Ellen Wolf geb. Jacobsohn

Verlegeort
Joachim-Friedrich-Str. 55
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
09. April 2010
Geboren
23. Mai 1909 in Bromberg (Posen) / Bydgoszcz
Deportation
am 19. Oktober 1942 nach Riga
Ermordet
22. Oktober 1942 in Riga
Biografie

Ellen Wolf wurde als Ellen Jacobsohn am 23. Mai 1909 in Bromberg, Posen (Bydgoszcz, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Emil Jacobsohn und dessen aus Ostpreußen stammende Ehefrau Frieda Jacobsohn geborene Kahnemann (*18. Januar 1883), war sie die jüngere von insgesamt zwei Töchtern. Ihre Schwester Hildegard (*24. August 1904) war knapp fünf Jahre älter als sie. 

Hildegard heiratete mit 22 Jahren am 15. Mai 1927 den Kaufmann und späteren Bankier Willy Max Paul Lienemann (*24. Juli 1891) aus Berlin. Am 30. April 1928 wurden sie Eltern ihrer Tochter Renate Karola.

Ellen wurde Säuglingsschwester von Beruf. Sie wohnte zusammen mit ihrer Mutter in der Schillerstraße 5 in Stettin (Szczecin, Polen). Ihr Vater starb vermutlich im Ersten Weltkrieg.

Wann und wo Ellen ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Herbert Wolf (*16. August 1901) kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 25jährige Ellen und der 33jährige Herbert heirateten am 21. Dezember 1934 in Berlin. Damals wohnte Herbert schon ca. zwei Jahre in der Joachim-Friedrich-Straße 55, wo er wie sein Vater eine Buchdruckerei führte.

Ellens Schwester Margarete verließ Berlin am 30. Januar 1937 zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer 8jährigen Tochter in Richtung Amsterdam. Von dort aus emigrierten sie am 20. März 1937 nach São Paulo in Brasilien. 1942 erhielten sie die brasilianische Staatsbürgerschaft.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Herbert und Ellen weiterhin in der Joachim-Friedrich-Straße 55 gemeldet. Nachdem das Berliner Adressbuch Herbert Wolf 1936 als Angestellten auswies, führte es ihn 1939 mit dem Zusatz „Buchdruckerei“. 1940 gab es keinen Eintrag für Herbert Wolf mehr. Vermutlich zogen sie noch 1939 in die Württembergallee 8 in Berlin-Westend um.

Ellens Mutter gehörte zu den 1.127 pommerschen Juden, davon 846 aus Stettin, die in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1940 auf Befehl Himmlers ihre Wohnungen verlassen mussten und mit dem Zug in die Gegend um Lublin deportiert wurden. Bei Temperaturen unter -29 Grad Celsius und 56 Zentimeter hohem Schnee mussten sie über 25 Kilometer nach Lublin marschieren. Mindestens 70 Menschen starben auf diesem Marsch. In Piaski verlor sich die Spur von Frieda Jacobsohn geborene Kahnemann. Diese erste Deportation stellte den Auftakt für die systematische Verschleppung und Ermordung der deutschen Juden dar.

Zweieinhalb Jahre später, Mitte Oktober 1942, standen auch vor Ellen und Herberts Tür zwei Gestapo-Männer in Zivil, die sie aufforderten, ihre Wohnung zu verlassen und sich umgehend in die Sammelstelle in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße einzufinden. Vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Moabit transportierte sie die SS zusammen mit ca. 960 Leidensgenossinnen und -genossen in alten Personenwaggons am frühen Morgen des 19. Oktobers 1942 Richtung Osten. Es wurde Ihnen gesagt, dass es zum Arbeitseinsatz in den Osten gehe. Als der Zug in Bromberg, Ellens Geburtsstadt, zum ersten Mal hielt und sich die Menschen Wasser holen wollten, schlug die SS auf sie ein.

Nach dreitägiger Fahrt, wobei der Zug mehrmals auf freier Strecke gehalten hatte, kamen sie in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1942 in Riga im besetzten Lettland an. Am Morgen des 22. Oktobers wurden sie ausgeladen. 78 arbeitsfähige Männer trennte die SS von Frauen, Kindern und nicht arbeitsfähigen Männern. Ob der 40jährige Herbert zu den 78 arbeitsfähigen Männern gehörte oder umgehend, wie Ellen, in dem nahegelegenen Wald ermordet wurde, konnte nicht recherchiert werden. Ellen starb am 22. Oktober 1942 mit 33 Jahren.