Martha Henschke geb. Meyer

Verlegeort
Darmstädter Str. 8
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
09. April 2009
Geboren
19. Juni 1879
Deportation
im 1942 nach Auschwitz
Ermordet
03. Juni 1943 in Auschwitz
  • Stolperstein für Martha Henschke
    Stolperstein für Martha Henschke © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

    Stolperstein für Martha Henschke © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

„<i>Wollen wir den Personen helfen, die unbedingt </i>[...]<i> eine Wohnung haben sollen, dann müssen wir den Kreis so eingeengt lassen. </i>[...]<i> Wir können aber nicht sagen, dass alle Rentenempfänger unbedingt bevorzugt werden müssen bei der Vergebung derartiger Wohnungen, was eine Zurücksetzung der kinderreichen Familien und der Kranken bedeuten würde.</i>“<br />
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Martha Henschke am 3. April 1930 vor der Stadtverordnetenversammlung zur Magistratsvorlage über die Vergabe von Neubauwohnungen<br />
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Martha Henschke, geb. Meyer, stammte aus einer jüdischen Familie und studierte Nationalökonomie. Sie heiratete den praktischen Arzt Dr. Isidor Henschke. Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie als Lehrerin am Berliner Sophien-Gymnasium. Sie gehörte der DDP an und kandidierte für sie 1920 für die BV Prenzlauer Berg. Sie wurde nicht gewählt, rückte aber noch im selben Jahr in die BV nach, der sie bis 1933 angehörte. Martha Henschke war Hauptvertrauensfrau ihrer Partei im Wahlkreis Berlin. Mehrmals wurde sie in den Parteiausschuss der DDP gewählt. 1929 starb ihr Mann und sie wurde Oberin am Hufeland-Krankenhaus. 1933 wurde sie dort aus politischen und antisemitischen Gründen entlassen und wenig später als Leiterin der Zentralstelle der 14 jüdischen Altersheime von der Jüdischen Gemeinde angestellt. Ihre beiden Kinder Ruth und Gerhard emigrierten in die USA. 1939 zog Martha Henschke nach Tiergarten in eine Wohnung, aus der sie später ausziehen musste, weil sie Jüdin war. Sie wohnte dann im Jüdischen Krankenhaus im Wedding. Am 1. Oktober 1942 wurde ihr Vermögen von der Vermögensverwertungsstelle zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Laut Aussagen von Lucie Adelsberger wurde sie zusammen mit Hannah Karminski, der Leiterin der Fürsorgeabteilung der Reichsvereinigung der Juden, am 9. November 1942 „abgeholt“ und mit dem „24. Osttransport“ am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert. Der Tod der am 19. Juni 1879 in Berlin geborenen Martha Ida Sara Henschke ist am 3. Juni 1943 in den Sterbebüchern von Auschwitz vermerkt. Dagegen berichtete ein Freund der Familie, der als Arzt im Jüdischen Krankenhaus gearbeitet und überlebt hatte, Martha Henschke sei mit ihm am 9. November 1943 aus dem Jüdischen Krankenhaus nach Lichterfelde gebracht worden. „Ein irrsinniger Gauleiter hatte verlangt, dass man ihm 15 Juden bringe. Als ihm 17 Menschen gebracht wurden, ließ er zwei zurückstellen und die 15 anderen wurden vor den Augen dieser beiden erschossen, einer der beiden war Dr. F. Hirschfeld“, so Henschkes Tochter Ruth Anselm Herzog, die mit ihrem Bruder nach 1945 einen Entschädigungsantrag gestellt hatte. Sie glaubte Dr. Hirschfeld, ebenso wie das Amtsgericht Tiergarten, das den Tod nach einer eidesstattlichen Erklärung 1961 entsprechend festsetzte. Demnach muss es sich um die „Gemeinde-Aktion“ vom Herbst 1942 gehandelt haben, in der 533 Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde und der Reichsvereinigung von der Gestapo zur Deportation ausgewählt wurden. Es wurde ihnen befohlen, am 22. Oktober 1942 mit ihren Angehörigen im Sammellager in der Großen Hamburger Straße anzutreten. Für jeden Ausbleibenden werde eine Geisel erschossen. Als 20 Personen fehlten, verhaftete die Gestapo 20 Geiseln, von denen einige wieder freigelassen wurden. Sieben führende Mitarbeiter der Reichsvereinigung wurden am 20. November 1942 in Lichterfelde oder im KZ Sachsenhausen erschossen. Ihre Namen sind bekannt, Martha Henschke ist nicht darunter.<br />
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Martha Henschke war Stadtverordnete; 1929 Stadtwahlvorschlag (DDP); 1930 Stadtwahlvorschlag (DDP/Staatspartei); 1931–1933 Stadtwahlvorschlag (Staatspartei)

Wollen wir den Personen helfen, die unbedingt [...] eine Wohnung haben sollen, dann müssen wir den Kreis so eingeengt lassen. [...] Wir können aber nicht sagen, dass alle Rentenempfänger unbedingt bevorzugt werden müssen bei der Vergebung derartiger Wohnungen, was eine Zurücksetzung der kinderreichen Familien und der Kranken bedeuten würde.

