- Verlegeort
- Trautenaustr. 10
- Bezirk/Ortsteil
- Wilmersdorf
- Verlegedatum
-
29. April 2012
- Geboren
- 18. Dezember 1877 in Marienwerder (Westpreußen) / Kwidzyn
- Deportation
- am 19. Oktober 1942 nach Riga
-
Ermordet
- 22. Oktober 1942 in Riga
Betty Hermann wurde als Betty Levy am 18. Dezember 1877 in Marienwerder (Kwidzyn, Polen), Westpreußen geboren. Marienwerder lag etwa 120 Kilometer südöstlich von Danzig (Gdańsk, Polen). Ihr Vater Hermann Levy (*1830) kam aus Samotchin (Szamocin, Polen), ca. 15 Kilometer von Kolmar in Posen entfernt. Er hatte 1865 die 22-jährige aus Bromberg stammende Ernestine Busse (*1843) in Marienwerder geheiratet. Vermutlich kamen Bettys ältere Brüder Ludwig und Maximo vor dem dritten Bruder Heinrich, der am 10. Juli 1873 geboren wurde, zur Welt. Ihre kleine Schwester Anna wurde am 28. Mai 1880 geboren.
Keine zwei Jahre später, im Mai 1882, starb ihr Vater Hermann Levy in Penkendorf (Panków, Polen), ca. 44 Kilometer südwestlich von Breslau (Wrocław, Polen). Ihre Mutter wurde mit 39 Jahren Witwe. Betty war damals erst 5 Jahre alt. Vermutlich ging Ernestine Levy mit ihren Kindern zurück nach Bromberg zu ihren Eltern. Ihre Söhne und auch sie selbst nahmen anstatt des jüdischen Familienamens „Levy“ Ernestines Geburtsnamen Busse an.
Um 1900 ging ihr Bruder Heinrich Busse nach Berlin. 1909 heiratete er Antonie (Toni) Bernhard und eröffnete einen Großhandel für Tischlereibedarf und Möbelbeschläge aus Eigenproduktion. Das Paar bekam drei Töchter, Gerda, Erika und Eva-Renate.
Bettys jüngste Schwester Anna heiratete am 16. Januar 1909 in Danzig den Diplom-Ingenieur und Architekten Leo Nachtlicht (*1872) aus Berlin. Sie wurden Eltern von zwei Töchtern, Ursula (*1909) und Ilse (*1912).
Wo und wann Betty ihren späteren Ehemann Herrn Hermann, kennenlernte und heiratete konnte nicht recherchiert werden. Sie wohnten in Danzig, bis der Ehemann 1939 starb.
Wie ihre Geschwister Heinrich und Anna ging auch Betty danach nach Berlin.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939, war sie nicht gemeldet. Kurz vor ihrer Deportation wohnte sie bei ihrer Schwester Anna in der Trautenaustraße 10. Anna war seit dem 22. September 1942 Witwe. Der 60-jährige Leo Nachtlicht starb einen Monat vor ihrer Deportation in der jüdischen Privatklinik Wilmersdorf in der Trautenaustraße 5 an einer Darm-Blasen-Fistel.
Betty und Anna wurden am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport zusammen mit 997 weiteren Berlinerinnen und Berlinern, darunter 60 Kinder aus dem Auerbach´schen Waisenhaus im Alter zwischen 2 und 16 Jahren, nach Riga deportiert. Der Zug wurde am Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße abgefertigt. In Riga wurden 81 Männer mit handwerklichen Berufen ausgesucht und verschiedenen Arbeitskommandos zugeteilt. Alle anderen Insassen des Transports wurden sofort nach der Ankunft am 22. Oktober 1942 in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Betty Hermann geborene Levy wurde mit 64 Jahren ermordet.
Für Anna und Leo Nachtlicht wurden ebenfalls Stolpersteine in der Trautenaustraße 10 verlegt.
Für Heinrich und Toni Busse wurden Stolpersteine in der Fregestraße 20 verlegt.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.