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Charlotte Wolff (geb. Herrnfeld)

Stolperstein für Charlotte Wolff. Foto: D. Janke.
VERLEGEORT
Große Hamburger Str. 30

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
Mai 2006

GEBOREN
05.05.1877 in Wien
DEPORTATION
am 05.09.1942 nach Riga
ERMORDET
im Ghetto Riga

Charlotte Herrnfeld wurde am 5. Mai 1877 in Wien geboren. Über ihr Leben gibt es nur wenige Informationen, die überwiegend aus dem Entschädigungsantrag stammen, den ihre Tochter Alice Elsass (geb. Herrnfeld) im März 1956 beim Berliner Entschädigungsamt stellte. Darin sind die Namen von Charlotte Herrnfelds Eltern, die beide jüdisch waren, mit Salomon Hernfeld und Adele Lamberger angegeben. Etwa im Jahr 1897 heiratete Charlotte Herrnfeld in Berlin. Durch die Heirat mit Willy Wolff erhielt sie die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Ehe scheiterte und wurde am 18. Januar 1905 geschieden. Nach ihrer Scheidung wohnte Charlotte Wolff in der Oranienburger Straße 50.

Ihr einziges Kind Alice kam am 3. Juni 1909 unehelich zur Welt. Während sie selbst weiter den Namen ihres geschiedenen Mannes trug, lautete der Nachname ihrer Tochter Herrnfeld. Ab Anfang der 1920er Jahre wohnte Charlotte Wolff mit ihrer Tochter in Schöneberg in der Goltzstraße 15. In den Berliner Adressbüchern ist sie als „Privatiere“ geführt. Den Angaben ihrer Tochter zufolge war sie von Beruf Sängerin und arbeitete zuletzt für „Radio Berlin“. Im Deutschen Rundfunkarchiv finden sich keine Unterlagen zu ihrem Namen, möglicherweise war sie Sängerin in einem Chor. In ihrem Besitz befanden sich zwei große Koffer mit Partituren und Kostümen aus ihrer Bühnenzeit. 1933 emigrierte ihre Tochter nach Budapest, von wo sie während des Ungarnaufstands 1956 nach Kanada flüchtete. 1941 musste Charlotte Wolff ihrer Tochter zufolge aus ihrer 1-Zimmer-Wohnung in der Goltzstraße ausziehen. Sie wohnte daraufhin zur Untermiete bei Cohn in der Habsburger Straße 11.

Am 31. August 1942 wurde Charlotte Wolff mit dem „19. Osttransport“ nach Riga deportiert. (Als Abfahrtsdatum des Transports wird häufig der 5. September 1942 angegeben, wobei es sich um das Versanddatum der Transportliste an den Oberfinanzpräsidenten handelt.) Unmittelbar nach der Ankunft wurde Charlotte Wolff ermordet.


Aktuelle Recherchen haben ergeben, dass Charlotte Wolff wenn überhaupt dann nur sehr kurzfristig in der Großen Hamburger Str. 31 gewohnt hat, dies also nicht ihre letzte frei gewählte Adresse war.

Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, bearbeitet von Wolfgang Scheffler und Diana Schulle,
herausgegeben vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Verbindung mit der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ und der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“, München 2003;
www.statistik-des-holocaust.de