Philipp Kessler

Verlegeort
Friedrichstr. 105
Historischer Name
Friedrichstr. 105b
Bezirk/Ortsteil
Mitte
Verlegedatum
2010
Geboren
07. Juli 1918
Deportation
am 09. Dezember 1942 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolpersteine für Max, Philipp und Rosalie Kessler, Stolperstein für Max Sommerfeld, Stolperstein für Johanna Schöneberg
    Stolpersteine für Max, Philipp und Rosalie Kessler, Stolperstein für Max Sommerfeld, Stolperstein für Johanna Schöneberg © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

    Stolpersteine für Max, Philipp und Rosalie Kessler, Stolperstein für Max Sommerfeld, Stolperstein für Johanna Schöneberg © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

Philipp Kessler wurde am 7. Juli 1918 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Uhrmachers und Goldschmieds Max Kessler und der Kauffrau Rosalie Kessler, geb. Sommerfeld. Seine Eltern hatten sich vermutlich in den 1910er-Jahren in Berlin kennengelernt. Rosalie war Inhaberin eines Galanteriewarengeschäfts in der Reinickendorfer Straße und sein Vater führte seit 1915 in derselben Straße ein Uhren- und Goldwarengeschäft. Im Juni 1917 hatten seine Eltern in Berlin geheiratet und sich eine gemeinsame Wohnung in der Reinickendorfer Straße 15 genommen. Vermutlich hatte seine Mutter ihr Geschäft nach der Hochzeit aufgegeben, denn es wird in späteren Adress- und Branchenbüchern nicht mehr geführt. Am 25. April 1921 wurden die Zwillingsschwestern Eleonore und Klara geboren. Über die Kindheit und Jugend von Philipp und seinen Schwestern im Berlin der Weimarer Republik haben sich keine weiteren Quellen erhalten.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Philipp Kessler und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Seine Eltern waren seit 1933 als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Mitte bis Ende der 1930er-Jahre gab Philipps Vater das Uhren- und Goldschmiedegeschäft auf, das er zuletzt in der Invalidenstraße 146 geführt hatte. Im Amtlichen Fernsprechbuch Berlins aus dem Jahr 1938 wird er letztmalig an der Geschäftsadresse genannt – nunmehr mit stark erweitertem Sortiment als Geschäft für „Koffer-, Scherz-, Lederwaren und Schmuckartikel“.<br />
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Philipp und seine Schwestern haben die Diskriminierungen unmittelbar im Bildungswesen zu spüren bekommen. Bereits 1933 war dem 14-Jährigem mit dem „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ die Chance auf einen höheren Bildungszweig erschwert worden. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und auch die meisten Ausbildungsberufe waren Philipp Kessler zu diesem Zeitpunkt aus rassistischen Gründen bereits versperrt. Es ist nicht bekannt, welchen Beruf er ergriff, bevor er Anfang der 1940er-Jahre wie seine Eltern in Zwangsarbeit gezwungen wurde. Philipp war im „Bautrupp 7“ der Deutschen Bahn eingesetzt und musste Schwerstarbeit im Gleisbau verrichten; sein Vater war zuletzt als Müllfahrer bei der „Müll-Beseitigungsanstalt der Reichshauptstadt Berlin Depot VII“ in Berlin-Wilmersdorf eingesetzt und seine Mutter verrichtete Zwangsarbeit für den Rundfunkgerätehersteller „Georg Seibt A.G.“ in der Akazienstraße 28 in Schöneberg. Philipps Schwestern Eleonore und Klara hatten beide Anfang der 1940er-Jahre geheiratet und waren ausgezogen: Eleonore Caro lebte zuletzt mit ihrem Ehemann in einer Wohnung in der Linienstraße 220 in Mitte und Klara Fabisch in der Elsa-Brändström-Straße 1 in Pankow. Philipp lebte mit seinen Eltern seit 1935 in einer Wohnung in der Friedrichstraße 105b. Im Januar 1942 mussten sie diese Wohnung verlassen und zogen in die Kurze Straße 1 in Mitte (heute überbaut) nahe dem Alexanderplatz, wo sie zusammen mit mehreren Untermietparteien lebten.<br />
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Ihrer Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdische Gemeinde Berlin informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Philipp Kessler und seine Eltern erhielten den Deportationsbescheid im Winter 1942. Gemeinsam wurden sie im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Von dort aus wurden sie am 9. Dezember 1942 mit dem „24. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Im selben Transport wurde auch Philipps Schwester Eleonore Caro aus Berlin nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Zum Zeitpunkt der Deportation war Philipp 24 Jahre alt, sein Vater 59 Jahre, seine Mutter 53 Jahre und seine Schwester 21 Jahre alt. Auch seine zweite Schwester Klara überlebte die NS-Verfolgung nicht. Sie war bereits am 29. November 1942 – wenige Tage vor ihren Eltern und Geschwistern – nach Auschwitz deportiert worden.

