Judis Rosenow

Verlegeort
Knaackstraße 34
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
30. März 2013
Geboren
27. April 1939
Deportation
am 03. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein für Judis Rosenow © OTFW

    Stolperstein für Judis Rosenow © OTFW

Judis Rosenows kurzes Leben hatte kaum begonnen, als es gewaltsam in Auschwitz beendet wurde. Sie kam als Tochter der Berlinerin Ilse Rosenow am 27. April 1939 in Berlin zur Welt. Ihr Vater ist nicht bekannt. Zum Zeitpunkt der Geburt von Judis lebten ihre Mutter und ihr Onkel Kurt in der Wohnung ihrer Großeltern mütterlicherseits, des gelernten Buchbinders James Rosenow und seiner Frau Gertrud, geborene Michaelis. Die Familie wohnte in der Tresckowstraße 38 (der heutigen Knaackstraße 34), nahe dem Wörther Platz (dem heutigen Kollwitzplatz), im Prenzlauer Berg. Ihr Großvater hatte 1933 oder 1934 seine Anstellung verloren und in den folgenden Jahren versucht, als Schneider ein Auskommen zu finden. Nach den Pogromen in Berlin 1938 musste Judis’ Mutter genauso wie alle anderen ihrer Verwandten in der Tresckowstraße – ihr Onkel, ihre Großeltern und ihre Großtante Betty Rosenow – Zwangsarbeit leisten. Ob die Familie in diesen Jahren versucht hatte, das Land zu verlassen, ist nicht bekannt. Sollten konkrete Schritte unternommen worden sein, so scheiterten diese. In diese von Existenznöten beherrschten Verhältnisse wurde Judis 1939 geboren. Sicher versuchten ihre Mutter und ihre Verwandten in der kommenden Zeit, dem aufwachsenden Kleinkind die bestmögliche Fürsorge zukommen zu lassen. Aber von der medizinischen Versorgung bis zur Beschaffung von Lebensmitteln waren alle Aspekte des Lebens in Berlin für ihre Verwandten zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sich ihre Mutter mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Für die Mittel des täglichen Bedarfs reichten die diskriminierenden Lebensmittelkarten für Juden kaum aus, die nur in bestimmten Geschäften und zu beschränkten Zeiten zum Bezug von Nahrung berechtigten. Ab dem Jahre 1942 wurden auch diese Mittel noch einmal drastisch eingeschränkt. Im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung wurden den Juden im Reichsgebiet alle Sonderzuteilungen von Lebensmitteln und Kleiderkarten, die für Kranke oder werdende Mütter ausgegeben wurden, gestrichen. Sie durften auch kein Fleisch, keine Eier und keine Milch mehr erhalten, außerdem keine Weizenerzeugnisse wie Mehl und Weißbrot.<br />
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Seit dem Herbst 1941 war die Familie außerdem von den aus Berlin einsetzenden Deportationen bedroht. Judis’ Großonkel Willy Rosenow wurde mit seiner Ehefrau Gertrude am 24. Oktober 1941 aus seiner Wohnung in eines der Berliner Sammellager verbracht und von dort in das das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Ein Jahr später, am 6. November 1942, wurden ihr Großonkel Georg Rosenow und seine Ehefrau Auguste in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Offenbar waren Judis’ Mutter und ihre Verwandten in der Tresckowstraße in als kriegswichtig eingestuften Betrieben zwangsbeschäftigt, da sie noch bis 1943 in Berlin lebten. Im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, wurden sie Ende Februar 1943 in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurde Judis Rosenow zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Onkel, ihren Großeltern und ihre Tante Betty am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Judis Rosenow war zum Zeitpunkt der Deportation drei Jahre alt.<br />
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Ihr Großonkel Willy war im Mai 1942 mit seiner zweiten Frau aus Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) deportiert und dort ermordet worden. Ihr Großonkel Georg wurde mit seiner Frau Auguste am 6. Oktober 1944 aus Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Judis Rosenows kurzes Leben hatte kaum begonnen, als es gewaltsam in Auschwitz beendet wurde. Sie kam als Tochter der Berlinerin Ilse Rosenow am 27. April 1939 in Berlin zur Welt. Ihr Vater ist nicht bekannt. Zum Zeitpunkt der Geburt von Judis lebten ihre Mutter und ihr Onkel Kurt in der Wohnung ihrer Großeltern mütterlicherseits, des gelernten Buchbinders James Rosenow und seiner Frau Gertrud, geborene Michaelis. Die Familie wohnte in der Tresckowstraße 38 (der heutigen Knaackstraße 34), nahe dem Wörther Platz (dem heutigen Kollwitzplatz), im Prenzlauer Berg. Ihr Großvater hatte 1933 oder 1934 seine Anstellung verloren und in den folgenden Jahren versucht, als Schneider ein Auskommen zu finden. Nach den Pogromen in Berlin 1938 musste Judis’ Mutter genauso wie alle anderen ihrer Verwandten in der Tresckowstraße – ihr Onkel, ihre Großeltern und ihre Großtante Betty Rosenow – Zwangsarbeit leisten. Ob die Familie in diesen Jahren versucht hatte, das Land zu verlassen, ist nicht bekannt. Sollten konkrete Schritte unternommen worden sein, so scheiterten diese. In diese von Existenznöten beherrschten Verhältnisse wurde Judis 1939 geboren. Sicher versuchten ihre Mutter und ihre Verwandten in der kommenden Zeit, dem aufwachsenden Kleinkind die bestmögliche Fürsorge zukommen zu lassen. Aber von der medizinischen Versorgung bis zur Beschaffung von Lebensmitteln waren alle Aspekte des Lebens in Berlin für ihre Verwandten zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sich ihre Mutter mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Für die Mittel des täglichen Bedarfs reichten die diskriminierenden Lebensmittelkarten für Juden kaum aus, die nur in bestimmten Geschäften und zu beschränkten Zeiten zum Bezug von Nahrung berechtigten. Ab dem Jahre 1942 wurden auch diese Mittel noch einmal drastisch eingeschränkt. Im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung wurden den Juden im Reichsgebiet alle Sonderzuteilungen von Lebensmitteln und Kleiderkarten, die für Kranke oder werdende Mütter ausgegeben wurden, gestrichen. Sie durften auch kein Fleisch, keine Eier und keine Milch mehr erhalten, außerdem keine Weizenerzeugnisse wie Mehl und Weißbrot.

Seit dem Herbst 1941 war die Familie außerdem von den aus Berlin einsetzenden Deportationen bedroht. Judis’ Großonkel Willy Rosenow wurde mit seiner Ehefrau Gertrude am 24. Oktober 1941 aus seiner Wohnung in eines der Berliner Sammellager verbracht und von dort in das das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Ein Jahr später, am 6. November 1942, wurden ihr Großonkel Georg Rosenow und seine Ehefrau Auguste in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Offenbar waren Judis’ Mutter und ihre Verwandten in der Tresckowstraße in als kriegswichtig eingestuften Betrieben zwangsbeschäftigt, da sie noch bis 1943 in Berlin lebten. Im Rahmen der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, wurden sie Ende Februar 1943 in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurde Judis Rosenow zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Onkel, ihren Großeltern und ihre Tante Betty am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Judis Rosenow war zum Zeitpunkt der Deportation drei Jahre alt.

Ihr Großonkel Willy war im Mai 1942 mit seiner zweiten Frau aus Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) deportiert und dort ermordet worden. Ihr Großonkel Georg wurde mit seiner Frau Auguste am 6. Oktober 1944 aus Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.