Erich Löwenthal

Verlegeort
Danziger Str. 112
Historischer Name
Danziger Str. 50
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
27. August 2021
Geboren
25. Januar 1891 in Berlin
Beruf
Kaufmann
Tot
22. April 1945 in Berlin
Biografie

Erich Löwenthal wurde als viertältester von fünf Söhnen des Kaufmanns Sally (auch Sali bzw. Salomon) und seiner Ehefrau Helene Löwenthal, geb. Kranepuhl, am 25.01.1891 in Berlin-Mitte in der Fischerstr. 9 geboren. Er war Soldat im 1. Weltkrieg. 

Der jüdische Kaufmann Erich heiratete am 19.01.1922 die Buchhalterin Hedwig, geborene Lemke, verwitwete Westphal. Hedwig war christlich getauft. Bis zur Heirat wohnte Erich bei der Mutter in der Rykestr. 12. Dann zog er zu Hedwig und deren Sohn aus erster Ehe, Hans Werner, in die Lippehner Str. 6. 1925 machte sich Erich mit einer Lederstanzerei selbständig. Im Jahre 1931 zogen Erich, Hedwig und Hans Werner in die Danziger Str. 50 (heute Danziger Str. 112).

Im Zuge der antisemitischen Gesetzgebungen zur „Arisierung“ der Wirtschaft Ende 1938 durfte Erich sein Geschäft nicht weiter betreiben. Hedwig und Hans Werner übernahmen die Betriebsführung. Erich durfte sie dabei „unterstützen“ – wie Hedwig in ihrem Antrag auf Anerkennung als Opfer des Faschismus im Dezember 1945 schrieb. 

Durch die Weigerung seiner „nicht-jüdischen“ Ehefrau, sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen, lebte Erich in einer sogenannten „Mischehe“. Dies bewahrte ihn vor der Deportation, jedoch nicht vor den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Nachdem er und seine Frau die vielen Repressionen und Drangsalierungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft irgendwie überstanden hatten, wurde Erich in der Schlacht um Berlin schwer verletzt. Am 22.04.1945 starb er wenige Tage vor Kriegsende als eines der vielen zivilen Opfer der letzten Kämpfe um Berlin.

Hedwigs Sohn Hans Werner wurde noch als Soldat zur Wehrmacht eingezogen. Er kehrte nie aus dem Krieg zurück.

Hedwig überlebte die Kämpfe um Berlin in der Danziger Str. 50. Nach dem Krieg lebte sie bis zu ihrem Tod im Nachbarhaus Danziger Str. 49 (heute Nr. 110).