Paula Sommerfeldt geb. Davidsohn

Verlegeort
Konstanzer Str. 4
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. März 2008
Geboren
08. Juni 1884 in Königsberg / Kaliningrad
Deportation
am 13. Juni 1942 nach Sobibór
Ermordet
in Sobibór
Biografie

Paula Sommerfeldt wurde als Paula Doris Davidsohn am 8. Juni 1884 in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) geboren. Für Ihre Eltern, den Kaufmann Daniel Davidsohn (*1848) und dessen aus Graudenz stammende Ehefrau Rosa geborene Henschel, war sie die jüngste von zwei Töchtern. Ihre Schwester Gertrud (*20. April 1883) war ein Jahr älter als sie.

 

Wann und wo Paula ihren späteren Ehemann, den aus Straußberg im Kreis Oberbarnim stammenden Fabrikdirektor Max Sommerfeldt (*29. September 1872), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 24-jährige Paula und der 36-jährige Max heirateten am 20. März 1909 in Königsberg. Als Trauzeugen waren Paulas Vater Daniel Davidsohn und Max' Onkel, der Kaufmann Siegfried Lessen (*1847), Bruder seiner Mutter, anwesend. Am 16. Juni 1911 wurden Paula und Max Eltern einer Tochter, die sie Lilly nannten.

 

Max Sommerfeldt war Mitinhaber eines Sägewerks in Schönhagen (Kapuściska) bei Bromberg. Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Paula 38 Jahre alt. Im August 1934 verließ ihre Tochter Lilly Berlin, um in Frankreich zu studieren.

Da sich die Situation in Berlin für Juden immer mehr verschlechterte, ging sie 1938 in die Schweiz, wo sie in Genf als Übersetzerin arbeitete.

 

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnte Paula allein in der Konstanzer Straße 4 in Berlin-Wilmersdorf. Ihr Ehemann war zu einem unbekannten Zeitpunkt gestorben. Wann sie zur Untermiete zu Emmy Matull (*16. Dezember 1889), die 1939 noch in der Grolmannstraße 40 gewohnt hatte, in eine Zwangswohnung in die Bleibtreustraße 33 zog, konnte nicht recherchiert werden.

 

Seit 1941 musste Paula Zwangsarbeit leisten. Ende Mai 1942 bekam sie den Deportationsbefehl und hatte sich in der Sammelstelle in der umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße 7 einzufinden, wo sie eine Vermögenserklärung ausfüllen musste.

 

Zusammen mit 745 Leidensgenossen und -genossinnen wurde sie nicht am 13. Juni 1942, wie bisher angenommen und auf dem Stolperstein eingraviert, sondern mit dem 14. Berliner Osttransport schon am 2. Juni 1942 Richtung Lublin und von dort in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet wurde.* 
Paula Sommerfeldt geborene Davidsohn starb mit ca. 58 Jahren.

 

Ihre Schwester Gertrud, verheiratete Wolff bekam den Deportationsbefehl Ende September 1942 in die Kantstraße 33 in Berlin-Charlottenburg. Am 3. Oktober 1942 wurde sie vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert, wo sie aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen schon 20 Tage später starb.

 

Nach dem Krieg suchte Paulas Tochter Lilly, die die Shoa in der Schweiz überlebt hatte, ihre Mutter, ihre Tante und andere Angehörige. Sie bat dringend darum, alle möglichen Nachforschungen zu unternehmen und nichts unversucht zu lassen. Sie wies darauf hin, dass sie nun vollkommen allein dastehe und sehr verzweifelt sei. „Wenn ich wenigstens einen Angehörigen wieder finden könnte, wäre es für mich ein großes Glück.“