Manfred Selzer kam am 30. August 1932 in Berlin als Sohn des Kaufmanns Adolf Selzer und dessen Ehefrau Fanny, geb. Alembik, zur Welt. Seine Eltern heirateten im Oktober 1932 in Berlin. Vier Jahre später, am 20. Januar 1936, wurde die Schwester Brigitte geboren.
Die Familie wohnte seit 1933 in der Tresckowstraße 43 (heute Knaackstraße 58) in Prenzlauer Berg in einer Zweizimmerwohnung. Im Adressbuch von 1934 wird Manfreds Vater Adolf mit der Berufsangabe Kaufmann genannt.
In den Unterlagen der im Mai 1939 durchgeführten Volkszählung werden alle vier Selzers sowie ihre Untermieterin Amalie Rotherosen noch unter dieser Anschrift genannt.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse hatten sich infolge der NS-Repressionen gegen jüdische Menschen so verschlechtert, dass die vierköpfige Familie in einen Raum zusammenrücken musste.
Am 13. September 1939 wurde Adolf Selzer verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Adolf galt in Deutschland als polnischer und damit seit September 1939 feindlicher Staatsbürger. Fannys Staatsbürgerschaft galt gar als ungeklärt. Allerdings hatte sie einen Fremdenpass.
Während Mutter Fanny trotz der beiden kleinen Kinder (vier und acht Jahre) ab etwa 1940 zu Zwangsarbeit bei Siemens & Halske verpflichtet war, blieb Manfreds Vater Adolf weiter im KZ Sachsenhausen inhaftiert.
Nachdem im Mai 1942 die jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten verübt hatte, nahmen die Nazis blinde Rache.
Am 28. Mai 1942 wurden im KZ Sachsenhausen 250 willkürlich ausgewählte jüdische Männer in einer Vergeltungsaktion erschossen. Unter ihnen befand sich Adolf Selzer.
Nur drei Wochen später wurden Fanny, Manfred und Brigitte am 19. Juni 1942 mit dem „8. Alterstransport“ ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Mehr als zwei Jahre lebten sie dort unter entsetzlichen Umständen. Am 12. Oktober 1944 wurden sie nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.
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