Emil Lessheim wurde am 7. August 1872 als Sohn des Kürschnermeisters Theodor Lessheim und dessen Ehefrau Pauline, geb. Goldemann, in Neustettin in Pommern (heute Szczecinek/Polen) geboren. Mitte der 1890er Jahre muss der Schneider Emil, wie viele seiner Generation, in die boomende Großstadt Berlin gezogen sein.
Im Juni 1896 heiratete er hier die zwei Jahre jüngere, in Freienwalde in Pommern (heute Chociwel/Polen) geborene Rosa Lessheim. Emil wohnte zum Zeitpunkt der Eheschließung in der Metzer Straße 15 im Prenzlauer Berg. Seine Eltern lebten noch immer in Neustettin. Rosa lebte laut Eheurkunde in der Mendelsohnstraße in Mitte. Einer der beiden Trauzeugen war der Schwager, Alexander Michaelis aus der Treskowstraße 26, der mit Emils Schwester Betty verheiratet war.
Emil und Rosa bekamen in den Folgejahren zwei Kinder. Die Töchter Erna (*1897) und Elly (*1899) kamen in der Treskowstraße (heute Knaackstraße) zur Welt.
Ab 1909 wohnte die Familie Lessheim in der Rykestraße 44, Etage I. Der Haushaltsvorstand Emil wird im Berliner Adressbuch von 1910 als Schneider geführt.
Die Tochter Elly heiratete 1921 den Mützenmacher Kurt Michaelis und zog mit ihm in die Christburger Straße 48. Erna heiratete in zweiter Ehe Paul Bartlewski. Sie zogen nach Charlottenburg.
Unter der Anschrift Rykestraße 44 wurden Emil und Rosa in der Volkszählung vom Mai 1939, in der auch auf einer separaten Ergänzungskarte die „rassische Abstammung“ abgefragt wurde, erfasst. Diese Ergänzungskarten dienten dem deutschen Staat in den Folgejahren zur systematischen Vorbereitung und Durchführung des Massenmordes an seinen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern.
Emil und Rosa sowie ihre Töchter Elly und Erna und deren Familien waren während der NS-Zeit allen staatlich verordneten Repressionen gegen politisch und „rassisch“ Verfolgte ausgesetzt.
Am 16. Dezember 1942 wurden der 70-jährige Emil und seine 68-jährige Ehefrau Rosa Lessheim mit dem „77. Alterstransport“ ins KZ Theresienstadt deportiert. Von dort wurden beide am 16. Mai 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und ermordet.
Tochter Elly und ihr Mann Kurt Michaelis wurden im Februar 1943 ebenfalls nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Nur die älteste Tochter Erna überlebte den Holocaust, weil sie in einer sogenannten „Mischehe“ mit dem nichtjüdischen Paul Bartlewski lebte.
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