Clara Lehmann geb. Meyer

Verlegeort
Mommsenstraße 6
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
11. Dezember 2007
Geboren
24. Mai 1865 in Oerlinghausen
Deportation
am 17. August 1942 nach Theresienstadt
Später deportiert
am 21. September 1942 nach Treblinka
Ermordet
in Treblinka
Biografie

Clara Lehmann wurde als Clara Meyer am 24. Mai 1865 in Oerlinghausen (Lippe) als Tochter von Lina Meyer, geb. Hirschfeld, und des Leinenfabrikanten Abraham Meyer-Sternberg geboren. Ihre jüngere Schwester Selma kam am 7. Mai 1868 zur Welt. 1890 zog die Familie nach Bielefeld um. 

1890 heiratete Clara in Brüssel Jules Lehmann, doch wurde die Ehe nach drei Jahren geschieden. 1911 zog sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Selma Wechsler in die Mommsenstraße 6, Vorderhaus, II. Stock rechts. Sie lebte also 30 Jahre in diesem Haus bevor die Nationalsozialisten sie von hier vertrieben. Nach dem Tod ihrer Mutter ist sie ab 1926 im Berliner Adressbuch erstmals als Hauptmieterin nachweisbar. Ihre Mutter war also in einem der Jahre davor gestorben. Obwohl die Schwestern bereits1909 zum evangelischen Glauben konvertiert und aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten waren, was auf der "Kennkarte" korrekt vermerkt ist, wurden sie als jüdisch gekennzeichnet. Am 16. Juni 1942 mussten sie aus der großzügigen 5-Zimmer-Wohnung zwangsweise in die Leistikowstraße 2 in ein sogenanntes „Judenhaus" einziehen. Dort teilten sie sich ein spärlich möbliertes Zimmer, für 50 RM Miete monatlich.


Claras Schwester Selma hatte mit ihrem Mann Theodor Wechsler zeitweilig in Argentinien gelebt und besaß die argentinische Staatsbürgerschaft. Sie tauchte 1942 unter, wurde aber im Januar 1944 entdeckt, als sogenannte "Austauschjüdin" kategorisiert und in einem Transitlager in Berlin, später in einem DP-Lager in Liebenau, Baden-Württemberg interniert. Sie konnte überleben.
 
Clara Lehmann hingegen musste sich in dem von den Nationalsozialisten ab 1942 als "Sammelstelle" missbrauchten Gemeindehaus der Gemeinde Adass Jisroel in der Artilleriestraße 31 einfinden. Ihre "Vermögenserklärung", die sie vor der Deportation auszufüllen hatte, weist eine nicht unerhebliche Summe, u.a. die Erbschaft von ihrem Vater, aus. Die "Zustellungsurkunde", mit der die Einziehung aller Werte "zugunsten des Deutschen Reiches" verfügt wurde, konnte die Gestapo ihr nicht mehr aushändigen, da sie "abgewandert" bzw. "evakuiert" sei. Mit diesen Worten wurde der Abtransport in den Tod verschleiert.

Clara Lehmann wurde am 17. August 1942 mit dem sogenannten "1. Großen

Alterstransport" nach Theresienstadt deportiert. Am 21. September 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Treblinka weiterverschleppt und dort sofort nach ihrer Ankunft ermordet.