Selma Teicher, geb. Marcus, wurde am 30. Oktober 1903 in Berlin geboren.
Sie heiratete Isaak Teicher. Das Paar bekam zwei Kinder, Josef, genannt „Jonny“ und Eva.
Am 27. Juni 1939 floh Selma an Bord des italienischen Schiffes „Conti Biancamono“ mit ihrer Familie nach Shanghai.
Nach ihrer Ankunft wurden sie in einem jüdischen Flüchtlingslager untergebracht, wo sie einige Zeit bleiben mussten. Shanghai hatte sich Ende der 1930er Jahre zu einem Refugium für von den Nazis verfolgte Jüdinnen und Juden entwickelt. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa flohen bis zu 20.000 Menschen nach Shanghai. Ab 1941 fiel die bis dahin in Teilen unter internationaler Verwaltung stehende chinesische Stadt vollends an die japanischen Invasoren, die seit 1937 im Krieg gegen die Republik China standen. Die Japaner, obwohl mit NS-Deutschland verbündet, hatten kein besonderes Interesse an der Verfolgung der jüdischen Minderheit in der von ihnen besetzten Stadt.
Ihrem Mann Isaak Teicher, gelang es, eine kleine Wohnung mit einem Geschäft darunter zu finden. Er begann mit der Herstellung von Kleidung, mit deren Verkauf er den Lebensunterhalt der Familie bestreiten konnte.
Selma lebte mit ihrer Familie annähernd sieben Jahre in Shanghai, drei Jahre davon im sogenannten „Ghetto“. Ab 1942 waren die nach Shanghai geflüchteten Jüdinnen und Juden zunehmenden Repressionen durch die japanischen Besatzer ausgeliefert. Als Zugeständnis gegenüber dem beständigen Drängen nationalsozialistischer Emissäre, die japanische Judenpolitik zu verschärfen bis hin zur Auslieferung der Shanghaier Jüdinnen und Juden, richteten die Behörden ein jüdisches „Ghetto“ ein. Diese sogenannte „designated area“ hielt zahlreiche Härten, wie Ausgangssperren und Zwangswohnungen, für ihre jüdischen Bewohner bereit. Sie war jedoch, anders als die Ghettos in Europa, nie als Vorstufe zur Vernichtung ihrer Einwohner vorgesehen. Japan entschied sich letztlich gegen eine exterminatorische Politik gegenüber den Jüdinnen und Juden in seinem Herrschaftsbereich.
So überlebten die meisten der nach Shanghai Geflohenen die Shoah. Viele von ihnen verließen nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Stadt, die ihnen zur unfreiwilligen Zuflucht geworden war. Auch die Familie Teicher wanderte am 29. April 1946 nach Australien aus.
Nachdem sie sich 1946 in Melbourne niedergelassen hatten, nahm Selmas Mann Isaak seinen Schneiderberuf wieder auf. Er und Selma zogen in eine kleine Wohnung.
Zusammen mit dem Schwiegersohn Fred Antman und der Tochter Eva gründete er ein Modelabel, das sehr erfolgreich hochwertige Damenmäntel und -jacken herstellte.
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