Paul Simson

Verlegeort
Lessingstr. 8 -10
Historischer Name
Lessingstr. 26
Bezirk/Ortsteil
Hansaviertel
Verlegedatum
2010
Geboren
25. Januar 1879
Beruf
Kaufmann
Flucht in den Tod
24. Januar 1943 in Berlin
  • Stolperstein für Paul Simson.
    Stolperstein für Paul Simson. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Paul Simson. Foto: OTFW.

Paul Simson wurde am 25. Januar 1879 in Stolp in Pommern (heute: Słupsk / Polen) geboren. In seiner Heimatstadt, in der sein Vater Hirsch einen Pferdehandel betrieb, besuchte Paul Simson das Gymnasium und machte nach der mittleren Reife eine kaufmännische Lehre. 1905 zog er nach Berlin, wohin auch seine Mutter Rosa (geb. Rosenthal) und mindestens vier seiner zahlreichen Geschwister übersiedelten. Er war bei der Firma Frank & Bernstein als Vertreter für Blusenkonfektion angestellt. Dort lernte er seine spätere Frau Erna kennen, die in dem Betrieb als Buchhalterin tätig war. Ernestine Berman stammte aus Schildberg in Posen und war zehn Jahre jünger als er. Sie heirateten im Frühjahr 1915 und zogen in die Levetzowstraße. Ab März 1916 wohnten sie dann zusammen mit Paul Simsons Mutter und seiner zehn Jahre älteren unverheirateten Schwester Elise in einer 4-Zimmer-Wohnung in der Lessingstraße 26 (heute Lessingstraße 8–10). Elise Simson kümmerte sich um den Haushalt der Familie. Die Mutter Rosa lebte mit ihnen zusammen, bis sie 1925 im Alter von 86 Jahren starb.<br />
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Im Ersten Weltkrieg wurde Paul Simson zum Militärdienst eingezogen. Sein einziges Kind Hans kam am 13. November 1918 zur Welt, zwei Tage nach der Kapitulation des Deutschen Kaiserreichs. Nach dem Krieg eröffnete Paul Simson ein Blusen-Engrosgeschäft in der „Konfektionsgegend“ um die Kronenstraße. Nach einigen Jahren gab er das Geschäft auf. Zuletzt hatte er Seidenpullover in Heimarbeit herstellen lassen, was sich aber nicht rentierte. Er war dann selbstständig für mehrere Firmen als Provisionsvertreter für Damenkonfektion tätig und führte die Leico-Textilgesellschaft in der Friedrichstraße. Die Geschäfte liefen gut und Paul Simson war recht wohlhabend. Mit seiner Familie fuhr er regelmäßig in den Sommerurlaub, auch mehrfach ins Ausland, was damals keine Selbstverständlichkeit war. <br />
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Paul Simsons Sohn Hans besuchte die höhere Schule, die er aufgrund antijüdischer Bestimmungen vor dem Abitur verlassen musste. Es war geplant, dass Hans zusammen mit seiner Cousine Ursula nach Australien fliehen sollte, was aber nicht mehr gelang. 1938 wurde die Leico-Textilgesellschaft „arisiert“. Im Dezember wurde Paul Simson verhaftet und bis Ende Januar 1939 in Gestapohaft festgehalten. Fünf Monate später, am 30. Juni 1939, nahm sich seine Frau Erna das Leben.<br />
Paul Simson musste ab 1941 Zwangsarbeit bei der Firma Rappe & Hecht in Reinickendorf leisten. Den Angaben seiner Schwägerin Alma Brajzblat (geb. Manasse) zufolge leistete er bei der Müllabfuhr Zwangsarbeit. Im August 1942 wurde seine Schwester Elise von der Gestapo abgeholt. Sie wurde am 1. September nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 10. Mai 1944 ums Leben kam.<br />
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Paul Simson starb am Abend des 24. Januar 1943 in seiner Wohnung in der Lessingstraße. Der Sterbeurkunde zufolge war sein Sohn Hans, der auch den Todesfall anzeigte, bei ihm. Als Todesursache ist Blutkrankheit und Herzmuskelschwäche angegeben. Es gibt allerdings Indizien dafür, dass sich Paul Simson das Leben genommen hat. Er wurde in Berlin-Weißensee beigesetzt.<br />
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Hans Simson wurde am 28. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.<br />

