Ida Lustig geb. Eilberg

Verlegeort
Reichenberger Str. 181
Bezirk/Ortsteil
Kreuzberg
Verlegedatum
02. Dezember 2005
Geboren
01. Juni 1913 in Berlin
Deportation
am 26. Februar 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz

Wenig ist bekannt über das Elternhaus und die Jugend von Ida Eilberg, die am 1. Juni 1913 in Berlin geboren wurde und die als junge Frau mit 25 Jahren im Januar 1939 den gebürtigen Köpenicker Herrenmaßschneider Erich Lustig heiratete. Der Name ihrer Mutter ist unbekannt, genauso wie deren Schicksal. Ihr Vater hieß Israel Isak Eilberg, war 1893 geboren und stammte aus dem galizischen Drohobycz (heute Drohobytsch in der Ukraine). Als junger Mann muss er nach Berlin gekommen sein – falls er nicht mit seiner Familie bereits als Kind in die Hauptstadt gezogen ist –, Idas Mutter kennengelernt und sie nicht lange vor der Geburt der Tochter Anfang der 1910er-Jahre geheiratet haben. Den Lebensunterhalt der Familie sicherte Israel Isak Eilberg als Vertreter, wobei aus den Dokumenten nicht hervorgeht, ob er Handels- oder Versicherungsvertreter war.<br />
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Die Kindheitsjahre von Ida fielen in die Zeit des Ersten Weltkriegs und werden für sie und ihre Eltern – wie für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Berlin – durch Knappheit, die Sorge um Versorgung und Hungerperioden gekennzeichnet gewesen sein, insbesondere während des berüchtigten „Steckrübenwinters“ 1916/1917. Der Krieg war vorbei, als Ida ins schulpflichtige Alter kam und sie dürfte eine der Berliner Volksschulen besucht haben, die in der Weimarer Republik reformiert wurden. Idas Eltern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jüdischen Gemeinde Berlins. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die Auskunft über Idas Jugend im Berlin der Weimarer Republik geben könnten. Es ist auch nicht bekannt, welchen beruflichen Weg sie nach ihrem Schulabschluss einschlug.<br />
<br />
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Ida Eilberg und ihre Verwandten. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre hatte die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen massiv zugenommen. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mit Hilfe staatlicher Autorität. Erlasse und Sondergesetze drängten die Eilbergs zunehmend in die Position von Rechtlosen. Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt ließen sich Idas Eltern scheiden.<br />
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Im Januar 1939 fand in Berlin-Kreuzberg die Trauung zwischen Erich Lustig und Ida Eilberg statt. Aus der Familie ihres Mannes lebten noch weitere Verwandte in der Hauptstadt, seine Eltern Moritz und Malvine Lustig, geb. Krieger, die ein Geschäft und einen Stand für Obst, Süßwaren, Zigaretten und andere Verbrauchsgüter in der Spandauer Straße 27 in Mitte unterhielten; seine Schwester Helene, die allerdings im Sommer 1939 aufgrund eines Aufenthaltsverbotes das Land verlassen musste und nach England ging, sowie Erichs älterer Bruder Walter Lustig. Erich Lustig war 1933 entlassen worden und hatte in seinem Beruf als Schneider für Herrenmaßanzüge aufgrund seiner jüdischen Herkunft keine Anstellung mehr finden können. Daraufhin half er im Ladengeschäft seines Vaters mit aus und wurde seit 1937 auch für Zwangsarbeit im Bereich des Straßenbaus herangezogen.<br />
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Nach der Hochzeit nahm sich das Ehepaar im März 1939 eine 1-Zimmer-Wohnung in der Reichenberger Straße 181 in Kreuzberg. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben für das Ehepaar und seine Angehörigen in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Erich Lustig war zuletzt in den 1940er-Jahren Zwangsabeiter bei der „Deutschen Hydraulik- und Präzisionswerke – Alfred Tewes AG“ in Wittenau. Idas Vater, der zuletzt in der Lutherstraße 19 in Schöneberg gewohnt hatte, war bereits im September 1939 in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt worden.<br />
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Trotz ihrer Not nahm das Paar im Jahr 1941 oder 1942 zwei Pflegekinder von der Jüdischen Gemeinde auf: Manfred Cohn war 1933 in Berlin als Sohn der Jenny Cohn und des Arbeiters Willi Pröll zur Welt gekommen. Er besuchte die Knabenvolksschule der Jüdischen Gemeinde in der Kaiserstraße 29/30, bis diese im Juni 1942 schließen musste. Bevor er zum Ehepaar Lustig kam, war Manfred bei Hermann und Johanna Hirsch, geborene Cassriel, in Pflege, die in Friedrichshain in der Höchste Straße 4 lebten, bis sie im September 1942 nach Raasiku bei Reval deportiert und ermordet wurden. Das Schicksal von Manfreds leiblicher Mutter ist nicht bekannt. Der zweite Pflegesohn war Peter Schönwald, der 1936 in Wilmersdorf geboren worden war. Er war eine Zeit lang im Säuglings- und Kleinkinderheim der Jüdischen Gemeinde in der Wilhelm-Wolff-Straße 30–38 in Niederschönhausen untergebracht gewesen, bevor er für kurze Zeit zu dem Ehepaar Lustig kam.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Ida und Erich Lustig sowie ihre beiden Pflegesöhne erhielten den Deportationsbescheid im Frühjahr 1943. Sie mussten ihre Wohnung in der Reichenberger Straße 181 räumen und wurden im Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Die vier wurden gemeinsam am 26. Februar 1943 mit dem „30. Osttransport“ aus Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Keiner von ihnen gehörte zu den wenigen Überlebenden von Auschwitz. Zum Zeitpunkt der Deportation war Ida Lustig 29 Jahre alt, ihr Ehemann 36, Manfred Cohn neun und Peter Schönwald sechs Jahre alt.<br />
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Nur wenige von Idas Verwandten überlebten die NS-Verfolgung: Ihr Vater war am 20. April 1942 in Sachsenhausen ermordet worden. Kaum verlässlich ist die auf seinem Totenschein angegebene Todesursache „Herzschwäche“, da die NS-Ärzte die tatsächlichen Todesursachen direkter und indirekter Gewalteinwirkung mit kaschierenden Sammelbegriffen verschleierten. Idas Schwiegereltern Moritz und Malvine Lustig waren im November 1941 aus Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet worden. Ihr Schwager Walter wurde im März 1943 nach Auschwitz deportiert und in das Lager selektiert. Kurz vor Kriegsende kam er in das Konzentrationslager Mauthausen, wo er die Befreiung durch US-Streitkräfte erlebte, aber wenige Tage später an den Folgen jahrelanger Misshandlungen, Mangelversorgung und vollkommener Entkräftung verstarb. Idas Schwägerin Helene, später verheiratete Gowa, überlebte im Exil in England und emigrierte nach Kriegsende in die USA.