Philipp Kessler wurde am 7. Juli 1918 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Uhrmachers und Goldschmieds Max Kessler und der Kauffrau Rosalie Kessler, geb. Sommerfeld. Seine Eltern hatten sich vermutlich in den 1910er-Jahren in Berlin kennengelernt. Rosalie war Inhaberin eines Galanteriewarengeschäfts in der Reinickendorfer Straße und sein Vater führte seit 1915 in derselben Straße ein Uhren- und Goldwarengeschäft. Im Juni 1917 hatten seine Eltern in Berlin geheiratet und sich eine gemeinsame Wohnung in der Reinickendorfer Straße 15 genommen. Vermutlich hatte seine Mutter ihr Geschäft nach der Hochzeit aufgegeben, denn es wird in späteren Adress- und Branchenbüchern nicht mehr geführt. Am 25. April 1921 wurden die Zwillingsschwestern Eleonore und Klara geboren. Über die Kindheit und Jugend von Philipp und seinen Schwestern im Berlin der Weimarer Republik haben sich keine weiteren Quellen erhalten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Philipp Kessler und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Seine Eltern waren seit 1933 als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Mitte bis Ende der 1930er-Jahre gab Philipps Vater das Uhren- und Goldschmiedegeschäft auf, das er zuletzt in der Invalidenstraße 146 geführt hatte. Im Amtlichen Fernsprechbuch Berlins aus dem Jahr 1938 wird er letztmalig an der Geschäftsadresse genannt – nunmehr mit stark erweitertem Sortiment als Geschäft für „Koffer-, Scherz-, Lederwaren und Schmuckartikel“.

Philipp und seine Schwestern haben die Diskriminierungen unmittelbar im Bildungswesen zu spüren bekommen. Bereits 1933 war dem 14-Jährigem mit dem „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ die Chance auf einen höheren Bildungszweig erschwert worden. Ein Erlass von 1935 sah eine „möglichst vollständige Rassentrennung“ in Schulen vor und auch die meisten Ausbildungsberufe waren Philipp Kessler zu diesem Zeitpunkt aus rassistischen Gründen bereits versperrt. Es ist nicht bekannt, welchen Beruf er ergriff, bevor er Anfang der 1940er-Jahre wie seine Eltern in Zwangsarbeit gezwungen wurde. Philipp war im „Bautrupp 7“ der Deutschen Bahn eingesetzt und musste Schwerstarbeit im Gleisbau verrichten; sein Vater war zuletzt als Müllfahrer bei der „Müll-Beseitigungsanstalt der Reichshauptstadt Berlin Depot VII“ in Berlin-Wilmersdorf eingesetzt und seine Mutter verrichtete Zwangsarbeit für den Rundfunkgerätehersteller „Georg Seibt A.G.“ in der Akazienstraße 28 in Schöneberg. Philipps Schwestern Eleonore und Klara hatten beide Anfang der 1940er-Jahre geheiratet und waren ausgezogen: Eleonore Caro lebte zuletzt mit ihrem Ehemann in einer Wohnung in der Linienstraße 220 in Mitte und Klara Fabisch in der Elsa-Brändström-Straße 1 in Pankow. Philipp lebte mit seinen Eltern seit 1935 in einer Wohnung in der Friedrichstraße 105b. Im Januar 1942 mussten sie diese Wohnung verlassen und zogen in die Kurze Straße 1 in Mitte (heute überbaut) nahe dem Alexanderplatz, wo sie zusammen mit mehreren Untermietparteien lebten.

Ihrer Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdische Gemeinde Berlin informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Philipp Kessler und seine Eltern erhielten den Deportationsbescheid im Winter 1942. Gemeinsam wurden sie im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Von dort aus wurden sie am 9. Dezember 1942 mit dem „24. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Im selben Transport wurde auch Philipps Schwester Eleonore Caro aus Berlin nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde. Zum Zeitpunkt der Deportation war Philipp 24 Jahre alt, sein Vater 59 Jahre, seine Mutter 53 Jahre und seine Schwester 21 Jahre alt. Auch seine zweite Schwester Klara überlebte die NS-Verfolgung nicht. Sie war bereits am 29. November 1942 – wenige Tage vor ihren Eltern und Geschwistern – nach Auschwitz deportiert worden.