Annemarie Herzfeld kam am 20. September 1921 als Tochter des Ehepaars Heinz und Hertha Herzfeld in Berlin zur Welt.
Der Vater, ein gebürtiger Berliner, hatte 1920 die aus Chemnitz stammende Hertha Cerf geheiratet. Die junge Familie zog 1922 in die Schönhauser Allee 140 in Berlin-Prenzlauer Berg. Bis 1933 war der Vater Heinz unter dieser Adresse als Kaufmann mit einem Telefonanschluss in den Berliner Adressbüchern gemeldet. 1934 musste er offenbar sein selbständiges Gewerbe aufgeben und mit der Familie umziehen. Ab 1935 ist Heinz Herzfeld als Lichtbildvorführer in der Dunckerstraße 21 (Prenzlauer Berg) eingetragen.
Anneliese Herzfeld besuchte von Ostern 1928 bis 1936 die Volksschule. Ob sie danach eine Berufsausbildung machte, ist nicht bekannt. Sie heiratete am 17. Januar 1941 auf dem Standesamt Prenzlauer Berg den in Schwetz geborenen Kinovorführer Paul Philippsborn (*1905). Es ist zu vermuten, dass Annemarie ihren Mann durch die berufliche Zusammenarbeit des Vaters als Lichtbildvorführer mit dem Kinovorführer Paul kennengelernt hatte. Das Ehepaar Philippsborn zog in den Berliner Bezirk Friedrichshain, nachdem sie vermutlich einige Monate noch bei den Eltern Herzfeld in der Dunckerstraße 21 gewohnt haben.
Ab Oktober 1941 begannen die Nazis in Berlin mit der planmäßigen Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Vermutlich im selben Jahr muss die Familie Herzfeld aus der Dunckerstr. 21 in die Weißenburger Straße 76 (heute Gelände des Jugendfreizeitheims „Kolle 37“) umgezogen sein. Ob es sich dabei um einen frei gewählten Wohnort oder die Umsetzung in ein sog. „Judenhaus“ handelte, ist nicht belegt. Der Vater Heinz wird nur bis 1941 im Berliner Adressbuch in der Dunckerstraße 21 genannt.
Am 31. Juli 1942 wurde die Großmutter Frieda Herzfeld, geb. Meyer mit dem 34. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie sieben Monate später, am 28. Februar 1943, starb. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde im gesamten Deutschen Reich die später als „Fabrikaktion“ benannte Aktion der Nazis durchgeführt. Es wurden systematisch alle noch in der kriegswichtigen Produktion eingesetzten jüdischen Zwangsarbeiter an den Arbeitsplätzen oder in ihren Wohnungen verhaftet und bis zu ihren Deportationen in Sammellagern festgesetzt.
Am 2. März 1943 wurden die Eltern Heinz und Hertha Herzfeld mit dem 32. Osttransport über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Am 4. März 1943 wurden Annemarie Herzfeld, verh. Philippsborn, ebenso wie ihr Ehemann Paul Phlippsborn mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet. In der Transportliste wird als ihre letzte Adresse die Boxhagener Straße 118 „bei Ingwer“ genannt. Ob dies ein frei gewählter Wohnsitz war, ist fraglich.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.