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Benno Cassirer

Stolperstein Benno Cassirer Foto: OTFW
VERLEGEORT
Pariser Str. 5

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
24.02.2020

GEBOREN
05.02.1863 in Gleiwitz / Gliwice
DEPORTATION
am 24.07.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 26.09.1942 nach Treblinka
ERMORDET
September 1942 in Treblinka

Benno Cassirer wurde am 9. Februar 1863 im oberschlesischen Gleiwitz (heute Gliwice / Polen) geboren.
Ob Benno Cassirer in direkter Linie von der berühmten Familie Cassirer abstammte, die in Industrie und Technik, Medizin und Philosophie, Verlagswesen, Kunsthandel, Musik und Erziehung tätig war, lässt sich letztendlich nicht nachweisen. Der Stammvater der bekannten Cassirers, Moses Ben Loebel, lebte bis zu seinem Tod 1852 in Gleiwitz und war Vater von insgesamt sieben Söhnen. Einige Nachkommen zogen ins nahe gelegene Schwientochlowitz (Świętochłowice), weitere gingen nach Breslau und Berlin. Benno Cassirer könnte ein Nachkomme in zweiter Generation sein oder aus einer Seitenlinie stammen.
Benno Cassirers persönlicher und beruflicher Werdegang bleibt im Dunkeln, da kaum Dokumente über ihn existieren. Er gab in der Vermögenserklärung, die Juden gezwungenermaßen kurz vor ihrer Deportation ausfüllen mussten, an, ledig zu sein. In der Sonderkartei für Juden, die im Rahmen der Volkszählung von 1939 angelegt wurde, war Benno Cassirer in der Pariser Straße 5 gemeldet. Sicherlich lebte er als alleinstehender Mann bei einem der Mieter des Hauses in einem Zimmer zur Untermiete. Seit 1940 wohnte er in der Düsseldorfer Straße 12 im 2. Stock im Vorderhaus zur Untermiete bei Frau Majut. Er musste für das Zimmer 41 RM Monatsmiete bezahlen, bei einer Rente aus der Angestelltenversicherung von 66 RM. Die der Vermögenserklärung beigefügte Inventarliste seiner ihm verbliebenen Habseligkeiten wies eine komplette Einrichtung eines Zimmers aus – inklusive einer Kiste mit Büromaterial, was auf Benno Cassirers Bürotätigkeit im Angestelltenverhältnis hinweist. Unter seiner Bekleidung befanden sich Gehröcke und Paletots, ein Hinweis auf besonders gepflegtes Äußeres und eine dementsprechende gesellschaftliche Stellung.
Mit einem sogenannten kleinen Alterstransport, der 100 Menschen umfasste, wurde der 79-jährige Benno Cassirer am 24. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Nur zwei Menschen aus diesem Transport überlebten. Zwei Monate später, am 26. September, wurden aus dem Theresienstädter Getto 2008 Menschen in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt, unter ihnen Benno Cassirer, wo sie alle sofort ermordet wurden.


Biografische Zusammenstellung

Recherche/Text: Karin Sievert

Weitere Quellen

Deportationslisten
Sigrid Bauschinger „Die Cassirers, Unternehmer, Kunsthändler, Philosophen“