Alfred Knop

Verlegeort
Trautenaustr. 9
Bezirk/Ortsteil
Wilmersdorf
Verlegedatum
29. April 2012
Geboren
19. Februar 1881 in Berlin
Deportation
am 19. Januar 1942 nach Riga
Ermordet
in Riga
Biografie

Alfred Knop wurde als Salomon Alfred Knop am 19. Februar 1881 in der Neuen Schönhauser Straße 10 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Schneidermeister Icek (Jeek) Knop und dessen Ehefrau Anna Knop geborene Ries, war Alfred das älteste von insgesamt vier Kindern. Nach ihm wurden 1882 Willi, 1886 Lea und 1887 Hedwig geboren.

Alfred wurde Kaufmann von Beruf. Seine Geschwister erlernten wie die Eltern das Schneiderhandwerk. Seine Schwestern Lea und Hedwig heirateten zwei Brüder, die evangelisch getauft und Mechaniker von Beruf waren. Lea heiratete am 19. Dezember 1908 Friedrich Georg August Scheller. Neun Jahre später, am 10. Oktober 1917, heirateten Hedwig und Carl Friedrich Wilhelm Scheller. Diese Ehe war nur kurz, da Hedwig schon ein Jahr nach der Hochzeit mit 30 Jahren am 16. Oktober 1918 starb. 

Wann und wo Alfred seine spätere aus Brackel im Kreis Dortmund stammende Ehefrau, die Sekretärin Margareta (auch Margaretha mit h) Schulze - Vellinghausen (*5. Juli 1884) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten mitten im Ersten Weltkrieg am 18. Dezember 1915 auf dem Standesamt in Wilmersdorf. Auf der Heiratsurkunde gaben beide als Religion „evangelisch" an. Trauzeugen waren Margaretas Vater, der Amtmann außer Dienst Karl Schulze - Vellinghausen aus Zehlendorf, und Alfreds Bruder, der 32-jährige Schneidermeister Willi Knop.

Sein Bruder Willi heiratete mit 48 Jahren am 11. Juli 1931 seine zehn Jahre jüngere Wirtschafterin Anna Kronenberg (*23. März 1893). Die „Prokuristenehefrau“ Margareta Knop war Trauzeugin. Alfred und Margareta wohnten damals in der Aschaffenburger Straße 25 in Berlin-Wilmersdorf.

Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war Alfred Knop gerade 52 Jahre alt geworden. Nachdem er seine Stelle als Prokurist aufgeben musste, arbeitete er als Kassierer und später als bevollmächtigter Vertreter bei der Getreide- und Effektenbörse in Berlin. Mit den Nürnberger Gesetzen, die am 15. September 1935 verabschiedet wurden, veränderte sich sein und das Leben seiner Ehefrau dramatisch. Die 1871 gesetzlich garantierte Gleichstellung jüdischer Mitmenschen im Deutschen Reich wurden durch diese Gesetze beendet. Ausgrenzung und Entrechtung der Juden waren die Folge. Der Rassenwahn wurde zum Verwaltungshandeln und das Strafrecht für die nationalsozialistische Ideologie instrumentalisiert. Die nicht-jüdischen Ehepartner wurden unter großen Druck gesetzt, sich von ihren jüdischen Ehepartnern scheiden zu lassen. Alfred und Margareta ließen sich dadurch aber nicht auseinanderbringen und lebten in einer kinderlosen „Mischehe“, wie es in der Sprache der Nationalsozialisten hieß. Der getaufte Christ musste der Jüdischen Gemeinde zwangsweise beitreten.

Am 17. Mai 1938 starb Alfreds Bruder Willi Knop mit 55 Jahren. Aufgrund der Zweiten Verordnung vom 17. August 1938 musste Alfred den Zwangsnamen „Israel“ tragen. 

