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Nelly Laske (geb. Leopold)

Stolperstein Nelly Laske, Foto: Wolfgang Knoll
VERLEGEORT
Bleibtreustraße 25

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
09.04.2010

GEBOREN
02.12.1891 in Bochum
ZWANGSARBEIT
bei
Pharmafabrik J.D. Riedel/E. de Haen in Berlin-Britz
DEPORTATION
am 01.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Nelly Laske kam am 2. Dezember 1891 in Bochum als Tochter von Louis Leopold und seiner Frau Hulda, geb. Leeser, zur Welt.
Am 12. Dezember 1912 heiratete sie Gotthard Laske, geboren am 3. März 1882 in Preußisch Stargard als Sohn von Alexander und Fanny Laske, geb. Albrecht. Die Hochzeit fand in der Synagoge an der Fasanenstraße statt.
Gotthard Laske war von Beruf Schneider, er hatte eine Fabrikation für Herren- und Knabenausstattung in der Dircksenstraße 45 mit einem Jahresumsatz von 40 000 bis 50 000 RM. Er war Präsident der Berliner Bibliophilen Gesellschaft.
Die Eheleute hatten zwei Kinder: Ruth, geboren am 8. September 1913 in Berlin, und Ernst, geboren am 9. August 1915 ebenfalls in Berlin.
Als Louis Leopold starb, erbte Nelly dessen Firma und ihr Mann Gotthard stieg ein. Das Unternehmen hieß von da an Laske & Leopold GmbH Strick- und Wirkwarenmoden. Um diese Zeit wohnte die Familie Laske in der Bleibtreustraße 25. Die Geschäfte liefen aber nicht gut, und am 31. Dezember 1924 musste Gotthard Laske dem Finanzamt mitteilen, dass das Unternehmen geschlossen sei.
Gotthard Laske beendete am 23. November 1936 sein Leben durch Selbstmord. In der Familie hieß es, finanzielle Probleme hätten ihn dazu getrieben. Ausschlaggebend war aber sicher auch, dass die Nazis drohten, seine umfangreiche Sammlung wertvoller Bücher und Drucke zu rauben. Er wurde neben seinen Eltern auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben.
1937 unternahm Nelly Laske, die als „energiegeladene Frau“ beschrieben wird, eine Reise zu Verwandten nach Südafrika. Nach ihrer Rückkehr bemühte sie sich, eine Stelle als Hausangestellte in England zu bekommen, obwohl sie, wie in der Familie gespottet wurde, „nicht kochen, nicht nähen, nicht früh aufstehen und nicht disponieren“ konnte und nicht englisch sprach. Trotzdem wurde sie engagiert, aber letztlich konnte sie Deutschland doch nicht verlassen.
Bevor Nelly Laske nach Auschwitz deportiert wurde, musste sie unter miserablen Umständen in einem gemieteten Hinterzimmer in der Sybelstraße 44 wohnen, für das sie 35 RM Miete bezahlte. Ihr Vermieter hieß Link, in seiner engen Wohnung drängten sich sechs Menschen. Nelly Laske wurde zur Zwangsarbeit in der Pharmafabrik J.D. Riedel/E. de Haen in Berlin-Britz abkommandiert. Während der sogenannten Fabrik-Aktion im Februar 1943 wurde sie an ihrem Arbeitsplatz festgenommen. Im Sammellager Große Hamburger Straße 26 wurden die zur Deportation vorgesehenen Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen registriert und von dort zum Bahnhof Grunewald transportiert. Am 1. März 1943 wurde Nelly Laske in einem mit 1 682 Menschen besetzten, völlig überfüllten Zug unter qualvollen Bedingungen nach Auschwitz deportiert. Es ist anzunehmen, dass sie sofort nach der Ankunft ermordet wurde.
Der Tochter Ruth gelang es 1936, nach Johannesburg (Südafrika) zu flüchten. Sie war zweimal verheiratet, zuletzt mit dem Besitzer einer Kleiderfabrik, Adolf Chaim Blumenthal. Der Sohn Ernst Laske nahm an einer Vorbereitung zur Auswanderung teil und verlor bei einem Nazi-Überfall fast ein Auge, sodass er ins Hospital musste. Dort wurde er verhaftet und ins KZ Buchenwald gesteckt. Mit Hilfe von Freunden gelang es ihm, ein Visum für Dänemark zu bekommen, wohin er 1939 im Laderaum eines Lasters flüchtete. 1943 wurde er vor der drohenden Deportation aus Dänemark mit einem Fischerboot nach Schweden gebracht. Über Zypern gelangte er schließlich nach Israel, wo er Buchhändler in Tel Aviv wurde und in einem Kibbuz starb.


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel auf der Basis von Aufzeichnungen von Peter Schrenk