Ernestine Simson geb. Berman

Verlegeort
Lessingstr. 8 -10
Bezirk/Ortsteil
Hansaviertel
Verlegedatum
2010
Geboren
07. Dezember 1888
Beruf
Buchhalterin
Flucht in den Tod
30. Juni 1939 in Berlin
  • Stolperstein für Ernestine Simson.
    Stolperstein für Ernestine Simson. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Ernestine Simson. Foto: OTFW.

Ernestine (Erna) Berman wurde am 7. Dezember 1888 in Schildberg in Posen (heute: Ostrzeszów / Polen) geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters heiratete ihre Mutter Henriette (geb. Horn) erneut und Wilhelm Manasse wurde Ernas Stiefvater. Ihre Halbgeschwister Georg und Alma kamen 1895 und 1896 ebenfalls in Schildberg zur Welt.<br />
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Wie ihre Mutter und ihre Geschwister zog Erna Berman nach Berlin. Sie arbeitete als Buchhalterin im Büro von Frank & Bernstein, einer Firma für Blusenkonfektion. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den zehn Jahre älteren Kaufmann Paul Simson, kennen, der damals als Vertreter für den Betrieb tätig war. Sie heirateten im Frühjahr 1915 und wohnten zunächst in die Levetzowstraße. Ab März 1916 wohnten sie dann in der Lessingstraße 26 (heute: Lessingstraße 8–10). In ihre 4-Zimmer-Wohnung zogen auch Paul Simsons Mutter Rosa sowie seine ältere Schwester Elise mit ein.<br />
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Im Ersten Weltkrieg wurde Erna Simsons Mann zum Militärdienst eingezogen. Zwei Tage nach der Kapitulation des Deutschen Kaiserreichs brachte sie am 13. November 1918 ihr einziges Kind Hans zur Welt. 1925 starb ihre Schwiegermutter Rosa Simson (geb. Rosenthal) im Alter von 86 Jahren.<br />
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Nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft musste Erna Simsons Sohn Hans als Jude die höhere Schule verlassen, die er besuchte. Die Firma ihres Mannes wurde 1938 „arisiert“ und er verlor seine Arbeit. Im Dezember 1938 wurde er festgenommen und war bis Ende Januar 1939 in Gestapohaft. Ende 1938 floh Erna Simsons Halbschwester Alma (verheiratete Brajzblat) von Berlin aus nach Shanghai, von wo sie später nach Israel ging. Auch Erna Simsons damals 20-jähriger Sohn Hans wollte fliehen und zusammen mit seiner Cousine Ursula deren Verlobtem nach Australien folgen – doch der Plan scheiterte.<br />
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Erna Simson konnte die zunehmende Entrechtung und Verfolgung nicht länger ertragen. Am 30. Juni 1939 nahm sie sich in ihrer Wohnung in der Lessingstraße das Leben.<br />
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Ihr Mann Paul starb am 24. Januar 1943 in der Lessingstraße 26, laut Sterberegister an Herzmuskelschwäche, doch es gibt Hinweise darauf, dass er sich das Leben genommen hat. Ihre Schwägerin Elise und ihre Mutter Henriette wurden im September 1942 nach Theresienstadt, ihr Bruder Georg und ihr Sohn Hans im Februar bzw. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert. Sie wurden alle ermordet.<br />
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Ernestine (Erna) Berman wurde am 7. Dezember 1888 in Schildberg in Posen (heute: Ostrzeszów / Polen) geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters heiratete ihre Mutter Henriette (geb. Horn) erneut und Wilhelm Manasse wurde Ernas Stiefvater. Ihre Halbgeschwister Georg und Alma kamen 1895 und 1896 ebenfalls in Schildberg zur Welt.

Wie ihre Mutter und ihre Geschwister zog Erna Berman nach Berlin. Sie arbeitete als Buchhalterin im Büro von Frank & Bernstein, einer Firma für Blusenkonfektion. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den zehn Jahre älteren Kaufmann Paul Simson, kennen, der damals als Vertreter für den Betrieb tätig war. Sie heirateten im Frühjahr 1915 und wohnten zunächst in die Levetzowstraße. Ab März 1916 wohnten sie dann in der Lessingstraße 26 (heute: Lessingstraße 8–10). In ihre 4-Zimmer-Wohnung zogen auch Paul Simsons Mutter Rosa sowie seine ältere Schwester Elise mit ein.

Im Ersten Weltkrieg wurde Erna Simsons Mann zum Militärdienst eingezogen. Zwei Tage nach der Kapitulation des Deutschen Kaiserreichs brachte sie am 13. November 1918 ihr einziges Kind Hans zur Welt. 1925 starb ihre Schwiegermutter Rosa Simson (geb. Rosenthal) im Alter von 86 Jahren.

Nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft musste Erna Simsons Sohn Hans als Jude die höhere Schule verlassen, die er besuchte. Die Firma ihres Mannes wurde 1938 „arisiert“ und er verlor seine Arbeit. Im Dezember 1938 wurde er festgenommen und war bis Ende Januar 1939 in Gestapohaft. Ende 1938 floh Erna Simsons Halbschwester Alma (verheiratete Brajzblat) von Berlin aus nach Shanghai, von wo sie später nach Israel ging. Auch Erna Simsons damals 20-jähriger Sohn Hans wollte fliehen und zusammen mit seiner Cousine Ursula deren Verlobtem nach Australien folgen – doch der Plan scheiterte.

Erna Simson konnte die zunehmende Entrechtung und Verfolgung nicht länger ertragen. Am 30. Juni 1939 nahm sie sich in ihrer Wohnung in der Lessingstraße das Leben.

Ihr Mann Paul starb am 24. Januar 1943 in der Lessingstraße 26, laut Sterberegister an Herzmuskelschwäche, doch es gibt Hinweise darauf, dass er sich das Leben genommen hat. Ihre Schwägerin Elise und ihre Mutter Henriette wurden im September 1942 nach Theresienstadt, ihr Bruder Georg und ihr Sohn Hans im Februar bzw. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert. Sie wurden alle ermordet.