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Clara Marcus (geb. Grund)

Stolperstein Clara Marcus © OTFW
VERLEGEORT
Thomasiusstraße 19

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
08.08.2014

GEBOREN
26.05.1872 in Krotoschin (Posen) / Krotoszyn
DEPORTATION
am 04.09.1942 von Thomasiusstraße 19 in das KZ Theresienstadt
ERMORDET
28.09.1942 im KZ Theresienstadt

Caroline Grund, genannt Clara, kommt in Krotoschin bei Posen als Tochter eines Bauunternehmers zur Welt. Nach dem Abschluss des Lyceums zieht sie nach Berlin und heiratet 1895 den Berliner Klempner- und Rohrlegemeister Isaac Marcus, mit dem sie zwei Kinder bekommt: 1897 wird Sohn Bernhard geboren, 1903 kommt Tochter Hanna Hildegard zur Welt. Clara und Isaak Marcus führten in der Karlstraße 17 in Mitte ein Klempnergeschäft, in dem Clara die Buchhaltung führt, bis ihr Sohn Bernhard aus dem ersten Weltkrieg heimkehrt und an ihrer Stelle die Geschäfte an der Seite ihres Mannes übernimmt. Die Wohnung der Familie Markus liegt zu dieser Zeit gleich um die Ecke am Alexanderufer 6, direkt am Humboldt-Hafen.

Ende der 30 Jahre verlassen die Markus Ihr Zuhause in Mitte und ziehen 1939 in die Thomasiusstraße 19, wo sie im Vorderhaus eine Wohnung im 4. Stock beziehen.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Druck durch die rassistischen Anfeindungen gegen Juden bereits so stark, dass Claras Mann Isaac psychisch schwer erkrankt und am 9. Dezember 1940 im Alter von 72 Jahren stirbt. Zu diesem Zeitpunkt lebt Tochter Hildegard, die Hilde gegannt wird, bei ihr. Hilde heiratete wenig später Felix Levy und lebte mit ihrem Mann gemeinsam weiter in der elterlichen Wohnung.

Claras neuer Schwiegersohn Felix Levy stammt aus Dortmund. Er und Hilde gründeten wenig später eine Familie. Nachdem Sohn Bernhard ihr bereits 1932 eine Enkelin geschenkt hatte, bekommt Clara Marcus 1941 mit dem kleinen Denny ihren ersten Enkel. Doch der Junge wird in eine sehr schwere Zeit geboren. Die Familie ist zu dieser Zeit gezwungen, sich die Wohnung mit drei jüdischen Untermietern, den Eheleuten Hans und Selma Lutz sowie mit Ralf Bendix zu teilen.

Im September 1942, als Tochter Hilde mit einem zweiten Sohn hochschwanger ist, wird Clara Marcus von der Gestapo abgeholt und nach Theresienstadt deportiert. Nur wenige Wochen später kommt Claras zweiter Enkel Jona zur Welt. Doch zu diesem Zeitpunkt ist Clara Marcus schon tot. Sie starb am 28. September 1942, wie so viele alte Menschen im KZ Theresienstadt gleich kurz nach ihrer Ankunft im Lager

Hildegard und Felix Levy bleiben mit ihrem Säugling Jona und dem einjährigen Denny noch für einige Monate in der Thomasiusstraße 19. Die Wohnung im Vorderhaus müssen sie verlassen, denn Clara Markus’ Eigentum wird vom Staat gepfändet. Hilde und Felix ziehen gemeinsam mit den Untermietern in eine Wohnung im Parterre des Seitenflügels.

Zu dieser Zeit leistet der 40-jährige Felix Levy Zwangsarbeit bei der Berliner Firma Ernst Röderstein in der Wusterhauserstraße in Mitte, wo Kondensatoren für Radiogeräte hergestellt wurden.

Am 28. Februar 1943 werden auch die Levys mit dem einjährigen Denny und dem fünf Monate alten Jona von der Gestapo abgeholt und ins Sammellager in der Synagoge Levetzowstraße gebracht. Hier wird am 01. März auch den beiden Söhnen von Felix und Hilde per Gerichtsvollzieher die Verfügung der Gestapo überbracht, nach welcher sie als Reichsfeinde gelten und ihr Vermögen durch das Reich eingezogen wird.

Zwei Tage später, am 3. März 1943, werden Hilde und Felix Levy mit ihren Kinder vom Güterbahnhof Moabit aus in Viehwagons mit dem 33. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo Hilde und ihre Söhne vermutlich gleich nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet werden. Wann und wo Felix Levy den Tod findet, ist nicht bekannt.

Nachdem die Wohnung der Levys durch den Gerichtsvollzieher bewertet und das veräußerbare Inventar aufgelistet wurde, wird die Wohnung am 27. Oktober 1943 als „entmöbelt“ deklariert und der Haushalt der Familie inkl. „Kinderbett mit Deckbett’ für 565 RM zugunsten des Reichs verkauft.


Biografische Zusammenstellung

Oliver Geiger