- Verlegeort
- Marburger Str. 12
- Bezirk/Ortsteil
- Charlottenburg
- Verlegedatum
-
19. Juni 2012
- Geboren
- 14. Februar 1886 in Samotschin (Posen) / Szamocin
- Deportation
- am 06. März 1943 nach Auschwitz
-
Ermordet
- in Auschwitz
Gertrud Jacobsohn wurde als Gertrud Jüdel am 14. Februar 1886 in Samotschin (Szamocin, Polen) in der Nähe von Bromberg geboren. Für ihre Eltern Samuel Jüdel (*1855) und dessen Ehefrau Paulina Jüdel geborene Lenger (*1860) war sie das jüngste von insgesamt zwei Kindern. Ihr Bruder Louis wurde nach seinem Großvater väterlicherseits benannt und Gertrud nach ihrer Großmutter väterlicherseits.
Wann und wo Gertrud ihren späteren Ehemann, den aus Pakosch (Pakość, Polen) stammenden Kaufmann Jacob Jacobsohn (*24. Oktober 1884), kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten 1915/16 in Znin (Żnin, Polen), dem Wohnort von Jacob und seinen Eltern Johanna und Neumann Jacobsohn, deren einziger Sohn er war. Am 16. Dezember 1916 wurde in Znin auch ihre erste Tochter Paula geboren. Als nach dem Versailler Vertrag die Stadt Znin am 10. Januar 1920 an Polen abgetreten werden musste, ging die kleine Familie nach Berlin. Hier wurde am 13. April 1922 ihr Sohn Heinz und am 1. März 1927 ihr drittes Kind Phili geboren. Jacobs Eltern wohnten danach in Küstrin.
Als Heinz im April 1928 in die Charlottenburger Schule in der Witzlebenstraße eingeschult wurde, wohnte die Familie in der Meineckestraße 18 in Berlin-Charlottenburg. Jacob arbeitete als Grundstücks- und Hypothekenberater. Im April 1933 wurde Phili in die Joachimsthaler Schule eingeschult. Heinz wechselte am 21. Dezember 1934 in die 3. Klasse des Adass Yisroel Real-Gymnasiums. Zwei Jahre später, am 27. März 1936, wurde er dort abgemeldet, da die Klassen sich auflösten, weil das Schulgeld nicht mehr zu finanzieren war und viele Schüler ins Ausland emigrierten. Phili wurde im März 1937 in der Joachimsthaler Schule abgemeldet. Danach ist die Familie vermutlich in die Marburger Straße 12 umgezogen. Heinz und Phili hatten die Chance, mit einem Kindertransport Deutschland zu verlassen. Heinz kam am 31. März 1939 und Phili am 21. April 1939 in Großbritannien in Sicherheit an.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren nur noch Gertrud und Jacob mit ihrer 22-jährigen Tochter Paula und Jacobs Mutter Johanna in der Marburger Straße 12 in Berlin gemeldet. Paula gelang wenig später, im August 1939, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, die Flucht nach Großbritannien. Ob sie ihren Ehemann mit dem Nachnamen Hess noch in Berlin heiratete oder kurz darauf in England, konnte nicht recherchiert werden. Sie arbeitete in London als Haushaltshilfe.
Der 17-jährige Heinz lebte nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 im Kitchener Camp, einem Durchgangslager (Transmigration Camp) für jüdische Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich. Er arbeitete dort als Büroangestellter. Philis Wohnort war 1939 Surrey in England. Ab 1940 mussten Jacob und Gertrud Zwangsarbeit leisten.
Gertruds Schwiegermutter Johanna wurde zusammen mit ihrer jüngsten Schwester Dora und deren Ehemann Lesser Pinkus am 14. Januar 1943 vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt deportiert. Zehn Tage überlebte sie die unmenschlichen Bedingungen im Ghetto. Johanna Jacobsohn geborene Chaim starb am 24. Januar 1943 kurz nach ihrem 85. Geburtstag. Als Todesursache wurde auf dem Totenschein Altersschwäche angegeben.
Im Rahmen der „Fabrikaktion“ wurden Gertrud und Jacob am 27. Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz von der Gestapo festgesetzt und anschließend in einem Sammellager bis zum 5. März 1943 interniert. Am 6. März 1943 wurden sie zusammen mit 660 weiteren Personen nach Auschwitz-Birkenau deportiert und zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Es ist anzunehmen, dass beide sofort nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in den Gaskammern den Tod fanden. Demnach starb Gertrud Jacobsohn geborene Jüdel mit 57 Jahren und ihr Ehemann Jacob Jacobsohn mit 58 Jahren.
Alle Texte und Bilder auf dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis des/r Rechteinhaber*in verwendet werden.