Wenig ist bekannt über das Elternhaus und die Jugend von Ida Eilberg, die am 1. Juni 1913 in Berlin geboren wurde und die als junge Frau mit 25 Jahren im Januar 1939 den gebürtigen Köpenicker Herrenmaßschneider Erich Lustig heiratete. Der Name ihrer Mutter ist unbekannt, genauso wie deren Schicksal. Ihr Vater hieß Israel Isak Eilberg, war 1893 geboren und stammte aus dem galizischen Drohobycz (heute Drohobytsch in der Ukraine). Als junger Mann muss er nach Berlin gekommen sein – falls er nicht mit seiner Familie bereits als Kind in die Hauptstadt gezogen ist –, Idas Mutter kennengelernt und sie nicht lange vor der Geburt der Tochter Anfang der 1910er-Jahre geheiratet haben. Den Lebensunterhalt der Familie sicherte Israel Isak Eilberg als Vertreter, wobei aus den Dokumenten nicht hervorgeht, ob er Handels- oder Versicherungsvertreter war.

Die Kindheitsjahre von Ida fielen in die Zeit des Ersten Weltkriegs und werden für sie und ihre Eltern – wie für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Berlin – durch Knappheit, die Sorge um Versorgung und Hungerperioden gekennzeichnet gewesen sein, insbesondere während des berüchtigten „Steckrübenwinters“ 1916/1917. Der Krieg war vorbei, als Ida ins schulpflichtige Alter kam und sie dürfte eine der Berliner Volksschulen besucht haben, die in der Weimarer Republik reformiert wurden. Idas Eltern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jüdischen Gemeinde Berlins. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die Auskunft über Idas Jugend im Berlin der Weimarer Republik geben könnten. Es ist auch nicht bekannt, welchen beruflichen Weg sie nach ihrem Schulabschluss einschlug.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Ida Eilberg und ihre Verwandten. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik war Berlin zum Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen geworden und Anfang der 1930er-Jahre hatte die sichtbare Brutalität in Form von Straßenkämpfen, Saalschlachten und SA-Aufmärschen in den Straßen massiv zugenommen. Ab 1933 institutionalisierte sich der Rassismus mit Hilfe staatlicher Autorität. Erlasse und Sondergesetze drängten die Eilbergs zunehmend in die Position von Rechtlosen. Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt ließen sich Idas Eltern scheiden.

