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Ralf Heinz Harpuder

Stolperstein für Ralf Harpuder, Foto: H.J. Hupka
Ralf in Shanghai, Foto: Familienbesitz
Ralf Harpuder, Foto: Familienbesitz
Gerda Harpuder, Foto: Familienbesitz
Hans Harpuder, Foto: Familienbesitz
Gerda und Ralf Harpuder, Foto: Familienbesitz
Gerda Harpuder-Summer, Foto: Familienbesitz
VERLEGEORT
Südwestkorso 59

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
24.02.2020

GEBOREN
12.04.1934 in Berlin
FLUCHT
1939 - Italien, von dort nach Shanghai; 1947 - USA
ÜBERLEBT

Ralf Heinz Harpuder kam am 12. April 1934 als einziger leiblicher Sohn von Hans Harpuder und seiner Frau Gerda, geb. Lewin, in Berlin-Wilmersdorf zur Welt. Als vierjähriger – bereits von den Nationalsozialisten seiner deutschen Staatsbürgerschaft beraubt - litt er an einer Blinddarmentzündung. Wegen der Repression und Restriktionen für jüdischen Menschen infolge der „Nürnberger Gesetze“ gelang es den Eltern nicht, in der Stadt einen Arzt zu finden, der das Kleinkind operieren würde. Sie reisten also in das Berliner Umland und fanden einen Arzt, der Ralf operierte und damit sein junges Leben rettete.

Im März 1939 – Ralf war knapp 5 Jahre alt – floh die Familie nach Italien und weiter von Triest aus per Schiff nach Shanghai. Ralfs letzte Erinnerung an Berlin ist diese Abreise vom Anhalter Bahnhof. Er verbrachte seine prägende Kinder- und Jugendzeit im jüdischen Ghetto Hongkew in Shanghai und besuchte dort eine jüdische Schule, in der auf deutsch – der Muttersprache der Flüchtlinge – unterrichtet wurde.

Diese Jahre in China prägten seine Einstellung zum Leben und begründeten eine sehr enge Verbindung zwischen ihm und seiner Mutter Gerda – zumal nach dem Tod des Vaters Hans 1945.

Nach der Emigration 1947 in die USA, die durch die Hilfe seines Onkels Werner ermöglicht wurde, besuchte Ralf Harpuder in Los Angeles die Highschool, anschließend zwei Jahre das College und nahm seinen Beruf bei der Douglas Aircraft Comp. auf. Sein Spezialgebiet waren mathematische Berechnungen für die Flugzeugkonstruktion.

Er diente auch in der Armee seiner „Adoptivnation“ (USA-Army) und blieb immer stolz auf diesen Dienst, der ihm die Möglichkeit gab, den „amerikanischen Traum“ zu leben – im absoluten Gegensatz zu den Gräueln, denen er in Nazi-Deutschland ausgesetzt gewesen wäre.

1965 heiratete Ralf Harpuder Yvonne Friedemann, die ebenfalls Tochter von Flüchtlingen aus Berlin war und vier Jahre nach der Ankunft ihrer Eltern in den USA geboren wurde. Nach der Hochzeit ging er zurück auf das College, graduierte zum Bachelor of Science und begann eine Karriere in der Gesundheitsbehörde des County Los Angeles, die mit seiner Pensionierung 1996 endete.
1974 wurde das einzige Kind des Ehepaares, Brian, geboren. Der Junge wurde in einer Mischung von jüdischen und deutschen Traditionen aufgezogen, die das Leben seiner Eltern geprägt hatten, seit deren Familien aus Berlin geflohen waren. In späteren Jahren verbrachte Ralf Harpuder seine Freizeit damit, die Geschichte seiner Familie in Deutschland und seine eigene Kindheit in Shanghai zu erforschen.

Seine Hingabe, detaillierte Berichte über die Familie in makellosen Alben zu bewahren, ermöglicht seinen Nachkommen das Mantra “nie vergessen” zu leben. Während seines ganzen Lebens hat Ralf Harpuder nie seine deutsche Identität und Kultur verloren und immer das volle Spektrum der deutschen Küche genossen. Bis zu seinem Tod am 31. Juli 2009 in Los Angeles hat er sich als Deutschen empfunden. Ralf Harpuder hatte ein erfülltes Leben, das er kommenden Generationen widmete, damit sie nie den Horror vergangener Zeiten vergessen und gleichzeitig dem Vergeben und einer besseren Zukunft verpflichtet sein mögen.


Dieser Stolperstein wurde von Brian Harpuder gespendet und am 24.2.2020 vom Künstler Gunter Demnig im Beisein von Familienangehörigen, der Gesandten und vielen Angehörigen der Botschaft der USA sowie Vertretern der Bundeswehr verlegt.

Dokumentation der Verlegung: https://www.flickr.com/photos/usbot...

Weitere Vorfahren und Mitglieder der Familie Harpuder, die Opfer der Nationalsozialisten wurden und für die z. T. Stolpersteine verlegt wurden:

Lina und Willy Friedemann, ermordet in Riga, Oranienstr. 158, Berlin, verlegt am 2.5. 1996 – erste Stolpersteine in Berlin: Urgroßtante von Brian Harpuder. https://www.tagesspiegel.de/berlin/...

Isidor und Hedwig Abraham. Bernauer Str. 2, Oranienburg: Urgroßeltern mütterlicherseits von Brian Harpuder mit ihren Kindern Kurt und Ilse, verh. Friedemann, Großmutter von Brian Harpuder, die durch Flucht überlebt haben.

Genia Harpuder, geb. Gritz, ermordet in Stutthof, Heilbronner Str. 3, Berlin-Schöneberg (Großtante von Brian Harpuder)

Gertrud Harpuder, geb. Hannes, ermordet in Auschwitz, Heilbronner Str. 3, Berlin-Schöneberg (Urgroßmutter von Brian Harpuder väterlicherseits)

Peter Harpuder, ermordet in Auschwitz, Heilbronner Str. 3, Berlin-Schöneberg, (Cousin von Ralf Harpuder) Stolpersteine geplant

Biografische Zusammenstellung

Recherche und Text: Brian Harpuder