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Adolf Isaacsohn

Stolperstein Adolf Isaacsohn, Foto: OTFW 2019
VERLEGEORT
Mommsenstr. 47

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
22.02.2019

GEBOREN
12.03.1879 in Prillwitz (Pommern) / Przelewice
DEPORTATION
am 15.08.1942 nach Riga
ERMORDET
in Riga

Bertha Isaacsohn wurde als Bertha Karpf am 1. September 1897 in Erlangen geboren. Sie war das jüngste Kind von Josef Karpf und Regina geb. Weinberg, beide aus Gersfeld. Josef Karpf war Zigarrenfabrikant. 1887 zog er nach Erlangen. Bertha hatte 5 weitere Geschwister: Henriette, David und Rosa wurden 1882, 1883 und 1886 in Gersfeld geboren. Zwei weitere, Julius und Max, kamen 1888 und 1890 in Erlagen zur Welt, nachdem die Familie dorthin umgesiedelt war. Der Umzug war möglicherweise die Folge eines Feuers, dass im Mai 1886 – Rosa Karpf war zwei Monate alt – in Gersfeld ausbrach und u.a. die Tabakfabrik von Karpf und Frank zerstörte „...von besonders erheblichem Werte waren die in der Tabakfabrik aufgespeicherten Vorräte an Zigarren und Tabak, von denen auch nicht das Geringste gerettet werden konnte“ heißt es in der Zeitschrift „Der Israelit“. In Erlangen widmete sich Josef Karpf erneut dem Tabakgeschäft. 1901 siedelte die Familie dann nach Nürnberg um.

Im Januar 1915 – Bertha war 17 Jahre alt – fiel ihr Bruder Max bei Réméreville. Bertha verbrachte die nächsten Jahre in Nürnberg. Ihr Bruder David gab später an, dass sie als Krankenpflegerin arbeitete. Am 5. April 1927 heiratete sie Walter Stiassny. Ein Jahr später starb Josef Karpf, ihr Vater. 1935 wurde Berthas Ehe mit Walter Stiassny für aufgelöst erklärt. Im Jahr darauf meldete sich Bertha nach Chemnitz ab, weit von Nürnberg entfernt, vielleicht im Rahmen ihrer Arbeit als Krankenpflegerin. Berthas Mutter Regine Karpf blieb in Nürnberg, starb aber im Juni 1937. Am 13. Mai 1938, im Alter von 40 Jahren, heiratete Bertha in Chemnitz Adolf Isaacsohn.

Adolf Isaacsohn war am 12. März 1879 in Prillwitz /Pommern auf die Welt gekommen.
1899, im Alter von 20 Jahren, kam er nach Chemnitz, verließ es aber schon 1901. Als er 1908 wieder nach Chemnitz kam und sich dort niederließ, war er verheiratet mit Cheine (genannt Anna) aus Przemsyl. Adolf widmete sich dem Futtermittelgeschäft, ab 1920 als Getreide- und Futtermittelhandel im Handelsregister eingetragen. Er lebte in der Gravelottestraße 7 (heute Franz-Mehring-Straße). 1928 starb seine Frau Cheine, Adolf blieb in der Gravelottestraße wohnen. Dort wohnte er auch noch 1938, als er und Bertha heirateten. Wenige Monate nach der Heirat, am 10. November 1938, wurde er bei dem Pogrom festgenommen und in Buchenwald inhaftiert. Da er vermutlich, wie andere auch, nur unter der Auflage, Deutschland zu verlassen freikam, plante er seine Auswanderung und schickte schon sein „Auswanderungsgut“ als Fracht nach Uruguay voraus. Es kam dort allerdings nie an.

Anfang 1939 gingen Adolf und Bertha nach Berlin, vermutlich um die Papiere zu regeln, am 17. Mai 1939, dem Tag der Volkszählung, bei der Juden in einer extra Kartei erfasst wurden, wohnten sie zur Untermiete in der Mommsenstraße 47. Die Wohnung in Chemnitz behielt Adolf wohl zunächst, denn auch dort wurden sie im Zensus registriert. Die Auswanderung scheiterte jedoch, wahrscheinlich kam der Kriegsausbruch dazwischen. Bertha und Adolf blieben in Berlin.

In ihrer Vermögenserklärung 1942 gab Bertha an, sie sei geschieden. Seit Dezember 1941 wohnte sie, sicher nicht freiwillig, in der Mommsenstraße 3, zur Untermiete bei Moses Baehr. Adolf war inzwischen, möglicherweise nachdem die Ehe geschieden wurde, in das Jüdische Altersheim in der Gerlachstraße 18/21 eingewiesen worden. Am 26. September 1942 wurde Bertha nach Raasiku in Estland deportiert. Sie gehörte zu den zur Zwangsarbeit „Selektierten“, wurde am 23. August 1944 in das KZ Stutthof weiterverschleppt und in Heiligenbeil, einem Außenlager von Stutthof, am 9. Januar 1945 ermordet.

Adolf Isaacsohn sollte am 14. August 1942 nach Theresienstadt deportiert werden, kam aber in letzter Minute auf die Deportationsliste vom 15. August 1942 nach Riga, wo er nach Ankunft am 18. August ermordet wurde. Es wird vermutet, dass für den „Transport“ nach Riga, der nach Gestapo-Vorgaben 1000 Deportierte zählen sollte, nicht genügend Juden auf den Listen standen und daher auch Menschen, die ursprünglich nach Theresienstadt sollten, kurzerhand auf diese Liste kamen.

Berthas letzter Vermieter, Moses Baehr, Jahrgang 1868, wurde wenige Monate nach ihr, am 20. November 1942, nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Recherchen/Text: Micaela Haas