Dr. Leo Gross

Verlegeort
Martin-Luther-Str. 65
Historischer Name
Martin-Luther-Str. 81
Bezirk/Ortsteil
Schöneberg
Verlegedatum
14. September 2009
Geboren
22. März 1887
Beruf
Allgemeinmediziner
Inhaftiert (t.b.d.)
1938 1939 in Sachsenhausen
Deportation
am 17. November 1941 nach Kowno / Kaunas
Ermordet
25. November 1941 in Kowno / Kaunas
  • Stolperstein für Dr. Leo Gross. Copyright: MTS
    Stolperstein für Dr. Leo Gross. Copyright: MTS

    Stolperstein für Dr. Leo Gross. Copyright: MTS

Leo Gross wurde am 22. März 1887 im westpommerschen Rügenwalde (heute: Darłowo / Polen) geboren. Er war praktischer Arzt und heiratete Helene Walter, die ebenfalls aus Pommern stammte. 1914 wurde die gemeinsame Tochter Ursula geboren. <br />
Während des Ersten Weltkrieges kämpfte Leo Gross erst in Verdun und übernahm dann das Kommando über ein Lazarett in Kolberg, einem beliebten Kur- und Badeort an der Ostsee. Nach Kriegsende ließ er sich mit einer eigenen Praxis in Kolberg nieder. 1939 lebte er dort mit seiner Familie in der Viktoriastraße 9. <br />
Leo Gross und seine Familie wurden bereits 1933 von der SA bedroht, die ihre Wohnung durchsuchte. Mit immer weniger Patienten gingen die Einnahmen aus seiner Praxis in den folgenden Jahren stark zurück. Nach dem Entzug der Approbation für alle jüdischen Ärztinnen und Ärzte im September 1938 musste er seine ärztliche Tätigkeit endgültig aufgeben. <br />
Das Ehepaar Gross plante, zu emigrieren. Bereits 1935 scheint Leo Gross nach Palästina gereist und nach kurzer Zeit wieder nach Kolberg zurückgekehrt zu sein. Eine auf seinen Namen ausgestellte Zulassung als Arzt in Palästina verfiel, da sie niemals abgeholt wurde. Bei der Überprüfung des Vorgangs im Jahre 1940 erklärten die palästinensischen Behörden Gross für tot. Das letzte, was sie von ihm gehört hatten, war seine Einlieferung in ein Konzentrationslager. Tatsächlich wurde Gross nach den Pogromen im November 1938 verhaftet und für einen Monat im KZ Sachsenhausen interniert.<br />
Der Grund, weshalb Leo Gross und seine Familie die Möglichkeit zur Emigration nach Palästina verwarfen, lag in dem Angebot für Leo Gross, eine Stelle als Regierungsarzt auf den Philippinen zu übernehmen. Für die Tochter Ursula, die schwer an Tuberkulose erkrankt war, erachteten sie das Klima auf den Philippinen als günstiger. Die Emigration dorthin scheiterte.<br />
1941 übersiedelten Leo und Helene Gross von Kolberg nach Berlin-Schöneberg, in die Martin-Luther-Straße 81 (heute 65), möglicherweise in der Hoffnung, in der Großstadt anonymer und in Kontakt mit der jüdischen Gemeinde etwas geschützter zu sein. Am Jüdischen Krankenhaus fand Leo Gross Arbeit als Pfleger.<br />
Gemeinsam mit seiner Ehefrau wurde er am 17. November 1941 mit dem „6. Ost-Transport“ von Berlin nach Kaunas (Kowno) deportiert. Vermutlich war Leo Gross unter den 1.006 Menschen, die dort am 25. November 1941 in Fort IX ermordet wurden.<br />

Leo Gross wurde am 22. März 1887 im westpommerschen Rügenwalde (heute: Darłowo / Polen) geboren. Er war praktischer Arzt und heiratete Helene Walter, die ebenfalls aus Pommern stammte. 1914 wurde die gemeinsame Tochter Ursula geboren.
Während des Ersten Weltkrieges kämpfte Leo Gross erst in Verdun und übernahm dann das Kommando über ein Lazarett in Kolberg, einem beliebten Kur- und Badeort an der Ostsee. Nach Kriegsende ließ er sich mit einer eigenen Praxis in Kolberg nieder. 1939 lebte er dort mit seiner Familie in der Viktoriastraße 9.
Leo Gross und seine Familie wurden bereits 1933 von der SA bedroht, die ihre Wohnung durchsuchte. Mit immer weniger Patienten gingen die Einnahmen aus seiner Praxis in den folgenden Jahren stark zurück. Nach dem Entzug der Approbation für alle jüdischen Ärztinnen und Ärzte im September 1938 musste er seine ärztliche Tätigkeit endgültig aufgeben.
Das Ehepaar Gross plante, zu emigrieren. Bereits 1935 scheint Leo Gross nach Palästina gereist und nach kurzer Zeit wieder nach Kolberg zurückgekehrt zu sein. Eine auf seinen Namen ausgestellte Zulassung als Arzt in Palästina verfiel, da sie niemals abgeholt wurde. Bei der Überprüfung des Vorgangs im Jahre 1940 erklärten die palästinensischen Behörden Gross für tot. Das letzte, was sie von ihm gehört hatten, war seine Einlieferung in ein Konzentrationslager. Tatsächlich wurde Gross nach den Pogromen im November 1938 verhaftet und für einen Monat im KZ Sachsenhausen interniert.
Der Grund, weshalb Leo Gross und seine Familie die Möglichkeit zur Emigration nach Palästina verwarfen, lag in dem Angebot für Leo Gross, eine Stelle als Regierungsarzt auf den Philippinen zu übernehmen. Für die Tochter Ursula, die schwer an Tuberkulose erkrankt war, erachteten sie das Klima auf den Philippinen als günstiger. Die Emigration dorthin scheiterte.
1941 übersiedelten Leo und Helene Gross von Kolberg nach Berlin-Schöneberg, in die Martin-Luther-Straße 81 (heute 65), möglicherweise in der Hoffnung, in der Großstadt anonymer und in Kontakt mit der jüdischen Gemeinde etwas geschützter zu sein. Am Jüdischen Krankenhaus fand Leo Gross Arbeit als Pfleger.
Gemeinsam mit seiner Ehefrau wurde er am 17. November 1941 mit dem „6. Ost-Transport“ von Berlin nach Kaunas (Kowno) deportiert. Vermutlich war Leo Gross unter den 1.006 Menschen, die dort am 25. November 1941 in Fort IX ermordet wurden.