- Verlegeort
- Rudolstädter Str. 120
- Bezirk/Ortsteil
- Wilmersdorf
- Verlegedatum
-
12. Juni 2009
- Geboren
- 19. Mai 1892 in Köln
- Deportation
- am 17. März 1943 nach Theresienstadt
- Später deportiert
- am 09. Oktober 1944 nach Auschwitz
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Ermordet
- 12. Oktober 1944 in Auschwitz
Mathilde Cohn wurde als Mathilde Baehr am 19. Mai 1892 in Köln geboren. Für ihre Eltern Carl Baehr (*1854) und Sibylla Baehr geborene Kahn (*1862) war sie das einzige Kind.
Wann und wo sie ihren späteren Ehemann Erich Cohn (*29. August 1891) aus Kolmar in Oberschlesien kennenlernte, ist nicht bekannt. Als sie 1923 heirateten, war Mathilde 31 und Erich 32 Jahre alt. Ihr erster Sohn Hans wurde am 23. Juni 1925 geboren. Drei Jahre nach ihm kam ihr zweiter Sohn Werner am 17. März 1928 zur Welt. Hans wurde nur vier Jahre alt und starb am 2. Dezember 1929. Damals wohnte die Familie schon in der Rudolstädter Straße 120. Als Werner 1934 sechs Jahre alt war, bekam er seinen kleinen Bruder Harry Herbert (*11. August 1934). Im gleichen Jahr starben Mathildes Eltern.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war die 4-köpfige Familie weiterhin in der Rudolstädter Straße 120 gemeldet. Einen Monat später schickten sie ihren 11-jährigen Sohn Werner mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit. Sie sollten einander nie wieder sehen. Der 4-jährige Herbert blieb bei den Eltern.
Ab 1941 wurde Mathilde für 20 RM wöchentlich zur Zwangsarbeit in der Berliner Kartonagenfabrik Walter Keil in der Köpenicker Str. 39 in Berlin-Mitte verpflichtet.
Die Wohnung in der Rudolstädter Straße 120 wurde ihnen gekündigt. Am 17. März 1940 starb mit 76 Jahren ihre Schwiegermutter Fanny Cohn, woraufhin sie in deren Wohnung in der Nauheimer Straße 27 zogen. Ihre eigene bzw. die Wohnungseinrichtung und den Hausrat ihrer Schwiegermutter packten sie in 9 Kisten und lagerten diese in den Verschlag einer Speditionsfirma ein. Als Herbert am 1. April 1940 in eine private jüdische Schule eingeschult wurde, wohnten sie schon in der Nauheimer Straße 27.
Im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 wurde Mathilde Cohn an ihrem Arbeitsplatz von der Gestapo festgesetzt und in ein Sammellager gebracht. Dort musste sie noch am gleichen Tag die 16-seitige Vermögenserklärung ausfüllen. Vermutlich holte sie danach ihren 9-jährigen Sohn Herbert in das Sammellager. Er unterschrieb seine Vermögenserklärung am 28. Februar 1943. Die drei Cohns waren für den 33. Osttransport nach Auschwitz am 3. März 1943 vorgesehen, aber im letzten Augenblick noch von der Liste gestrichen worden.
Ihrem Ehemann Erich Cohn stand als ehemaligem Frontkämpfer mit Auszeichnung ein Heimplatz im Ghetto Theresienstadt zu. Am 8. März 1943 unterschrieben Erich und Mathilde gegen Zahlung von 6.480 RM einen solchen Heimeinkaufsvertrag. Ihr gesamtes Vermögen und Erlöse aus Versicherungen gingen damit an das Deutsche Reich über. Mit dem 4. großen Alterstransport wurden Erich, Mathilde und Herbert zusammen mit 1.200 Leidensgenossen am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert. Auf der Deportationsliste war hinter ihren Namen "Offizier E K II, Ehemann Offizier und Vater Offizier" vermerkt. Am 24. März, als die Familie schon längst im Ghetto war, wurde der Vertrag von dem Vorsitzenden der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland Moritz Israel Henschel und Dr. Israel Braun unterzeichnet. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Ghetto mussten Mathilde und Herbert nach einem halben Jahr mit ansehen, wie Mathildes Ehemann und Herberts Vater, Erich, am 14. November 1943 mit 52 Jahren starb.
Aus Angst vor Aufständen im Ghetto begann die Gestapo am 28. September 1944 mit der Deportation von rund 18.500 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt nach Auschwitz. In einem der letzten Transporte am 9. Oktober 1944 befanden sich auch Mathilde Cohn und ihr Sohn Herbert. Kurz nach der Ankunft in dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden sie in den Gaskammern ermordet. Mathilde Cohn geborene Baehr starb mit 52 Jahren. Ihr Sohn Herbert wurde nur 10 Jahre alt.
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