Paul Simson wurde am 25. Januar 1879 in Stolp in Pommern (heute: Słupsk / Polen) geboren. In seiner Heimatstadt, in der sein Vater Hirsch einen Pferdehandel betrieb, besuchte Paul Simson das Gymnasium und machte nach der mittleren Reife eine kaufmännische Lehre. 1905 zog er nach Berlin, wohin auch seine Mutter Rosa (geb. Rosenthal) und mindestens vier seiner zahlreichen Geschwister übersiedelten. Er war bei der Firma Frank & Bernstein als Vertreter für Blusenkonfektion angestellt. Dort lernte er seine spätere Frau Erna kennen, die in dem Betrieb als Buchhalterin tätig war. Ernestine Berman stammte aus Schildberg in Posen und war zehn Jahre jünger als er. Sie heirateten im Frühjahr 1915 und zogen in die Levetzowstraße. Ab März 1916 wohnten sie dann zusammen mit Paul Simsons Mutter und seiner zehn Jahre älteren unverheirateten Schwester Elise in einer 4-Zimmer-Wohnung in der Lessingstraße 26 (heute Lessingstraße 8–10). Elise Simson kümmerte sich um den Haushalt der Familie. Die Mutter Rosa lebte mit ihnen zusammen, bis sie 1925 im Alter von 86 Jahren starb.

Im Ersten Weltkrieg wurde Paul Simson zum Militärdienst eingezogen. Sein einziges Kind Hans kam am 13. November 1918 zur Welt, zwei Tage nach der Kapitulation des Deutschen Kaiserreichs. Nach dem Krieg eröffnete Paul Simson ein Blusen-Engrosgeschäft in der „Konfektionsgegend“ um die Kronenstraße. Nach einigen Jahren gab er das Geschäft auf. Zuletzt hatte er Seidenpullover in Heimarbeit herstellen lassen, was sich aber nicht rentierte. Er war dann selbstständig für mehrere Firmen als Provisionsvertreter für Damenkonfektion tätig und führte die Leico-Textilgesellschaft in der Friedrichstraße. Die Geschäfte liefen gut und Paul Simson war recht wohlhabend. Mit seiner Familie fuhr er regelmäßig in den Sommerurlaub, auch mehrfach ins Ausland, was damals keine Selbstverständlichkeit war.

Paul Simsons Sohn Hans besuchte die höhere Schule, die er aufgrund antijüdischer Bestimmungen vor dem Abitur verlassen musste. Es war geplant, dass Hans zusammen mit seiner Cousine Ursula nach Australien fliehen sollte, was aber nicht mehr gelang. 1938 wurde die Leico-Textilgesellschaft „arisiert“. Im Dezember wurde Paul Simson verhaftet und bis Ende Januar 1939 in Gestapohaft festgehalten. Fünf Monate später, am 30. Juni 1939, nahm sich seine Frau Erna das Leben.
Paul Simson musste ab 1941 Zwangsarbeit bei der Firma Rappe & Hecht in Reinickendorf leisten. Den Angaben seiner Schwägerin Alma Brajzblat (geb. Manasse) zufolge leistete er bei der Müllabfuhr Zwangsarbeit. Im August 1942 wurde seine Schwester Elise von der Gestapo abgeholt. Sie wurde am 1. September nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 10. Mai 1944 ums Leben kam.

Paul Simson starb am Abend des 24. Januar 1943 in seiner Wohnung in der Lessingstraße. Der Sterbeurkunde zufolge war sein Sohn Hans, der auch den Todesfall anzeigte, bei ihm. Als Todesursache ist Blutkrankheit und Herzmuskelschwäche angegeben. Es gibt allerdings Indizien dafür, dass sich Paul Simson das Leben genommen hat. Er wurde in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Hans Simson wurde am 28. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.