Willi Bolien

Verlegeort
Maxstr. 12
Bezirk/Ortsteil
Wedding
Verlegedatum
2009
Geboren
08. März 1907
Verhaftet
1944 in Berlin
Flucht in den Tod
14. Oktober 1944 in der Gestapoleitstelle Berlin-Alexanderplatz
  • Portrait von Willi Bolien
    Portrait von Willi Bolien © Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

    Portrait von Willi Bolien © Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Willi Bolien gehörte zum Berliner Arbeiterwiderstand und war Mitstreiter in der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, einer der größten Widerstandsgruppierungen gegen das Naziregime von 1942 bis 1945. In einer Arbeiterfamilie wurde Edwin Bolien am 8. März 1907 geboren und wuchs gemeinsam mit seiner Schwester im Berliner Wedding auf. Er besuchte die Volksschule und erlernte den Beruf des Klempners, speziell des Kühlklempners. Früh schloss er sich dem Arbeitersport an. Als Schwimmer gewann er mehrere Preise, was ihn bis in die Sowjetunion zum Wettkampf führte. Im Schwimmbad Plötzensee war er ein bekannter<br />
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Rettungsschwimmer; darüber hinaus war er Mitglied im Arbeiterschachclub. 1935 bekam er nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit bei der Hans Windhoff Apparate- und Maschinenfabrik AG, einem Zulieferer für die Flugzeugindustrie, eine Anstellung in seinem Beruf. Im gleichen Jahr heiratete er Hildegard Plantikow. Nach dem Machtantritt der Nazis 1933 hielt Willi Bolien den Kontakt zu kommunistischen Freunden, die ihm antifaschistische Materialien übergaben. Nach 1941 festigten sich diese Verbindungen. 1943 begann er, in seinem Betrieb eine Widerstandszelle aufzubauen. Durch einen Kontaktmann erhielt er Flugschriften, die er weiterleitete, er führte<br />
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Geldsammlungen durch und knüpfte Verbindungen zu sowjetischen Zwangsarbeitern im Betrieb. Im Herbst 1943 wurden seine Frau und sein 1942 geborener Sohn Edwin nach Herzberg/Elster evakuiert. Bolien nutzte seine Aufenthalte bei Frau und Sohn dazu, Flugblätter nach Herzberg zu bringen und politische Gespräche mit potenziellen Mitstreitern zu führen. Als die Familie von Karl Rudolf – einem Freund aus dem Arbeiterschach – bei einem Bombenangriff ihr Zuhause verlor, zog er zu seinen Eltern und überließ der Familie seines Freundes die Wohnung. Am 13. Oktober 1944 wurde Willi Bolien festgenommen und am nächsten Tag in der Gestapoleitstelle Berlin Alexanderplatz einem „verschärften Verhör“ ausgesetzt. Diesem Versuch, durch Misshandlungen Aussagen zu erpressen, entzog er sich, indem er aus dem Fenster in den Tod sprang. Er starb am 14. Oktober 1944; vermutlich bewahrte er seine Mitstreiter so vor Verhaftung und Hinrichtung.

Willi Bolien gehörte zum Berliner Arbeiterwiderstand und war Mitstreiter in der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, einer der größten Widerstandsgruppierungen gegen das Naziregime von 1942 bis 1945. In einer Arbeiterfamilie wurde Edwin Bolien am 8. März 1907 geboren und wuchs gemeinsam mit seiner Schwester im Berliner Wedding auf. Er besuchte die Volksschule und erlernte den Beruf des Klempners, speziell des Kühlklempners. Früh schloss er sich dem Arbeitersport an. Als Schwimmer gewann er mehrere Preise, was ihn bis in die Sowjetunion zum Wettkampf führte. Im Schwimmbad Plötzensee war er ein bekannter

Rettungsschwimmer; darüber hinaus war er Mitglied im Arbeiterschachclub. 1935 bekam er nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit bei der Hans Windhoff Apparate- und Maschinenfabrik AG, einem Zulieferer für die Flugzeugindustrie, eine Anstellung in seinem Beruf. Im gleichen Jahr heiratete er Hildegard Plantikow. Nach dem Machtantritt der Nazis 1933 hielt Willi Bolien den Kontakt zu kommunistischen Freunden, die ihm antifaschistische Materialien übergaben. Nach 1941 festigten sich diese Verbindungen. 1943 begann er, in seinem Betrieb eine Widerstandszelle aufzubauen. Durch einen Kontaktmann erhielt er Flugschriften, die er weiterleitete, er führte

Geldsammlungen durch und knüpfte Verbindungen zu sowjetischen Zwangsarbeitern im Betrieb. Im Herbst 1943 wurden seine Frau und sein 1942 geborener Sohn Edwin nach Herzberg/Elster evakuiert. Bolien nutzte seine Aufenthalte bei Frau und Sohn dazu, Flugblätter nach Herzberg zu bringen und politische Gespräche mit potenziellen Mitstreitern zu führen. Als die Familie von Karl Rudolf – einem Freund aus dem Arbeiterschach – bei einem Bombenangriff ihr Zuhause verlor, zog er zu seinen Eltern und überließ der Familie seines Freundes die Wohnung. Am 13. Oktober 1944 wurde Willi Bolien festgenommen und am nächsten Tag in der Gestapoleitstelle Berlin Alexanderplatz einem „verschärften Verhör“ ausgesetzt. Diesem Versuch, durch Misshandlungen Aussagen zu erpressen, entzog er sich, indem er aus dem Fenster in den Tod sprang. Er starb am 14. Oktober 1944; vermutlich bewahrte er seine Mitstreiter so vor Verhaftung und Hinrichtung.