Carl Klingelhöfer

Verlegeort
Hohenzollerndamm 201
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. September 2010
Geboren
16. April 1899 in Metz
Deportation
am 02. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Alfred Ernst Carl Klingelhöfer wurde am 16. April 1899 in Metz, Lothringen (heute Frankreich) als jüngstes von insgesamt drei Kindern seiner Eltern geboren. Sein Rufname war Carl. Sein Vater Karl Klingelhöfer gehörte der evangelischen Kirche an. Seine Mutter Karoline Klingelhöfer geborene Kahn war Jüdin. Carl hatte zwei Schwestern, die sechs Jahre ältere Bertha Karoline Elsa (*19. Januar 1893) und die vier Jahre ältere Pauline Hedwig (*12. Juni 1895).

Er wurde Kaufmann von Beruf und stieg ins Bankgeschäft ein. Vermutlich kam er 1930 mit 31 Jahren nach Berlin. Das Berliner Adressbuch führte ihn von 1931 bis 1934 als Bankdirektor in der Seydlitzstraße 51 in Berlin-Lankwitz. 

Wann und wo Carl seine spätere Ehefrau Lotte Kann aus Mannheim kennenlernte und heiratete, ist nicht bekannt. Am 27. Dezember 1931 wurde ihr gemeinsamer Sohn Hans-Joachim in Berlin-Charlottenburg geboren.

Das Berliner Adressbuch 1935 führte Carl Klingelhöfer als „Bankdirektor außer Dienst“ in der Nassauischen Straße 61. Vermutlich durfte Carl seinen Beruf nicht weiter ausüben, weil er keine „rein arische Abstammung“ nachweisen konnte. Als nicht arisch galt, wer von nicht arischen, insbesondere jüdischen Eltern oder Großeltern abstammte. Dieses war bei Carl aufgrund seiner jüdischen Mutter der Fall. Mit dem Ariernachweis begann die Ausgrenzung von „Nichtariern“. Da half es auch nicht, evangelisch getauft zu sein. In der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz 1935 wurde die Gruppe der später so genannten „Geltungsjuden“ definiert. Als Jude galt demnach auch der von zwei jüdischen Großeltern abstammende jüdische „Mischling", der beim Erlass des Gesetzes mit einem Juden verheiratet war, was bei Carl ebenfalls der Fall war.

Seit 1936 wohnte die Familie Klingelhöfer in einer 3-Zimmer-Wohnung des II. Portals im III. Stock links am Hohenzollerndamm 201. In eines der Zimmer zog am 1. Dezember 1940 die Witwe Margarete Adolfine Stern (*23. Dezember 1871 in Berlin) aus der Nassauischen Str. 61 zur Untermiete ein.

Von seinem Schwager Adolf Faust, dem aus Saarbrücken stammenden Ehemann seiner Schwester Pauline Hedwig, bekam er von Dezember 1939 bis Oktober 1940 zur Unterstützung seines Lebensunterhalts monatlich 250 RM als Darlehen überwiesen. Da er den Betrag nicht zurückzahlen konnte, schlossen sie am 25. Oktober 1941 einen notariellen Vertrag, der die Wohnungseinrichtung der Klingelhöfers als Sicherung der Schuld in Höhe von insgesamt 2.750 RM beurkundete.

Carl Klingelhöfer wurde ab 1941 zur Zwangsarbeit herangezogen. Er musste als Hilfsarbeiter bei der Firma Helmut Korth, Fabrik für Feinmechanik und Optik, Mikroskope-Bau in Berlin-Mitte, Kesselstraße 9 (heute: Habersaathstraße), für 38 RM wöchentlich Zwangsarbeit leisten.

Vermutlich wurde er bei seiner Arbeit am 27. Februar 1943 im Rahmen der „Fabrikaktion“ von der Gestapo festgesetzt. Seine Vermögenserklärung unterschrieb er am 1. März 1943 im Sammellager in der Levetzowstraße 8.

 Carl wurde zusammen mit 1.757 anderen Personen am 2. März 1943 mit dem „32. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Ob er sofort nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in der Gaskammer ermordet wurde oder noch zum Arbeitseinsatz selektiert wurde, ist nicht bekannt. Am 16. April 1943 wäre er 44 Jahre alt geworden.

Am 10. März 1943 machte sein Schwager Adolf Faust aus Saarbrücken die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten in Berlin Brandenburg darauf aufmerksam, dass er eine Darlehnsforderung gegen „Carl Israel Klingelhöfer“ in Höhe von 2.750 RM habe und dass ihm zur Sicherung der Forderung die Wohnungseinrichtung und Gebrauchsgegenstände durch notarielle Urkunde übereignet worden seien. Er bat deshalb darum, von einer Einziehung der Wohnungseinrichtung abzusehen.

Schon am 20. März 1943 wurde die Wohnung geräumt, da ein ausgebombter Mieter aus der Detmolder Straße 55 dringend um Einzug in die Wohnung gebeten hatte. Der Wohnungseinrichtungserlös der Familie Klingelhöfer betrug 3.512 RM für das Deutsche Reich. Adolf Faust stellte nach dem Krieg einen Entschädigungsantrag, um an das ihm zustehende Geld zu kommen.