David (Davicso) Asriel

Verlegeort
Friedrichstr. 76
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2010
Geboren
21. April 1882
Beruf
Kaufmann für Pelzwaren
Deportation
am 25. Januar 1942 nach Riga
Ermordet
im Ghetto Riga
  • Stolperstein für Davicso Asriel
    Stolperstein für Davicso Asriel © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

    Stolperstein für Davicso Asriel © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

Davisco Asriël wurde am 21. April 1882 in Wien geboren. Seine Familie kam aus dem Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, nach Österreich. Dort gehörte sie der großen sephardischen Gemeinde Wiens an. Durch den beginnenden Zerfall der k.u.k.-Monarchie in Österreich-Ungarn durch die „Bosnienkrise“ kam ein Teil der Familie Asriël oder auch die ganze Familie, Genaueres ist nicht bekannt, nach Berlin. Hier eröffneten die Onkel von Davisco Asriël 1908 die Firma „Brüder Asriël & Farchy“, die Produkte aus der Türkei importierte.<br />
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Über Davisco Asriëls Leben vor 1930 ist nicht viel bekannt. Er war wie seine Onkel Kaufmann, allerdings für Pelzwaren, und betrieb eine Firma mit Sitz in der Friedrichstraße. Verheiratet war er mit Helene Fischer, 1924 kam der Sohn Jochanan Asriël zur Welt. 1930 wurde er Vorsitzender des Israelitisch-Sephardischen Vereins zu Berlin e.V., der seit seiner Gründung 1905 regen Zulauf hatte. <br />
<br />
Die Verfolgung der sephardischen Juden nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten war etwas anders geartet als die der Aschkenasim, sie genossen zunächst sogar einen gewissen Schutz. Dies lag daran, dass die meisten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, sondern meist noch die türkische. So blieb die Firma Asriël zunächst von der „Arisierung“ verschont, da die Besitzer zwar Juden waren, aber eben keine Staatsbürger des Deutschen Reiches. Doch die türkische Regierung entzog in den 1930er Jahren vielen die Staatsbürgerschaft, sodass die nun „Staatenlosen“ dem NS-Regime gänzlich ausgeliefert waren.<br />
<br />
Wahrscheinlich 1939, im Zuge der Auflösung aller jüdischen Vereine und Organisationen, wurde der Israelitisch-Sephardische Verein zu Berlin e.V. verboten. Davisco Asriël versuchte daraufhin, die Thorarollen und Kultusgegenstände aus der Synagoge des Vereins in der Lützowstraße 111 in seiner Wohnung zu verstecken. Ihm wurde 1940 die türkische Staatsbürgerschaft entzogen. Zu diesem Zeitpunkt lebte er von seiner Frau schon länger getrennt, sein Sohn konnte mit 15. Jahren mithilfe der Jugend-Alijah nach Palästina entkommen.<br />
<br />
Am 25. Januar 1942 wurde Davisco Asriël von der Gestapo festgenommen und im Berliner Polizeigefängnis verhört. Dies geschah anscheinend, weil er versucht hatte, sich neue Papiere zu kaufen. Noch am selben Tag wurde er in das Ghetto Riga deportiert. <br />
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Die Stolpersteininschrift beruht auf einem älteren Kenntnisstand.

Davisco Asriël wurde am 21. April 1882 in Wien geboren. Seine Familie kam aus dem Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, nach Österreich. Dort gehörte sie der großen sephardischen Gemeinde Wiens an. Durch den beginnenden Zerfall der k.u.k.-Monarchie in Österreich-Ungarn durch die „Bosnienkrise“ kam ein Teil der Familie Asriël oder auch die ganze Familie, Genaueres ist nicht bekannt, nach Berlin. Hier eröffneten die Onkel von Davisco Asriël 1908 die Firma „Brüder Asriël & Farchy“, die Produkte aus der Türkei importierte.

Über Davisco Asriëls Leben vor 1930 ist nicht viel bekannt. Er war wie seine Onkel Kaufmann, allerdings für Pelzwaren, und betrieb eine Firma mit Sitz in der Friedrichstraße. Verheiratet war er mit Helene Fischer, 1924 kam der Sohn Jochanan Asriël zur Welt. 1930 wurde er Vorsitzender des Israelitisch-Sephardischen Vereins zu Berlin e.V., der seit seiner Gründung 1905 regen Zulauf hatte.

Die Verfolgung der sephardischen Juden nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten war etwas anders geartet als die der Aschkenasim, sie genossen zunächst sogar einen gewissen Schutz. Dies lag daran, dass die meisten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, sondern meist noch die türkische. So blieb die Firma Asriël zunächst von der „Arisierung“ verschont, da die Besitzer zwar Juden waren, aber eben keine Staatsbürger des Deutschen Reiches. Doch die türkische Regierung entzog in den 1930er Jahren vielen die Staatsbürgerschaft, sodass die nun „Staatenlosen“ dem NS-Regime gänzlich ausgeliefert waren.

Wahrscheinlich 1939, im Zuge der Auflösung aller jüdischen Vereine und Organisationen, wurde der Israelitisch-Sephardische Verein zu Berlin e.V. verboten. Davisco Asriël versuchte daraufhin, die Thorarollen und Kultusgegenstände aus der Synagoge des Vereins in der Lützowstraße 111 in seiner Wohnung zu verstecken. Ihm wurde 1940 die türkische Staatsbürgerschaft entzogen. Zu diesem Zeitpunkt lebte er von seiner Frau schon länger getrennt, sein Sohn konnte mit 15. Jahren mithilfe der Jugend-Alijah nach Palästina entkommen.

Am 25. Januar 1942 wurde Davisco Asriël von der Gestapo festgenommen und im Berliner Polizeigefängnis verhört. Dies geschah anscheinend, weil er versucht hatte, sich neue Papiere zu kaufen. Noch am selben Tag wurde er in das Ghetto Riga deportiert.

Die Stolpersteininschrift beruht auf einem älteren Kenntnisstand.