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Hugo Cohn

Hugo Cohn ca. 1929 (aus Familienbesitz)
Stolperstein Hugo Cohn - Quelle: privat
VERLEGEORT
Pasteurstr. 27

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Prenzlauer Berg
VERLEGEDATUM
20.06.2021

GEBOREN
16.01.1895 in Berlin-Mitte
BERUF
Druckereibesitzer
ZWANGSARBEIT
Schweißer
bei
Firma Kurt Hein
DEPORTATION
am 30.03.1943 von Berlin nach Auschwitz
WEITERE DEPORTATION
am 30.07.1943 in das KZ Natzweiler
ERMORDET
August 1943 im KZ Natzweiler

Hugo Cohn wurde am 16. Januar 1895 in Berlin-Mitte geboren.
Sein Vater, David Cohn, war Inhaber der Cohn&Guttentag Buchdruckerei in der Alexanderstr. 38 a in Berlin-Mitte. Die Eltern (David Cohn aus Bromberg und Emma Marcuse aus Wolmierstedt b. Magdeburg) hatten 1894 in Berlin geheiratet.
Dem Sohn Hugo (* 1895) folgten die Töchter Käthe (* 1901) und Elisabeth (* 1902 ; +1932).
Hugo Cohn heiratete am 09. November 1920 die 1897 in Güstrow geborene Henriette Bragenheim. In ihrer Eheurkunde wurde Hugos Beruf mit Kaufmann und Henriettes mit Buchhalterin angegeben .
Im Mai 1923 wurde das erste Kind von Hugo und Henriette - Ilse Cohn - geboren. Die Familie wohnte zu dieser Zeit in Neukölln in der Pflügerstr. 27.
In den folgenden 12 Monaten starben Hugos Eltern und er übernahm die Buchdruckerei des Vaters, die sich seit 1920 in der Weißenburger Str. 21 (heute Kollwitzstr. 50) in Berlin-Prenzlauer Berg befand, wohin die Familie 1924 auch ihren Wohnsitz verlegte.
1927 wurde der Sohn Günther geboren. Buchdruckerei und Familie waren zu diesem Zeitpunkt bereits in die Pasteurstr. 36 (heute die Pasteurstr. 27) umgezogen.
Nach der Machtergreifung der Nazis im Januar 1933 änderte sich die Lebenssituation der jüdischen Familie Cohn dramatisch.
Ist im Berliner Adressbuch des Jahres 1935 für Hugo noch die Angabe Buchdruckereibesitzer zu lesen, finden wir 1938 die Angabe Kaufmann. Er musste also spätestens im Jahre 1937 seine Buchdruckerei aufgeben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Cohn`s sind damit dramatisch. Hugo beschrieb sie sehr deutlich in einem Brief, den er im Februar 1939 an seine Schwester Käthe richtete.
Käthe hatte 1921 Walter Juliusburger geheiratet. Sie konnten 1936 mit den Söhnen Gerhard und Hans nach Israel emigrieren und lebten dort in der Nähe von Tel Aviv. An diese Schwester schrieb Hugo, um sie um Hilfe und Unterstützung für eine mögliche Emigration zu bitten, wohl wissend, dass zu diesem Zeitpunkt Geschwister nicht nachgeholt werden konnten.
Er schrieb ihr, dass er selbst seit 4 Wochen arbeitslos und ohne finanzielle Unterstützung sei - da er im vergangenen Jahr (1938) keine 26 Wochen als (versicherungspflichtiger) Angestellter gearbeitet hatte. Ilse - die Tochter - hatte die letzten 4 Monate Arbeit in einer Druckerei (Luftballons bedrucken). Diese Stelle und damit das Einkommen endeten zum Zeitpunkt des Briefes. Seine Frau Henriette (genannt Hatty) arbeitete als Bogenfängerin in einer Druckerei. Von ihrem Einkommen (und wer weiß wie lange noch) könnten sie nicht alle leben. Dies war das letzte Mal, dass Schwester Käthe und Schwager Walter etwas von Hugo und seiner Familie erfuhren. Sie hatten keine Möglichkeit, die erbetene Hilfe zu leisten.
Den Eltern Hugo und Henriette gelang es, für die Tochter Ilse über einen Jüdischen Hilfsverein die Emigration nach England zu organisieren.
Ilse kam am 11. Mai 1939 in England an, um eine Ausbildung als Schneiderin zu absolvieren. Sie heiratete Anfang 1942. Im August 1942 kam ihre Tochter Miriam zur Welt. Über das Internationale Rote Kreuz war es Ilse möglich, schriftlichen Kontakt zu ihrer Familie in Berlin zu halten. Beide Seiten konnten auf vorgefertigten Postkarten und mit limitiertem Text wenigstens ein paar persönliche Informationen austauschen. So konnte Ilse den Eltern von ihrem Baby berichten, worüber diese sich sehr freuten - wie aus der überlieferten Antwort-Karte vom Dezember 1942 zu erlesen ist … Kein Wort der Eltern über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse … Sie wussten offensichtlich um die vorhandene Zensur ihrer Post.
Nur 2 Monate nach ihrer Antwort an die Tochter Ilse wurden Hugo und Henriette Cohn am 03. März 1943 mit dem 33. Osttransport nach Auschwitz deportiert. Hugo, der bei der Firma Kurt Hein Zwangsarbeit als Schweißer leisten musste, war im Rahmen einer der sog. „Fabrikaktionen“ verhaftet worden.
Der genaue Todestag von Henriette Cohn ist nicht bekannt.
„Der 48-Jährige Hugo wurde nach einer im Juni 1943 erfolgten Selektion durch die SS-Anthropologen Bruno Berger und Hans Fleischhacker am 30. Juli 1943 mit weiteren 85 Jüdinnen und Juden ins KZ Natzweiler-Struthof gebracht und dort am 18. August 1943 in der Gaskammer ermordet.
Aus den Leichen sollten an der nahegelegenen Reichsuniversität Straßburg Skelette für rassenideologisch motivierte Forschungen präpariert und in einer um diese Exemplare erweiterten anthropologischen Sammlung des Anatomischen Instituts präsentiert werden.
Dieses makabre Ausstellungsvorhaben konnten dessen Initiator Prof. Dr. August Hirt - Direktor des Anatomischen Instituts an der Reichsuniversität - und seine Helfer nicht mehr zu Ende führen.
Die sterblichen Überreste der Ermordeten wurden nach der Befreiung Straßburgs in einem Massengrab auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt.“ (Zitat: https://www.die-namen-der-nummern.de – Forschung von Prof. Hans-Joachim Lang)
Der Sohn Günther Cohn wurde im Juni 1943 - 2 Monate nach den Eltern - ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Auch sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Einzig die Tochter Ilse überlebte. Sie starb 1995 in Neuseeland.


Recherchen: AG Pradelstraße und IG Prenzlauer Berg

Biografische Zusammenstellung

Petra Gutsche, IG Prenzlauer Berg

Weitere Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands