Lilli Flora Borchardt

Verlegeort
Pallasstr. 12
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
20. April 2012
Geboren
25. Januar 1926
Zwangsarbeit
Erntehelferin (Radinkendorf bei Beeskow)
Deportation
am 19. Oktober 1942 nach Riga
Ermordet
22. Oktober 1942 in Riga
  • Stolperstein für Lilli Flora Borchardt.
    Stolperstein für Lilli Flora Borchardt. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Lilli Flora Borchardt. Foto: OTFW.

Lilli Flora Borchardt kam am 25. Januar 1926 als Tochter des Kaufmanns Jacques Borchardt und seiner Ehefrau Franziska in Berlin zur Welt. Sie hatte noch einen älteren Bruder, Helmut (* 20. Oktober 1922) und eine jüngere Schwester, Irene (* 31. Januar 1929). <br />
In den 1920er Jahren lebte die Familie in wirtschaftlich guten Verhältnissen und wohnte zunächst in einem Einfamilienhaus in der Villenkolonie Nikolassee im Bezirk Zehlendorf. Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mussten Borchardts ihr Heim in der Dreilindenstraße 23 verlassen und zogen in die Innenstadt. Die väterliche Wollwarenfabrik wurde enteignet und der Familie damit die Existenzgrundlage entzogen.<br />
Lilli besuchte die 1935 eröffnete Joseph-Lehmann-Schule der jüdischen Reformgemeinde. Die Volksschule befand sich in der Joachimsthaler Straße 13 im Bezirk Charlottenburg. Danach ging sie auf die Holdheim-Schule, das Realgymnasium der Reformgemeinde, das zunächst in den Räumen der Lehmann-Schule untergebracht war und 1937 in die Nürnberger Straße 66 zog. <br />
Als nach den gewaltsamen Ausschreitungen im November 1938 die Situation immer bedrohlicher wurde, setzten Lillis Eltern alles daran, zunächst ihre Kinder außer Landes zu bringen. Im Mai 1939 gelangte die jüngste Tochter mit einem der „Kindertransporte“ nach England, wo sie von einer nichtjüdischen Familie aufgenommen wurde.<br />
Lilli muss ihre Schwester wohl sehr vermisst haben. In einem Brief vom 2. Juni 1939 beschwerte sie sich, dass ihr die kleine Schwester nicht eigenhändig schrieb: „Ich schreibe Dir doch immer so viel. Und Du mir gar nicht. Viele 1000000000 Grüße an Dich und Alistair von deiner Schwester Lilli.“ <br />
Da größere Reisen kaum noch möglich waren, besuchte Lilli in den Sommerferien mal ihre Tante Regina oder ging in den Schulgarten der Holdheim-Schule, um sich dort mit Schulkameraden zu treffen. <br />
Der Plan der Eltern, auch Lilli nach England in Sicherheit zu bringen, zerschlug sich nach Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Familie wurde schließlich die Wohnung in der Pallasstraße 12 im Bezirk Schöneberg gekündigt. Im Juni 1941 zogen sie in die Ebersstraße 18. Dort wohnten sie zu viert in zwei Zimmern zur Untermiete bei der Fotografin Edith Loewenthal.<br />
Am 19. Juni 1942 wurde Lilli aus der Schule abgemeldet – wenige Tage, bevor alle noch existierenden jüdischen Schulen geschlossen wurden. Die 16-Jährige musste dann als Erntehelferin in Radinkendorf bei Beeskow in Brandenburg arbeiten.<br />
Ob sie sich noch von ihrem Vater und ihrem Bruder verabschieden konnte, die am 24. Juni 1942 nach Minsk verschleppt und dort ermordet wurden? Lilli Borchardt und ihre Mutter wurden am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Transport nach Riga deportiert und am 22. Oktober, unmittelbar nach ihrer Ankunft, in den umliegenden Wäldern ermordet. <br />

Lilli Flora Borchardt kam am 25. Januar 1926 als Tochter des Kaufmanns Jacques Borchardt und seiner Ehefrau Franziska in Berlin zur Welt. Sie hatte noch einen älteren Bruder, Helmut (* 20. Oktober 1922) und eine jüngere Schwester, Irene (* 31. Januar 1929).
In den 1920er Jahren lebte die Familie in wirtschaftlich guten Verhältnissen und wohnte zunächst in einem Einfamilienhaus in der Villenkolonie Nikolassee im Bezirk Zehlendorf. Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mussten Borchardts ihr Heim in der Dreilindenstraße 23 verlassen und zogen in die Innenstadt. Die väterliche Wollwarenfabrik wurde enteignet und der Familie damit die Existenzgrundlage entzogen.
Lilli besuchte die 1935 eröffnete Joseph-Lehmann-Schule der jüdischen Reformgemeinde. Die Volksschule befand sich in der Joachimsthaler Straße 13 im Bezirk Charlottenburg. Danach ging sie auf die Holdheim-Schule, das Realgymnasium der Reformgemeinde, das zunächst in den Räumen der Lehmann-Schule untergebracht war und 1937 in die Nürnberger Straße 66 zog.
Als nach den gewaltsamen Ausschreitungen im November 1938 die Situation immer bedrohlicher wurde, setzten Lillis Eltern alles daran, zunächst ihre Kinder außer Landes zu bringen. Im Mai 1939 gelangte die jüngste Tochter mit einem der „Kindertransporte“ nach England, wo sie von einer nichtjüdischen Familie aufgenommen wurde.
Lilli muss ihre Schwester wohl sehr vermisst haben. In einem Brief vom 2. Juni 1939 beschwerte sie sich, dass ihr die kleine Schwester nicht eigenhändig schrieb: „Ich schreibe Dir doch immer so viel. Und Du mir gar nicht. Viele 1000000000 Grüße an Dich und Alistair von deiner Schwester Lilli.“
Da größere Reisen kaum noch möglich waren, besuchte Lilli in den Sommerferien mal ihre Tante Regina oder ging in den Schulgarten der Holdheim-Schule, um sich dort mit Schulkameraden zu treffen.
Der Plan der Eltern, auch Lilli nach England in Sicherheit zu bringen, zerschlug sich nach Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der Familie wurde schließlich die Wohnung in der Pallasstraße 12 im Bezirk Schöneberg gekündigt. Im Juni 1941 zogen sie in die Ebersstraße 18. Dort wohnten sie zu viert in zwei Zimmern zur Untermiete bei der Fotografin Edith Loewenthal.
Am 19. Juni 1942 wurde Lilli aus der Schule abgemeldet – wenige Tage, bevor alle noch existierenden jüdischen Schulen geschlossen wurden. Die 16-Jährige musste dann als Erntehelferin in Radinkendorf bei Beeskow in Brandenburg arbeiten.
Ob sie sich noch von ihrem Vater und ihrem Bruder verabschieden konnte, die am 24. Juni 1942 nach Minsk verschleppt und dort ermordet wurden? Lilli Borchardt und ihre Mutter wurden am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Transport nach Riga deportiert und am 22. Oktober, unmittelbar nach ihrer Ankunft, in den umliegenden Wäldern ermordet.