- Verlegeort
- Hektorstr. 5
- Bezirk/Ortsteil
- Halensee
- Verlegedatum
-
27. November 2012
- Geboren
- 31. Januar 1884 in Breslau (Schlesien) / Wrocław
- Deportation
- am 15. Dezember 1942 nach Theresienstadt
- Später deportiert
- am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz
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Ermordet
- in Auschwitz
Eva Jablonski wurde als Eva Wolff am 31. Januar 1884 in Breslau in Niederschlesien (Wrocław, Polen) geboren. Sie war das einzige Kind des Kaufmanns Wilhelm Wolff und dessen Ehefrau Bertha geborene Matzdorff.
Wann und wo Eva ihren späteren Ehemann, den Apotheker und Dr. der Pharmazie Siegfried Jablonski (*28. Juli 1874), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 21jährige Eva und der 30jährige Siegfried heirateten am 9. Februar 1905 in Breslau. Dort wurden sie am 13. Juni 1906 Eltern eines Sohnes, den sie Gerhard nannten.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Eva 49 Jahre alt und lebte mit ihrer Familie in Breslau, wo ihr Ehemann Besitzer der Engel Apotheke und eines pharmazeutischen Laboratoriums in der Scheitniger Straße 28 war.
Ihr Sohn Gerhard hatte als Lehrling in Betrieben, die mit dem Lebensmittelgroßhandel ihres Vaters verbunden waren, gearbeitet. Denn Wilhelm Wolff, sein Großvater, hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Enkel mit 27 Jahren Teilhaber des Unternehmens werden sollte, was ab 1933 nicht mehr möglich war. So wurde Gerhard zusammen mit einem Franzosen Teilhaber eines Kaffeeimporteurs in Hamburg. Außerdem war Gerhard ein begabter Oboist, der mit Orchestern auftrat und bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen in ganz Deutschland spielte.
Am 12. November 1936 heiratete Gerhard, die aus Köln stammende Fotografin Gerda Jeanette Charlotte Gottschalk (*1. April 1910), in Köln. Ende 1937 musste er als Teilhaber des Kaffeeimporteurs aussteigen, da die Bank keine Geschäfte mehr mit jüdischen Partnern machen wollte. Das junge Paar entschloss sich, daraufhin in die USA auszuwandern. Hierfür benötigten sie eine Eidesstattliche Erklärung einer Person in den USA. Im Telefonbuch von New York City suchte Gerhard nach Personen mit dem Namen Jablon/Yablon. Er schrieb etwa 100 Briefe und fragte an, ob jemand von ihnen als Bürge in Frage käme. Glücklicherweise meldete sich Phillip Yablon und gab sich als sein Cousin aus. Er reichte die erforderliche eidesstattliche Erklärung ein.
1938 wurde vermutlich die Engel Apotheke „arisiert“, da ein Jude keine Apotheke mehr führen oder besitzen durfte.
Eva und Siegfried gingen daraufhin nach Berlin. Im Berliner Adressbuch von 1939 waren sie das erste Mal in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee zu finden und auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ dort gemeldet.
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10 November 1938 wurde auch ihr Sohn Gerhard von der Gestapo festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er unter harter Zwangsarbeit und Hunger litt. Nach sechs Wochen Lageraufenthalt, gelang es ihm, sich unter der Auflage Deutschland, so schnell wie möglich, zu verlassen, frei zu kaufen. Nach der Entlassung besuchte er seine Eltern, wie sich später herausstellte, ein letztes Mal. Er floh nach Großbritannien, wo ihn seine Ehefrau schon erwartete. Von dort aus emigrierten sie am 1. April 1940 in die USA, wo sich Gerhard „Gerald Jablon“ nannte. 1942 und 1944 wurden sie Eltern einer Tochter und eines Sohnes. Ihre Enkelkinder lernten Siegfried und Eva nie kennen. Sie zogen am 1. April 1941 als „Rentner“ in die Brandenburgische Straße 38 in Berlin-Wilmersdorf. Finanzielle Probleme hatten sie nicht, die Ausgrenzung von Juden in der damaligen Zeit wird ihnen zu schaffen gemacht haben.
Im Oktober 1941 erließ das NS-Regime ein umfassendes Ausreiseverbot für Juden aus dem Deutschen Reich, damit saßen Eva und Siegfried in der Falle. Mehr als ein Jahr später bekamen sie Anfang Dezember 1942 den Deportationsbefehl. Sie hatten sich in der Sammelstelle Gerlachstraße 18-21, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, in Berlin-Mitte einzufinden, um dort ihre Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 7. und 8. Dezember doppelt ausfüllten und unterschrieben. Am 15. Dezember 1942 deportierte die Gestapo sie vom Anhalter Bahnhof in das Altersghetto in Theresienstadt. Hier überlebten sie trotz menschenunwürdiger Lebensbedingungen fast zwei Jahre, um dann am 28. Oktober 1944 von Theresienstadt mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert zu werden,
wo sie kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden.
Eva Jablonski geborene Wolff starb mit 60 Jahren und Siegfried Jablonski mit 70 Jahren.
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