Johanna Lewinsky geb. Leszynski

Verlegeort
Schönhauser Allee 70 b
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
23. März 2021
Geboren
11. Juni 1879 in Rogasen (Posen) / Rogoźno
Deportation
am 04. März 1943 von Berlin nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Johanna Lewinsky wurde am 11. Juni 1879 als Tochter des Kaufmanns Adolf Leszynski und dessen Ehefrau Berta, geb. Seemann, in Rogasen (heute Rogoźno, Polen) geboren.
Johanna Lescynski heiratete am 30. September 1918 in Berlin den Kaufmann Max Lewinsky. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Ursula Lewinsky wurde am 19. Juni 1921 in Berlin geboren.

Nach dem Tod von Max Lewinsky am 14. April 1938 emigrierte Ursula auf Wunsch ihrer Mutter zu ihrem Onkel nach England. Die Mutter blieb in Deutschland. Es bestand aber weiterhin Kontakt zwischen Mutter und Tochter. Nach Ende des Krieges kehrte Ursula nach Ostberlin zurück. Die einzigen Erinnerungen an ihre Mutter waren die Briefe, die sie sich geschrieben haben, welche sie mit sich führte.

Bevor Ursula nach England emigrierte, arbeitete sie bis Ende 1938 als Kontoristin in Berlin. In England arbeitete sie zunächst in einem Industriebetrieb und später wieder als Kontoristin.

Johanna wurde von den Nationalsozialisten gezwungen, aus ihrer Wohnung in der Schönhauser Allee 70 b auszuziehen. Sie wohnte bis zu ihrer Deportation am 4. März 1943 in der Kniprodestr. 19 in Prenzlauer Berg. In solche Zwangswohnungen wurden ab 1939 immer mehr der in Berlin verbliebenen Jüdinnen und Juden eingepfercht, nachdem sie ihre Mietwohnungen aufgrund der antisemitischen Maßnahmen in der Wohnungspolitik verloren hatten. Johanna wurde mit dem „34. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Nach ihrer Rückkehr aus England nahm Ursula ein Jurastudium auf und arbeitete später als Staatsanwältin für Jugend- und Wirtschaftsdelikte u.a. bei der Generalstaatsanwaltschaft.

Ihr erster Sohn Wolfgang wurde in der Emigration 1944 in Leicester geboren. Seit 1947 lebte die Familie wieder in Berlin. Wolfgang begann später ein Studium der Kulturwissenschaft. Er arbeitete als freiberuflicher Autor und Publizist. Sein Bruder André Herzberg ist vor allem als Musiker, Sänger und Schauspieler bekannt. Er kam 1955 in Ostberlin zur Welt. Als „Frontmann“ der Band „Pankow“ gehörte er zu den Protagonisten der Ostrock-Szene. 1991 begann er eine Solokarriere.