Im Januar 1939 fand in Berlin-Kreuzberg die Trauung zwischen Erich Lustig und Ida Eilberg statt. Aus der Familie ihres Mannes lebten noch weitere Verwandte in der Hauptstadt, seine Eltern Moritz und Malvine Lustig, geb. Krieger, die ein Geschäft und einen Stand für Obst, Süßwaren, Zigaretten und andere Verbrauchsgüter in der Spandauer Straße 27 in Mitte unterhielten; seine Schwester Helene, die allerdings im Sommer 1939 aufgrund eines Aufenthaltsverbotes das Land verlassen musste und nach England ging, sowie Erichs älterer Bruder Walter Lustig. Erich Lustig war 1933 entlassen worden und hatte in seinem Beruf als Schneider für Herrenmaßanzüge aufgrund seiner jüdischen Herkunft keine Anstellung mehr finden können. Daraufhin half er im Ladengeschäft seines Vaters mit aus und wurde seit 1937 auch für Zwangsarbeit im Bereich des Straßenbaus herangezogen.

Nach der Hochzeit nahm sich das Ehepaar im März 1939 eine 1-Zimmer-Wohnung in der Reichenberger Straße 181 in Kreuzberg. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben für das Ehepaar und seine Angehörigen in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Erich Lustig war zuletzt in den 1940er-Jahren Zwangsabeiter bei der „Deutschen Hydraulik- und Präzisionswerke – Alfred Tewes AG“ in Wittenau. Idas Vater, der zuletzt in der Lutherstraße 19 in Schöneberg gewohnt hatte, war bereits im September 1939 in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt worden.

Trotz ihrer Not nahm das Paar im Jahr 1941 oder 1942 zwei Pflegekinder von der Jüdischen Gemeinde auf: Manfred Cohn war 1933 in Berlin als Sohn der Jenny Cohn und des Arbeiters Willi Pröll zur Welt gekommen. Er besuchte die Knabenvolksschule der Jüdischen Gemeinde in der Kaiserstraße 29/30, bis diese im Juni 1942 schließen musste. Bevor er zum Ehepaar Lustig kam, war Manfred bei Hermann und Johanna Hirsch, geborene Cassriel, in Pflege, die in Friedrichshain in der Höchste Straße 4 lebten, bis sie im September 1942 nach Raasiku bei Reval deportiert und ermordet wurden. Das Schicksal von Manfreds leiblicher Mutter ist nicht bekannt. Der zweite Pflegesohn war Peter Schönwald, der 1936 in Wilmersdorf geboren worden war. Er war eine Zeit lang im Säuglings- und Kleinkinderheim der Jüdischen Gemeinde in der Wilhelm-Wolff-Straße 30–38 in Niederschönhausen untergebracht gewesen, bevor er für kurze Zeit zu dem Ehepaar Lustig kam.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Ida und Erich Lustig sowie ihre beiden Pflegesöhne erhielten den Deportationsbescheid im Frühjahr 1943. Sie mussten ihre Wohnung in der Reichenberger Straße 181 räumen und wurden im Sammellager an der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Die vier wurden gemeinsam am 26. Februar 1943 mit dem „30. Osttransport“ aus Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Keiner von ihnen gehörte zu den wenigen Überlebenden von Auschwitz. Zum Zeitpunkt der Deportation war Ida Lustig 29 Jahre alt, ihr Ehemann 36, Manfred Cohn neun und Peter Schönwald sechs Jahre alt.

Nur wenige von Idas Verwandten überlebten die NS-Verfolgung: Ihr Vater war am 20. April 1942 in Sachsenhausen ermordet worden. Kaum verlässlich ist die auf seinem Totenschein angegebene Todesursache „Herzschwäche“, da die NS-Ärzte die tatsächlichen Todesursachen direkter und indirekter Gewalteinwirkung mit kaschierenden Sammelbegriffen verschleierten. Idas Schwiegereltern Moritz und Malvine Lustig waren im November 1941 aus Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet worden. Ihr Schwager Walter wurde im März 1943 nach Auschwitz deportiert und in das Lager selektiert. Kurz vor Kriegsende kam er in das Konzentrationslager Mauthausen, wo er die Befreiung durch US-Streitkräfte erlebte, aber wenige Tage später an den Folgen jahrelanger Misshandlungen, Mangelversorgung und vollkommener Entkräftung verstarb. Idas Schwägerin Helene, später verheiratete Gowa, überlebte im Exil in England und emigrierte nach Kriegsende in die USA.