musste, von der Familie aber den Namen Michael erhielt.
1939 kehrte die junge Familie nach Berlin zurück und zog in die Wohnung von Ulrichs verwitweter Mutter in der dritten Etage des Vorderhauses Bamberger Straße 37. Ulrich Meyers Vater Arthur Meyer war am 29.11.1938 gestorben und die drei Geschwister waren inzwischen emigriert. Sie konnten alle drei überleben. In der Sechszimmer-Wohnung wohnten neben den vier Mitgliedern der Familie Meyer die verwitwete Schwester der Mutter, Johanna Langer und drei weitere Untermieterinnen - also insgesamt acht Personen: Das bedeutete einen sehr beengten Alltag.
Ulrich Meyer wurde wie seine Ehefrau zur Zwangsarbeit verpflichtet. Zuletzt arbeitete er bei der Firma Warnecke & Böhm in Berlin-Weißensee, Goethestraße 15-19. Dort wurden seit 1882 Farben und Lacke produziert. Ulrich Meyer erhielt einen Wochenlohn von 30 RM. - Auch zu den jüdischen Zwangsarbeitern dieser Firma existieren Personalakten: 369 Zwangsarbeiter sind bekannt, davon haben nur 61 die NS-Diktatur überlebt. Ulrich Meyer gehörte nicht zu den Überlebenden: Am 9. Dezember 1942 wurde Ulrich Meyer mit seiner Ehefrau, dem Sohn und seiner Mutter nach Auschwitz deportiert. Der Transport bestand aus ca. 1000 Menschen, 137 Männer und 25 Frauen wurden in das Lager übernommen. Die Anderen würden sofort ermordet.
Die beiden Untermieterinnen Johann Langer und Beate Rubin blieben in der Wohnung Die Untermieterin Gertrud Löb war bereits im Juni 1942 nach Minsk transportiert worden. Am 4.3. 1943 wurde Beater Rubin nach Auschwitz deportiert, am 17.3.1943 Johanna Langer nach Theresienstadt und von dort ebenfalls nach Auschwitz. Die drei Frauen wurden ermordet.
Im Jahr 1972 hat Ulrich Meyers Bruder Ernst auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde eine Gedenkstätte für die ermordeten Familienmitglieder der Familien Hermann und Meyer errichten lassen. Dort trägt sein kleiner Sohn den Namen Michael.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Informatioen der Angehörigen,
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005,
Museumsverbund Pankow (Hrsg.:) Zwangsarbeit und Arisierung, Warnecke und Böhm. Ein Beispiel, Berlin 2004