Walter Boldes

Verlegeort
Holzmarktstr. 70
Historischer Name
Wallnertheaterstr.19
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2006
Geboren
13. August 1898
Beruf
kaufmännischer Angestellter
Inhaftiert (t.b.d.)
im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee
Hingerichtet
14. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee
  • Stolperstein Waltes Boldes © OTFW
    Stolperstein Waltes Boldes © OTFW

    Stolperstein Waltes Boldes © OTFW

Walter Boldes wurde am 13. August 1898 als Sohn von Heinrich Boldes und Martha Boldes geb. Saling in Breslau (heute: Wrocław / Polen) geboren. Dort begann er nach Abschluss der Schule eine Kaufmannslehre. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste er seine Lehre abbrechen und wurde als Soldat einberufen. Nach dem Krieg kehrte er nach Breslau zurück und arbeitete als kaufmännischer Angestellter bei verschiedenen Firmen.<br />
1937 zog er im Alter von 39 Jahren nach Berlin und fand dort Arbeit als Lagerist. Frühere Freunde beschreiben Walter Boldes als sehr geselligen und lebenslustigen Menschen. Oftmals lud er zu Feiern in seine Wohnung in der Wallnertheaterstraße 19 in Berlin-Mitte ein. Die Straße befand sich südlich des Alexanderplatzes nahe des Spreeufers. Sie existiert heute nicht mehr. Die Wohnung lag etwa auf der Höhe der heutigen Holzmarktstraße 70.<br />
1940 lernte Walter Boldes den zehn Jahre jüngeren Paul Küster in einer Kneipe am Alexanderplatz kennen. Schnell entwickelte sich zwischen ihnen eine Liebesbeziehung. Sie verbrachten viel Zeit miteinander – bis Paul Küster im Februar 1941 zum Wehrdienst in einer Kaserne in Berlin-Charlottenburg eingezogen wurde. Gemeinsam planten die beiden, in die Schweiz zu fliehen. Paul Küster wollte so der Einberufung an die Front entgehen, Walter Boldes war als Jude von der Deportation in ein Konzentrationslager bedroht. Nach einem Urlaub vom Wehrdienst kehrte Paul Küster nicht mehr in die Kaserne zurück und tauchte in Berlin unter. Zunächst nahm Walter Boldes ihn in seiner Wohnung auf, danach wechselte er in die Wohnung einer gemeinsamen Freundin und nahm sich schließlich Anfang Februar 1942 gemeinsam mit einem Zivilarbeiter ein Zimmer zur Untermiete. Während dieser Zeit unterstützte ihn Walter Boldes mit Geld und Lebensmitteln. Doch schon nach kurzer Zeit wurde Paul Küster entdeckt. Der Zivilarbeiter hatte ihn wegen eines kleinen Diebstahls bei der Vermieterin gemeldet. Am 18. Februar 1942 wurde er verhaftet und abgeführt. Kurz darauf wurde auch Walter Boldes festgenommen. Die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität“ des Reichskriminalpolizeiamtes schaltete sich ein. Walter Boldes wurde angeklagt, weil er Paul Küster beim Fernbleiben vom Wehrdienst unterstützt und eine Liebesbeziehung mit ihm geführt hatte.<br />
Am 2. Juli 1942 verurteilte das Berliner Sondergericht Walter Boldes wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode und wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu fünf Jahren Haft. Im Revisionsverfahren bestätigte das Reichsgericht das Urteil nochmals. Walter Boldes wurde am 20. November 1942 in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee eingeliefert und dort am Abend des 14. Dezember 1942 hingerichtet. Auch Paul Küster erhielt ein Todesurteil. Er wurde am 19. Mai 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.<br />

Walter Boldes wurde am 13. August 1898 als Sohn von Heinrich Boldes und Martha Boldes geb. Saling in Breslau (heute: Wrocław / Polen) geboren. Dort begann er nach Abschluss der Schule eine Kaufmannslehre. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste er seine Lehre abbrechen und wurde als Soldat einberufen. Nach dem Krieg kehrte er nach Breslau zurück und arbeitete als kaufmännischer Angestellter bei verschiedenen Firmen.
1937 zog er im Alter von 39 Jahren nach Berlin und fand dort Arbeit als Lagerist. Frühere Freunde beschreiben Walter Boldes als sehr geselligen und lebenslustigen Menschen. Oftmals lud er zu Feiern in seine Wohnung in der Wallnertheaterstraße 19 in Berlin-Mitte ein. Die Straße befand sich südlich des Alexanderplatzes nahe des Spreeufers. Sie existiert heute nicht mehr. Die Wohnung lag etwa auf der Höhe der heutigen Holzmarktstraße 70.
1940 lernte Walter Boldes den zehn Jahre jüngeren Paul Küster in einer Kneipe am Alexanderplatz kennen. Schnell entwickelte sich zwischen ihnen eine Liebesbeziehung. Sie verbrachten viel Zeit miteinander – bis Paul Küster im Februar 1941 zum Wehrdienst in einer Kaserne in Berlin-Charlottenburg eingezogen wurde. Gemeinsam planten die beiden, in die Schweiz zu fliehen. Paul Küster wollte so der Einberufung an die Front entgehen, Walter Boldes war als Jude von der Deportation in ein Konzentrationslager bedroht. Nach einem Urlaub vom Wehrdienst kehrte Paul Küster nicht mehr in die Kaserne zurück und tauchte in Berlin unter. Zunächst nahm Walter Boldes ihn in seiner Wohnung auf, danach wechselte er in die Wohnung einer gemeinsamen Freundin und nahm sich schließlich Anfang Februar 1942 gemeinsam mit einem Zivilarbeiter ein Zimmer zur Untermiete. Während dieser Zeit unterstützte ihn Walter Boldes mit Geld und Lebensmitteln. Doch schon nach kurzer Zeit wurde Paul Küster entdeckt. Der Zivilarbeiter hatte ihn wegen eines kleinen Diebstahls bei der Vermieterin gemeldet. Am 18. Februar 1942 wurde er verhaftet und abgeführt. Kurz darauf wurde auch Walter Boldes festgenommen. Die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität“ des Reichskriminalpolizeiamtes schaltete sich ein. Walter Boldes wurde angeklagt, weil er Paul Küster beim Fernbleiben vom Wehrdienst unterstützt und eine Liebesbeziehung mit ihm geführt hatte.
Am 2. Juli 1942 verurteilte das Berliner Sondergericht Walter Boldes wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode und wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu fünf Jahren Haft. Im Revisionsverfahren bestätigte das Reichsgericht das Urteil nochmals. Walter Boldes wurde am 20. November 1942 in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee eingeliefert und dort am Abend des 14. Dezember 1942 hingerichtet. Auch Paul Küster erhielt ein Todesurteil. Er wurde am 19. Mai 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.