Selma Pinkus geb. Gabriel

Verlegeort
Bizetstr. 122
Historischer Name
Sedanstr. 52
Bezirk/Ortsteil
Weißensee
Verlegedatum
02. Juni 2021
Geboren
03. November 1878 in Berlin
Beruf
Näherin
Deportation
am 12. März 1943 von Berlin nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
Biografie

Selma Gabriel kam am 3. November 1878 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Adolf Gabriel und dessen Ehefrau Fanny, geborene Schäfer, zur Welt. Im März des Jahres 1910 heiratete sie in Weißensee, welches damals noch vor den Toren Berlins lag, den am 31. Januar 1879 in Prenzlau geborenen Alfred Pinkus.

Laut Eheurkunde war Alfred von Beruf Leichenträger. Vermutlich arbeitete er auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee und wohnte in der dortigen Sedanstr. 47 (heute Bizetstr.). Selma war Näherin und wohnte zum Zeitpunkt der Hochzeit in der Prenzlauer Allee 17.

Im November 1910 kam die gemeinsame Tochter Edith zur Welt.

1927 zog die Familie Pinkus in die Sedanstr. 52 (heute Bizetstr. 122). Ab der Ausgabe 1928 des Berliner Adressbuches wird Alfred unter dieser Anschrift als Friedhofsbeamter genannt.

Edith heiratete 1936 Siegfried Link. Das Paar wohnte danach ebenfalls im selben Haus wie Ediths Eltern.

1938 zogen die Haushalte Pinkus und Link – vermutlich nicht freiwillig – in das Verwaltungsgebäude auf dem Jüdischen Friedhof mit der damaligen Anschrift Weißensee, Lothringenstr. 22 (heute Herbert-Baum-Str.).

Unter dieser Anschrift werden die Familien Pinkus und Link in den Zusatzfragebögen der am 17. Mai 1939 erfolgten Volkszählung im Deutschen Reich erfasst. Auch das Ehepaar Joseph und Regina Rosenthal wurde unter dieser Adresse erfasst.

Im Juli 1941 wurden Alfred und Selma Großeltern. Edith brachte im Jüdischen Krankenhaus im Wedding die Enkeltochter Gittel zur Welt. 

Im Oktober desselben Jahres begannen die Nazis mit der systematischen Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Berlins. Am 12.03.1943 wurden alle Bewohner der Lothringenstr. 22 mit dem „36. Osttransport“ ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

Von den sieben Menschen im Alter von 20 Monaten bis 64-Jahren – Gittel, Edith und Siegfried Link, Alfred und Selma Pinkus sowie Joseph und Regina Rosenthal – wurde nur der 36-jährige Schwiegersohn Siegfried in Auschwitz als arbeitsfähig selektiert.

Alle anderen wurden – vermutlich noch am Tag der Ankunft – in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.