Dr. Sigismund Samoje

Verlegeort
Elßholzstr. 30 -33
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
11. November 2010
Geboren
07. Dezember 1884
Beruf
Jurist
Deportation
am 26. Oktober 1942 nach Riga
Ermordet
29. Oktober 1942 in Riga
  • Stolperstein für Sigismund Samoje.
    Stolperstein für Sigismund Samoje. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Sigismund Samoje. Foto: OTFW.

Geboren am 7. Dezember 1884 im westpreußischen Graudenz (heute: Grudziądz / Polen), absolvierte Sigismund Samoje das Jura-Studium in Berlin. 1911 legte er das 2. Staatsexamen ab und promovierte an der Leipziger Universität. Zunächst trat Samoje als Bearbeiter von Kommentaren zu Gesetzestexten, u.a. zu Fragen des Erbbaurechts, hervor. Von Mai 1915 bis Ende 1916 war er Gerichtsassessor beim Oberlandesgericht Marienwerder in Westpreußen (heute: Kwidzyn / Polen) und dann beim Landgericht Danzig (heute: Gdańsk / Polen). 1917/1918 diente Samoje als Soldat an der Front. 1919 setzte er seine Richterlaufbahn in Danzig fort und wechselte 1921 an das Landgericht I Berlin, wo er 1925 Vorsitzender der Kammer für Handelssachen wurde. Seit 1927 Kammergerichtsrat, wurde er 1932 dienstlich als „ausgezeichneter Jurist“ beurteilt, „den schwierigsten Aufgaben gewachsen“, und Anfang 1933 als Präsident in den 28. Zivilsenat berufen.<br />
<br />
Nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erfolgte im April 1933 die Beurlaubung. Da er Frontsoldat im Ersten Weltkrieg gewesen war, wurde er im Oktober 1933 an das Berliner Landgericht versetzt. Nach den Nürnberger Gesetzen (Reichsbürgergesetz) erfolgte Ende 1935 das Berufsverbot. Wie Sigismund Samoje nunmehr seinen Unterhalt bestritt und wo er lebte, ist nicht bekannt.<br />
<br />
Im Oktober 1942 erfolgte die Verhaftung. Im Sammellager in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße 7–8 wurde das restliche Vermögen erfasst und zugunsten des Reiches eingezogen. Unter den 798 Menschen im „22. Osttransport“, der über den Güterbahnhof Moabit an der Putlitzbrücke am 26. Oktober 1942 nach Riga startete, befand sich Sigismund Samoje. Auch waren 55 Kinder und 204 Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde unter den Deportierten, weshalb dieser Deportationszug auch als „Gemeindeaktion“ bekannt ist. Kurz nach der Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden die Menschen in den Wäldern der Umgebung von Riga ermordet.<br />
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Am 11. November 2010 wurden mit einer Ansprache von Monika Nöhre, der Präsidentin des Kammergerichtes Berlin, für Dr. Sigismund Samoje und vier weitere jüdische Richter des Kammergerichtes, die deportiert und ermordet wurden, die Stolpersteine verlegt.

Geboren am 7. Dezember 1884 im westpreußischen Graudenz (heute: Grudziądz / Polen), absolvierte Sigismund Samoje das Jura-Studium in Berlin. 1911 legte er das 2. Staatsexamen ab und promovierte an der Leipziger Universität. Zunächst trat Samoje als Bearbeiter von Kommentaren zu Gesetzestexten, u.a. zu Fragen des Erbbaurechts, hervor. Von Mai 1915 bis Ende 1916 war er Gerichtsassessor beim Oberlandesgericht Marienwerder in Westpreußen (heute: Kwidzyn / Polen) und dann beim Landgericht Danzig (heute: Gdańsk / Polen). 1917/1918 diente Samoje als Soldat an der Front. 1919 setzte er seine Richterlaufbahn in Danzig fort und wechselte 1921 an das Landgericht I Berlin, wo er 1925 Vorsitzender der Kammer für Handelssachen wurde. Seit 1927 Kammergerichtsrat, wurde er 1932 dienstlich als „ausgezeichneter Jurist“ beurteilt, „den schwierigsten Aufgaben gewachsen“, und Anfang 1933 als Präsident in den 28. Zivilsenat berufen.

Nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erfolgte im April 1933 die Beurlaubung. Da er Frontsoldat im Ersten Weltkrieg gewesen war, wurde er im Oktober 1933 an das Berliner Landgericht versetzt. Nach den Nürnberger Gesetzen (Reichsbürgergesetz) erfolgte Ende 1935 das Berufsverbot. Wie Sigismund Samoje nunmehr seinen Unterhalt bestritt und wo er lebte, ist nicht bekannt.

Im Oktober 1942 erfolgte die Verhaftung. Im Sammellager in der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße 7–8 wurde das restliche Vermögen erfasst und zugunsten des Reiches eingezogen. Unter den 798 Menschen im „22. Osttransport“, der über den Güterbahnhof Moabit an der Putlitzbrücke am 26. Oktober 1942 nach Riga startete, befand sich Sigismund Samoje. Auch waren 55 Kinder und 204 Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde unter den Deportierten, weshalb dieser Deportationszug auch als „Gemeindeaktion“ bekannt ist. Kurz nach der Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden die Menschen in den Wäldern der Umgebung von Riga ermordet.

Am 11. November 2010 wurden mit einer Ansprache von Monika Nöhre, der Präsidentin des Kammergerichtes Berlin, für Dr. Sigismund Samoje und vier weitere jüdische Richter des Kammergerichtes, die deportiert und ermordet wurden, die Stolpersteine verlegt.