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Johanna Treitel

Stolperstein für Johanne Treitel © Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf, April 2013
VERLEGEORT
Karlsruher Str. 23

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Halensee
VERLEGEDATUM
16.04.2013

GEBOREN
19.03.1888 in Posen / Poznań
BERUF
Kontoristin
DEPORTATION
am 14.12.1942 von Berlin nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Johanna Treitel, geboren am 19. März 1888 in Posen (heute: Poznań/Polen), war unverheiratet und wohnte seit 1925 zusammen mit ihrem Bruder Max in der Karlsruher Straße 23. Im Adressbuch war sie als „Privatiere“ eingetragen Aus den einsehbaren Akten im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam geht hervor, dass die Geschwister vor ihrer Deportation zwangsweise kurzfristig in die Westfälische Straße 59 umquartiert wurden.

Johanna Treitel war, wie viele junge Leute, aus der Provinz in die Metropole Berlin gezogen und hatte seit 1913 in Halensee gewohnt. Von Beruf war sie Kontoristin. Als sie zur Deportation abgeholt wurde, war sie allerdings Zwangsarbeiterin bei der W. Spindler AG und verdiente dort, wie sie in der im Sammellager an der Großen Hamburger Straße am 13. Dezember 1942 von ihr verlangten Vermögenserklärung angab, „ca 18.– Mark netto“. Die Firma W. Spindler an der Grünauer Straße in Spindlersfeld war eine Färberei und Chemische Reinigung und einer der Einsatzorte für Zwangsarbeiterinnen.

Eine amtliche Schätzung der Möbel und Gegenstände, die sie in der Westfälischen Straße 59 zurücklassen musste, verlief nach Angaben des Schätzers „erfolglos“, allerdings habe sie noch eine „Restschuld“ von 10,75 RM zu begleichen. Am 7. März 1943 gab der Hausbesitzer, der Architekt Georg Reinemuth, Malplaquetstraße 4a, zu Protokoll, „dass der jüdische Mieter [er benutzte die männliche Form] Paula [nachträglich verbessert: Johanna] Sara Treitel nach Feststellungen des Hauswarts seit mehreren Tagen nicht mehr in seiner Wohnung ist und stelle ich hiermit Antrag auf Mietersatz. Heil Hitler!“

Am 14. Dezember 1942 wurde Johanna Treitel zusammen mit ihrem Bruder Max deportiert. Beide mussten sich, nachdem sie aus ihrer Wohnung verschleppt worden waren, in der Sammelstelle für zur Deportation vorgesehene Jüdinnen und Juden an der Großen Hamburger Straße melden und wurden in einem mit 811 Menschen besetzten Reichsbahnzug vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald nach Auschwitz gebracht, wo sie ums Leben kamen.


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel