- Verlegeort
- Bundesplatz 2
- Bezirk/Ortsteil
- Wilmersdorf
- Verlegedatum
-
07. Juni 2011
- Geboren
- 04. März 1882 in Berlin
- Deportation
- am 18. Oktober 1941 nach Łódź / Litzmannstadt
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Ermordet
- 08. Mai 1942 in Chełmno / Kulmhof
Jenny Fürst kam am 4. März 1882 als drittes von insgesamt sieben Kindern des Kaufmanns Isidor Isaak Fürst (*1852) und seiner Ehefrau Amalie Fürst geborene Barsch (*1855) in Berlin zur Welt. Ihr älterer Bruder Harry war bei ihrer Geburt fünf und ihre ältere Schwester Hedwig drei Jahre alt. 1885 wurde Elsbeth, 1886 Margarethe, 1889 Walter und acht Jahre später, 1897, Wolf Erich geboren. Wolf Erich starb mit drei Monaten.
Ihr älterer Bruder Harry heiratete vermutlich 1905 die Nicht-Jüdin Martha Helene Selma König (*1885). Sie bekamen drei Kinder. Werner (*1906) und Edith (*1909) starben beide im Kleinkindalter. Ilse wurde am 1. August 1907 geboren.
Jennys ältere Schwester Hedwig heiratete am 22. August 1907 den Buchdrucker Jacob Selig (*14. November 1878). Ein Jahr später, am 18. Juli 1908, wurden sie Eltern eines Sohnes, dem sie den Namen Herbert Isong gaben.
Wann und wo Jenny ihren späteren Ehemann, den aus Breslau stammenden Kaufmann Franz Josef Süssmann (*21. August 1877) kennenlernte, ist nicht bekannt. Jenny und Franz heirateten am 22. März 1910 in Berlin. Sie wohnten anfangs in der Alexandrinenstraße 57 in Berlin-Kreuzberg und später lange Jahre in der Koblenzer Straße 13 in Berlin-Wilmersdorf. Ihre Ehe blieb kinderlos.
Am 2. April 1911 verlobten sich in Berlin Jennys Schwester Elsbeth, genannt Else, und der 30-jährige Manager Max Bendel (*1881), der schon mit 21 Jahren nach Philadelphia in die USA gegangen war. Die Hochzeit der Beiden fand im Juli 1911 in Chicago statt. Hier kamen auch ihre drei Kinder Ruth (*1913), Donald (*1915) und Victor (*1919) zur Welt. Das Glück war nur von kurzer Dauer, denn schon am 7. Mai 1920 starb der 39-jährige Max Bendel. Elsie, wie sie sich in den USA nannte, blieb mit den Kindern in den USA.
Jennys jüngster Bruder, der Kaufmann Walter Fürst, heiratete am 6. November 1919 die evangelische Zahnarztstudentin Adda Berta Rosa Wilhelmine Charlotte Tiedcke (*1893) und zog mit ihr nach Neubabelsberg. Die Ehe wurde zwei Jahre später wieder geschieden. Am 4. April 1925 heiratete er in zweiter Ehe Elsa Herta Auguste Schneider (*6. August 1898). Diese Ehe wurde im Juli 1932 in Berlin geschieden.
Im Dezember 1919 starb ihr Vater Isidor Isaak mit 67 Jahren in seiner Wohnung in der Durlacher Straße 11. Auch ihre Mutter starb hier vier Jahre später, im Juli 1923, im Alter von 68 Jahren. Jenny meldete den Tod beim Standesamt.
1924 kamen Jennys 11-jährige Nichte Ruth, der 9-jährige Neffe Donald und der 5-jährige Neffe Victor aus den USA zu Besuch zu den Süssmanns in die Koblenzer Straße 13 in Berlin.
Am 15. August 1934 emigrierte auch Jennys jüngste Schwester Margarethe in die USA und zog zu ihrer Schwester Elsie. Auch der jüngste Bruder Walter wurde nach seinen zwei gescheiterten Ehen Amerikaner.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die 57-jährige Jenny und ihr 62-jähriger Ehemann Franz Süssmann am Kaiserplatz 2 (heute Bundesplatz 2), wo sie seit 1934 wohnten, gemeldet.
Wie alle Juden und Jüdinnen im Deutschen Reich wurden auch Jenny und Franz Süssmann ab September 1941 gezwungen, den gelben Stern zu tragen. Einen Monat später, am 16. Oktober 1941, hatten sie sich zusammen mit ihrer Schwester Hedwig und deren Ehemann Jacob Selig im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7-8 einzufinden.
Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert. Nicht registriert wurde Jennys Ehemann Franz Süssmann. Er wurde laut Sterbeurkunde von der Polizei am 17. Oktober 1941 in der Landhausstraße 18 in Berlin-Wilmersdorf tot aufgefunden. In der Landhausstraße 18 befand sich das 155. Polizeirevier und die Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick. Nach Auskunft der Polizei starb Franz Süssmann am 16. Oktober 1941 um 22.30 Uhr an einem Herzschlag. Es ist davon auszugehen, dass er am Abend des 16. Oktobers in der Wohnung des Schriftsetzers F. Mattick seinem Leben selbst ein Ende setzte, um der Deportation zu entgehen.
Am 18. Oktober 1941 ging es für die zur Deportation vorgesehenen Menschen zu Fuß in strömendem Regen oder zum Teil auf offenen Lastwagen für jeden sichtbar zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von wo aus der erste Deportationszug insgesamt 1.251 Personen in den „Osten umsiedelte“, wie es verharmlosend hieß. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann, in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Einen Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurden Jenny Süssmann sowie Jacob und Hedwig Selig am 19. Oktober 1941 in die Blattbinder Gasse 14 in Raum 14 einquartiert. Unter erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter und das Frühjahr 1942.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielten auch Jenny, Hedwig und Jacob einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurden sie in einem Gaswagen ermordet.
Jenny Süssmann musste mit 60 Jahren aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien sterben.
Ihr älterer Bruder Harry, der bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in Ostpreußen gemeldet war, kam am 4. November 1939 zurück nach Berlin und wohnte zur Untermiete in der Potsdamer Straße 161. Seine Tochter Ilse Popp geborene Fürst lebte mit ihrem „arischen“ Ehemann in Berlin - Mariendorf. Ilse war als Halbjüdin und durch ihren Ehemann vor der Deportation geschützt. Harry Fürst wurde am 17. Juli 1942 mit dem 24. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später, am 16. Mai 1944, deportierte die Gestapo ihn weiter in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie ihn mit 66 Jahren ermordeten.
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