Martha Henschke am 3. April 1930 vor der Stadtverordnetenversammlung zur Magistratsvorlage über die Vergabe von Neubauwohnungen

Martha Henschke, geb. Meyer, stammte aus einer jüdischen Familie und studierte Nationalökonomie. Sie heiratete den praktischen Arzt Dr. Isidor Henschke. Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie als Lehrerin am Berliner Sophien-Gymnasium. Sie gehörte der DDP an und kandidierte für sie 1920 für die BV Prenzlauer Berg. Sie wurde nicht gewählt, rückte aber noch im selben Jahr in die BV nach, der sie bis 1933 angehörte. Martha Henschke war Hauptvertrauensfrau ihrer Partei im Wahlkreis Berlin. Mehrmals wurde sie in den Parteiausschuss der DDP gewählt. 1929 starb ihr Mann und sie wurde Oberin am Hufeland-Krankenhaus. 1933 wurde sie dort aus politischen und antisemitischen Gründen entlassen und wenig später als Leiterin der Zentralstelle der 14 jüdischen Altersheime von der Jüdischen Gemeinde angestellt. Ihre beiden Kinder Ruth und Gerhard emigrierten in die USA. 1939 zog Martha Henschke nach Tiergarten in eine Wohnung, aus der sie später ausziehen musste, weil sie Jüdin war. Sie wohnte dann im Jüdischen Krankenhaus im Wedding. Am 1. Oktober 1942 wurde ihr Vermögen von der Vermögensverwertungsstelle zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen. Laut Aussagen von Lucie Adelsberger wurde sie zusammen mit Hannah Karminski, der Leiterin der Fürsorgeabteilung der Reichsvereinigung der Juden, am 9. November 1942 „abgeholt“ und mit dem „24. Osttransport“ am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert. Der Tod der am 19. Juni 1879 in Berlin geborenen Martha Ida Sara Henschke ist am 3. Juni 1943 in den Sterbebüchern von Auschwitz vermerkt. Dagegen berichtete ein Freund der Familie, der als Arzt im Jüdischen Krankenhaus gearbeitet und überlebt hatte, Martha Henschke sei mit ihm am 9. November 1943 aus dem Jüdischen Krankenhaus nach Lichterfelde gebracht worden. „Ein irrsinniger Gauleiter hatte verlangt, dass man ihm 15 Juden bringe. Als ihm 17 Menschen gebracht wurden, ließ er zwei zurückstellen und die 15 anderen wurden vor den Augen dieser beiden erschossen, einer der beiden war Dr. F. Hirschfeld“, so Henschkes Tochter Ruth Anselm Herzog, die mit ihrem Bruder nach 1945 einen Entschädigungsantrag gestellt hatte. Sie glaubte Dr. Hirschfeld, ebenso wie das Amtsgericht Tiergarten, das den Tod nach einer eidesstattlichen Erklärung 1961 entsprechend festsetzte. Demnach muss es sich um die „Gemeinde-Aktion“ vom Herbst 1942 gehandelt haben, in der 533 Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde und der Reichsvereinigung von der Gestapo zur Deportation ausgewählt wurden. Es wurde ihnen befohlen, am 22. Oktober 1942 mit ihren Angehörigen im Sammellager in der Großen Hamburger Straße anzutreten. Für jeden Ausbleibenden werde eine Geisel erschossen. Als 20 Personen fehlten, verhaftete die Gestapo 20 Geiseln, von denen einige wieder freigelassen wurden. Sieben führende Mitarbeiter der Reichsvereinigung wurden am 20. November 1942 in Lichterfelde oder im KZ Sachsenhausen erschossen. Ihre Namen sind bekannt, Martha Henschke ist nicht darunter.

Martha Henschke war Stadtverordnete; 1929 Stadtwahlvorschlag (DDP); 1930 Stadtwahlvorschlag (DDP/Staatspartei); 1931–1933 Stadtwahlvorschlag (Staatspartei)