Brigitte Selzer kam am 20. Januar 1936 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Adolf Selzer und dessen Ehefrau Fanny, geb. Alembik, zur Welt. Ihre Eltern hatten im Oktober 1932 in Berlin geheiratet. Brigitte wuchs mit dem vier Jahre älteren Bruder Manfred auf.
Die Familie wohnte seit 1933 in der Tresckowstraße 43 (heute Knaackstraße 58) in Prenzlauer Berg in einer Zweizimmerwohnung. Im Adressbuch von 1934 wird der Vater Adolf mit der Berufsangabe Kaufmann genannt.
In den Dokumenten der Volkszählung von Mai 1939 werden alle vier Selzers sowie ihre Untermieterin Amalie Rotherosen unter dieser Anschrift genannt.
Die wirtschaftlichen und wohnlichen Verhältnisse hatten sich infolge der Repressionen gegen Jüdinnen und Juden so verschlechtert, dass die vierköpfige Familie nun auf einen Raum zusammenrücken musste.
Am 13. September 1939 wurde Brigittes Vater Adolf verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ im KZ Sachsenhausen genommen, da er als polnischer, und damit seit Kriegsbeginn als feindlicher Staatsbürger galt. Ihre Mutter Fannys war staatenlos, hatte allerdings einen Fremdenpass.
Während Fanny trotz der beiden kleinen Kinder (vier und acht Jahre) ab etwa 1940 zur Zwangsarbeit bei Siemens & Halske verpflichtet war, wurde Adolf weiter in Sachsenhausen ausgebeutet.
Nachdem im Mai 1942 die jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten verübt hatte, nahmen die Nazis blutige Rache.
Am 28. Mai 1942 wurden im KZ Sachsenhausen 250 willkürlich ausgewählte jüdische Männer in einer Vergeltungsaktion erschossen. Unter ihnen befand sich auch Adolf Selzer.
Nur drei Wochen später wurde Brigitte mit ihrem Bruder und ihrer Mutter am 19. Juni 1942 mit dem „8. Alterstransport“ ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Mehr als zwei Jahre lebten sie dort unter entsetzlichen Umständen. Am 12. Oktober 1944 wurde die Familie nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.
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