Als am 9. November 1938 an der Wohnungstür der Eheleute Knop und einem Fenster ihrer Parterrewohnung in der Trautenaustraße 9 mit dicker weißer Farbe das Wort „Jude“ und ein „Judengesicht“ gemalt wurden, empfanden sie dieses als einen „Angriff“ und fürchteten das „Schlimmste“. Aus Angst und Verzweiflung, dass die Nazis eines Tages auch ihre Wohnung zertrümmern könnten, schlug Alfred vor, eine Tarnscheidung vornehmen zu lassen. In der Hoffnung, zu den „Schlauen“ zu gehören, nahm Margareta diesen Vorschlag an. Auch hoffte Alfred, dass er das Wohnungsinventar so vor dem Zugriff der Gestapo retten könnte.

Seine Idee war, dass Margareta die Wohnungseinrichtung als „Arierin" besser verkaufen und ihm damit die Auswanderung nach Amerika ermöglichen könnte, wohin sie ihm später folgen sollte.

Mit Urteil vom 3. März 1939 wurden beide nach 23 Jahren glücklicher Ehe am 25. März 1939 „schuldhaft“ geschieden. Beide sahen in der Scheidung nur eine räumliche Trennung. Damit sie sich weiterhin sehen und treffen konnten, suchte Alfred sich ein Zimmer in der Nähe seiner Frau. Seit Februar 1939 wohnte er zur Untermiete im Erkerzimmer der 1. Etage des Nachbarhauses in der Trautenaustraße 10 bei dem Architekten Nachtlicht und dessen Familie. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war er allerdings noch in der Trautenaustraße 9 gemeldet. Margareta besuchte ihn täglich und brachte ihm Essen. Obwohl sie aufgrund eines Knackens im Telefon glaubte, dass sie von der Gestapo abgehört würde, telefonierte sie täglich mit Alfred. Sie hofften, dass doch noch alles gut gehen würde: Sie stellten sich vor, sich nach dem „Zusammenbruch der Naziherrschaft, der ja doch mal kommen musste, (...) einfach wieder standesamtlich trauen zu lassen.

Seit dem 19. September 1941 musste Alfred Knop den „Gelben Stern“ tragen. Bei gemeinsamen Unternehmungen hatte Margareta deshalb große Angst, von der Gestapo festgenommen zu werden. Sie fühlte sich ständig verfolgt.

Anfang Januar 1942 erhielt Alfred Knop den Deportationsbefehl in die Trautenaustraße 10. Margareta half ihm beim Packen und wollte sich mit ihm deportieren lassen, da sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen konnte. Alfred und die Eheleute Nachtlicht konnten sie jedoch davon abhalten.

Einen Monat vor seinem 61. Geburtstag, am 19. Januar 1942, wurde Alfred mit dem 9. Osttransport zusammen mit 1008 weiteren Berliner Jüdinnen und Juden nach Riga deportiert. Er starb angeblich im Februar 1942 an Hungerödemen im Altersheim des Ghettos Riga. So stand es auf der 1950 von Margareta Knop beantragten Sterbeurkunde.

Alfreds Schwester Lea überlebte den Holocaust aufgrund der „Mischehe“ mit Friedrich Scheller, der im Oktober 1945 in Berlin an einem Schlaganfall starb.

Aufgrund der Bundesgesetze vom 23. Juni 1950 zur „Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ und über die „Anerkennung freier Ehen für politisch Verfolgte“, denen aufgrund nationalsozialistischer Gesetze die Eheschließung verweigert worden war, erklärte das Standesamt Berlin-Wilmersdorf die Ehe zwischen dem Verstorbenen Alfred Knop und Margareta Knop geborene Schulze - Vellinghausen rückwirkend ab dem 1. April 1939 als wieder geschlossen. Dadurch hatte sie Anrecht auf Entschädigung und Witwenrente. 

Laut Protokoll der öffentlichen Sitzung der Schiedsstelle vom 2. April 1952 wurde Margareta Knop vom Vorsitzenden gefragt, weshalb alle beide die Schuld an der Scheidung auf sich genommen haben. Sie erwiderte darauf, dass sie nicht gewollt habe, dass ihr Mann die Schuld als Jude alleine auf sich nimmt.