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Karoline ,,Linka" Mathias (geb. Asch)

Stolperstein Karoline Mathias, © Familie
Karoline Asch, © Familie
VERLEGEORT
Brunnenstr. 41

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
2020

GEBOREN
02.11.1854 in Posen / Poznań
DEPORTATION
am 17.08.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
27.08.1942 in Theresienstadt

Karoline „Linka“ Mathias (geb. Asch) wurde am 2. November 1854 in der Stadt Posen, dem heutigen Poznań, geboren. Die Eltern, Meier Asch und seine Frau Sara (geb. Kronthal), entstammten namhaften Posener Familien.
Am 25. Mai 1880 heiratete Linka nach Pasewalk den dortigen Kaufmann Julius Mathias. Zwischen 1882 und 1892 kamen die Kinder Klara, Betty, Georg, Martha, Blanka und Sigmund zur Welt. Die Familie war aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und Glaubensüberzeugung auch schon lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten immer wieder Konflikten und Anfeindungen ausgesetzt, sei es bei den Kindern in der Schule oder bei einzelnen Geschäftspartnern. Auch die Beziehungen zu den angeheirateten Familien der beiden nichtjüdischen Schwiegersöhne erwiesen sich von Beginn an – die Töchter Klara und Betty heiraten 1910 bzw. 1912 – als nicht ganz unproblematisch.
Nachdem sich Karoline Mathias’ Ehemann aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs seines Geschäfts und der zunehmenden Verschlechterung seines Gesundheitszustands im Jahre 1901 das Leben genommen hatte, zog die Witwe mit ihren Kindern nach Berlin – Klara und Betty haben dort Anstellungen bei Tietz bzw. Wertheim gefunden. Im ersten Jahr wohnte die Familie vorübergehend bei dem bekannten Sozialdemokraten Eduard Bernstein, der mit Karolines Cousine Regina (geb. Zadek) verheiratet war. Nach weiteren Zwischenstationen bezog Karoline Mathias im Jahre 1913 eine geräumige Fünf-Zimmer-Wohnung in der Kreuzberger Müllenhoffstraße 18. Diese Wohnung war 18 Jahre lang der Treff- und Mittelpunkt für einen großen Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten. Die Familie pflegte einen engen Zusammenhalt untereinander. Karoline Mathias selbst brauchte nie einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen, sie sorgte sich stattdessen um den Haushalt, das Essen und die Betreuung der Enkel. Trotz ihres liebevollen und zugewandten Wesens konnte sie aber auch schon mal mit der flachen Hand oder dem Silberkrückstock kräftig auf den Tisch zu schlagen, wenn es ihr bei Tisch zu laut wurde. Nachdem vier Kinder verheiratet wurden, blieben Tochter Martha und Sohn Georg ledig, um ihre Mutter – nicht nur finanziell – unterstützen zu können.
1932 zog Karoline Mathias in das Minna-Schwarz-Heim in der Brunnenstraße 41, das seit eben diesem Jahr auch als Altersheim genutzt wurde. Wie eng die Bindung zu ihren Kindern war, zeigt sich wohl am meisten darin, dass Tochter Martha, die Ende der dreißiger Jahre eine kurze Zeit bei ihrem nach Südafrika ausgewanderten Bruder Sigmund verbrachte, aller Warnungen zum Trotz und zu ihrem eigenen späteren Verhängnis nach Berlin zurückkehrte, um die Mutter nicht alleine zu lassen.
Am 17. August 1942 musste die 87 Jahre alte Karoline Mathias wie 52 weitere Bewohnerinnen und Bewohner ihres Altersheims auf einen Lastwagen klettern, mit dem sie zum Lehrter Güterbahnhof gebracht wurde. Unter der laufenden Transportlisten-Nummer 453 wurde sie am selben Tag mit dem „1. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert.
Zehn Tage später, am 27. August 1942, starb sie im Ghetto Theresienstadt. Auf der Todesfallanzeige wird als Todesursache Herzschwäche vermerkt.
Von ihren sechs Kindern überlebten nur Sigmund und Klara die Nazizeit.


Biografische Zusammenstellung

Shenja Leiser

Weitere Quellen

Gerhard Mursinsky: Warum ich nicht Ingenieur geworden bin, Berliner Erinnerungen. Hrsg.: Wolfgang Mursinsky und Werner Türk. Hentrich & Hentrich, Berlin 2011,
Eheregister des Standesamts Fehrbellin (Jahrg 1880, Nr. 11) wieder.
Die Fotos befinden sich in unserem "Familienarchiv".
Der Totenschein: Opferdatenbank Holocaust.cz