Adolf Selzer

Verlegeort
Knaackstr. 58
Historischer Name
Tresckowstr. 43
Bezirk/Ortsteil
Prenzlauer Berg
Verlegedatum
10. Mai 2023
Geboren
24. Mai 1893 in Zastawie (Galizien)
Beruf
Kaufmann
Interniert
von 13. September 1939 in Sachsenhausen
Hingerichtet
28. Mai 1942 in Sachsenhausen
Biografie

Adolf Selzer wurde am 24. Mai 1893 in Zagrobela/Galizien geboren. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir leider nichts. Wann er nach Berlin kam, konnte ebenfalls nicht ermittelt werden. Möglicherweise floh er bereits während des Ersten Weltkriegs vor den Kämpfen in Galizien nach Westen und kam so, wie viele galizische Jüdinnen und Juden, nach Deutschland.

Er heiratete im Oktober 1932 in Berlin die 1910 im Berliner Scheunenviertel geborene Fanny Alembik. Die Berufsangaben in ihrer Eheurkunde lauten: Kaufmann und Kontoristin. Bedauerlicherweise gibt es keine Angaben zu den Eltern der Brautleute. Bereits zwei Monate vor der Eheschließung wurde am 30. August 1932 ihr erstes Kind Manfred geboren. Vier Jahre später, am 20. Januar 1936, Tochter Brigitte.

Die Familie wohnte seit 1933 in der Tresckowstraße 43 (heute Knaackstraße 58) in Prenzlauer Berg in einer Zweizimmerwohnung mit Küche. Im Adressbuch von 1934 wird Adolf mit der Berufsangabe Kaufmann genannt.

In den Unterlagen der im Mai 1939 im Deutschen Reich durchgeführten Volkszählung werden alle vier Selzers sowie die Untermieterin Amalie Rotherosen unter dieser Anschrift genannt.

Die wirtschaftlichen und wohnlichen Verhältnisse hatten sich infolge der sozialen und juristischen Repressionen gegen Jüdinnen und Juden so verschlechtert, dass die vierköpfige Familie in einem Raum zusammenrücken musste.

Am 13. September 1939 wurde Adolf Selzer verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ im KZ Sachsenhausen genommen, da er als polnischer und damit, ab Kriegsbeginn 1939, Staatsbürger einer feindlichen Nation galt. Seine Frau Fanny besaß einen Fremdenpass und war staatenlos.

Während Fanny trotz der beiden kleinen Kinder (vier und acht Jahre) ab etwa 1940 zu Zwangsarbeit bei Siemens & Halske verpflichtet war, wurde Adolf Selzer weiter im KZ Sachsenhausen festgehalten.

Im Mai 1942 verübte die jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten. Im Anschluss nahmen die Nationalsozialisten blutige „Rache".

Am 28. Mai 1942 wurden im KZ Sachsenhausen 250 willkürlich ausgewählte jüdische Männer als Vergeltungsaktion erschossen. Unter ihnen befand sich Adolf Selzer.

Nur drei Wochen später wurden seine Frau Fanny und die Kinder Manfred und Brigitte am 19. Juni 1942 mit dem „8. Alterstransport“ ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Mehr als zwei Jahre „lebten“ sie dort unter entsetzlichen Umständen. Am 12. Oktober 1944 wurde die Familie nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Ihre Untermieterin, Amalie Rotherosen, war bereits im Oktober 1941 ins Ghetto Łódź/Litzmannstadt deportiert worden. Auch sie hat die Shoah nicht überlebt.

Für sie und ihre drei Schwestern liegen seit 2018 Stolpersteine in der Schwedter Straße 47.