- Location
- Konstanzer Str. 55
- District
- Wilmersdorf
- Stone was laid
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24 October 2012
- Born
- 28 October 1864 in Königsberg / Kaliningrad
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Escape into death
- 21 September 1942 in Berlin
Paul Max Salomon Rosenthal wurde am 28. Oktober 1864 in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) in eine jüdische Familie geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Louis Rosenthal (*1831) und dessen Ehefrau Hulda geborene Hermann (*1844), war er das dritte von insgesamt sechs Kindern. Flora (*1857) und Rachel (*1859) waren älter und Francis (*1865), Robert Arthur (*1866), Levi (*1867) und Emil (*1869) jünger als er. Seine Mutter starb 1887, als Paul schon Rechtswissenschaften studierte. Er promovierte zum Dr. jur. und stieg stetig auf der Karriereleiter zum Land- und Amtsgerichtsrat auf.
Mit 31 Jahren heiratete der damalige „Königliche Gerichtsassessor, doktor juris“ Paul Max Salomon Rosenthal am 10. Februar 1897 die 21-jährige Caroline Auguste Charlotte Model (*4. September 1875). Als Trauzeugen waren Charlottes Vater, der ehemalige Bankier Julius Gustav Model, und Pauls Vater Louis Rosenthal anwesend. Auf der Heiratsurkunde war vermerkt, dass Paul der evangelischen Religion angehörte. Seine Ehefrau Charlotte hingegen gehörte der „mosaischen“ Religion an.
Noch im gleichen Jahr, am 25. November 1897, wurden sie Eltern ihres Sohnes Kurt Bernhard Conrad Paul Rosenthal (*1897). Es folgten zwei Jahre später ihre Tochter Annemarie Hulda Julie (*22. September 1899), 1901 ihre Tochter Luise Charlotte Franziska (*3. Oktober 1901) und 1903 ihr jüngerer Sohn Walter (*18. Mai 1903). Damals wohnten sie in der Bayreuther Straße 30 und danach in der Nr. 41. Alle vier Kinder wurden evangelisch getauft. Ein großer Schicksalsschlag für die Familie war 1905 der Tod der 4-jährigen Luise Charlotte Franziska. Pauls Schwager, der Arzt Dr. Richard Model, meldete den Tod in Charlottenburg beim Standesamt. Die Familie wohnte damals in Woldenberg im Kreis Friedeberg in der Neumark (Dobiegniew, Polen) wo Paul als Amtsgerichtsrat tätig war.
Am 12. März 1917 bekam die Familie Rosenthal die traurige Nachricht, dass ihr ältester Sohn und Bruder, der Gymnasiast Kurt Bernhard Conrad Paul Rosenthal, im Ersten Weltkrieg am 8. Januar 1917 in Douilly, Somme, Picardie in Frankreich für das Vaterland gefallen sei. Damals wohnte die Familie des Landgerichtsrats in der Rankestraße 13 in Charlottenburg.
Ihre Tochter Annemarie heiratete am 25. Juni 1921 den aus Hamburg stammenden 41-jährigen Bankier Walther August Horschitz-Horst (*27. Mai 1880). Sie wurden Eltern einer Tochter, die sie Margaret Augusta (*21. April 1922) nannten. Paul und Charlotte wurden zum ersten Mal Großeltern. Nach fünf Jahren Ehe wurde Annemaries Ehe geschieden. Annemarie wurde 1928 als deutsche autorisierte Übersetzerin Ernest Hemingways bekannt. In diesem Jahr veröffentlichte der Rowohlt Verlag ihre Übertragung aus dem Amerikanischen von Ernest Hemingways Debütroman „The Sun Also Rises“ mit dem Titel „Fiesta“. Im Berliner Adressbuch 1930 wurde Annemarie Horschitz-Horst als Schriftstellerin geführt.
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Paul 68 und seine Ehefrau Charlotte 57 Jahre alt. Obwohl ihre Tochter Annemarie evangelisch getauft war, galt sie für die Nationalsozialisten als jüdisch, weil ihre Großeltern jüdisch waren. Als Jüdin durfte sie im Deutschen Reich nicht weiter als Übersetzerin arbeiten und emigrierte 1933 mit ihrer 11-jährigen Tochter nach London.
Auch der Sohn Walter hatte schon früh erkannt, dass er als Jude keine Zukunft im Deutschen Reich hatte. Er emigrierte 1933 nach New York in den USA, wo er seinen Nachnamen in Roberts ändern ließ. Am 30. August 1934 heiratete er Gladys Edel.
So blieben Paul und Charlotte Rosenthal allein in Berlin zurück. Bevor sie in die Konstanzer Straße 55 zogen, wohnten sie ab Ende der 1920er- Jahre in der Auguste-Viktoria-Straße 6 in Berlin-Halensee. Wann sie in die Konstanzer Straße 55 gezogen sind, konnte nicht recherchiert werden. 1939 führte sie das Berliner Adressbuch dort nur ein einziges Mal.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die Eheleute Rosenthal noch in der Konstanzer Straße 55 gemeldet.
Seit Oktober 1941 wurde es Juden verboten, aus Deutschland auszureisen. Seit dem 18. Oktober 1941 deportierte die Gestapo Juden in den Osten.
Charlotte Rosenthal starb mit 66 Jahren am 3. Februar 1942. Der Landgerichtsrat Dr. Paul Rosenthal wurde mit 77 Jahren Witwer. Sein letzter Wohnsitz war in der Karlstraße 20a (heute Reinhardstraße 5) in Berlin-Mitte.
Als er am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden sollte und ihm befohlen wurde, sich dafür im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 einzufinden, war ihm klar, dass er diesem Befehl nicht nachkommen würde. Nachdem er eine Überdosis von Schlafmitteln eingenommen hatte, wurde er am 21. September 1942 in das Jüdische Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding gebracht, wo er gegen 19 Uhr am selben Tag starb.
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