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Max Fabisch

Stolperstein für Max Fabisch. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Elßholzstr. 30-33

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
06.03.2009

GEBOREN
30.03.1870 in Strelno (Posen) / Strzelno
BERUF
Jurist
DEPORTATION
am 02.09.1942 nach Theresienstadt
TOT
18.02.1944 in Theresienstadt

Max Fabisch kam am 30. März 1870 in der damals preußischen Provinz Posen in Strelno (heute: Strzelno / Polen) als Sohn des Herrenausstatters Philipp Fabisch (1839–1917) und seiner Ehefrau Therese, geb. Pick (1838–1899), zur Welt. Seine Familie zog mit den zwei älteren Töchtern Margarete (verh. Cohn), Hulda (verh. Pach) und dem Sohn Max nach Berlin, wo bereits vier Brüder Fabisch ansässig waren. Diese hatten erfolgreich in der Rosenthaler Vorstadt verschiedene Konfektionsgeschäfte eröffnet. In der Rosenthaler Straße 1 bot Philipp Fabisch ab 1871 Herrenkonfektion an, konnte dieses Haus ebenso kaufen wie 1879 das Wohn- und Geschäftshaus gegenüber in der Rosenthaler Straße 72. Hier bezog die Familie eine 5-Zimmer-Wohnung im Vorderhaus, 2. Etage. Der Schwiegersohn Max Cohn eröffnete um 1890 dort ebenfalls ein Bekleidungsgeschäft. In der Wohnung lebte der unverheiratete Sohn Max Fabisch bis zur Deportation. Philipp Fabisch hinterließ mit insgesamt fünf Wohn- und Geschäftshäusern 1917 ein Erbe, das sein Sohn für sich und seine beiden Schwestern Magarete und Hulda als Generalbevollmächtigter bis 1938 verwaltete.

Nach dem Jura-Studium und dem Referendariat war Fabisch ab 1906 Landrichter und dann Landgerichtsrat in Dortmund. 1914 kehrte er nach Berlin zurück und erhielt die gleiche Position beim Landgericht III. 1921 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Republikanischen Richterbundes, der sich ausdrücklich in den Dienst der Weimarer Republik stellte und deshalb 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. 1923 wurde Max Fabisch Kammergerichtsrat und zum Januar 1933 noch in den 22. Zivilsenat berufen.

Im April 1933 erfolgte nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wegen seiner jüdischen Herkunft und ausdrücklich republikanischen Gesinnung die Zwangsbeurlaubung. Nach 30 Jahren im Staatsdienst stand eine Versetzung bevor, so beantragte Fabisch im Juni im Alter von 63 Jahren die Pensionierung. 1938 wurden die Häuser Fabisch arisiert, 1939 die Firma liquidiert. Die Nichten und Neffen von Max Fabisch waren bereits emigriert. Im Oktober 1939 wurde Max Fabisch gezwungen, dem Zahnarzt Dr. Paul Berlin, der nur noch als „Zahnbehandler“ für Jüdinnen und Juden tätig sein durfte, drei Zimmer für Wohnung und Praxis abzugeben. Dieser hatte wegen einer geplanten Auswanderung bereits Hausstand und Praxis aufgegeben. Nach der Deportation Fabischs bat er noch Ende Oktober 1942 um die Nutznießung des Mobiliars und der Wohnung, wurde jedoch im November ebenfalls deportiert.

Max Fabischs Deportation erfolgte, nachdem er am 30. Juli 1942 seine Vermögenserklärung abgeliefert hatte, am 2. September 1942 mit dem „55. Alterstransport“ nach Theresienstadt, in dem 100 Menschen verschleppt wurden. Nur sechs Deportierte überlebten den Holocaust. Max Fabisch verstarb am 18. Februar 1944 im Alter von 74 Jahren. Auch seine Schwestern und deren Ehemänner starben in Theresienstadt.

Am 6. März 2009 wurden, verbunden mit einer Ansprache von Monika Nöhre, der Präsidentin des Kammergerichtes Berlin, für Max Fabisch und drei weitere jüdische Richter des Kammergerichtes, die deportiert und ermordet wurden, Stolpersteine verlegt. Seit 2008 trägt ein Restaurant in der Rosenthaler Straße 1 den Namen Fabisch.


Biografische Zusammenstellung

Christl Wickert